Wenn ich einen Song in D komponiere, komponiere ich den in D, Punkt

Als 1987 das selbstbetitelte Debüt von Mekong Delta das Licht der Welt erblickte, war die Welt noch nicht reif für das Werk der Progressive Thrash Götter. Songs wie das an Mussorgski’s „Bilder einer Ausstellung“ angelehnte „The hut of baba yaga“ oder spätere Meisterwerke wie „The music of Erich Zann“ und „The principles of doubt“ wurden von den Medien teils bejubelt, teils verteufelt, einen goldenen Mittelweg gab es nie für die Band, die einst mit den bis Dato völlig unbekannten Musikern wie Gordon Perkins, Keil, Rolf Stein, Vincent St.John und allen voran Björn Eklund ins Rampenlicht trat. Wer sich allerdings ein wenig in der Hard und Heavy Geschichte auskennt weiß natürlich längst, dass sich hinter diesen Pseudonymen Koryphäen wie Jörg Michael, Frank Fricke oder eben Ralf Hubert, Chef von Aarrg Records, Produzent, musikalisches Allround Genie und weltklasse Basser, verbargen. Eine wirkliche Überraschung mal das damalige Outing dann auch nicht wirklich.

Nach dem 1997er Hammer „Pictures at an exhibition“, welches komplett instrumental daherkam, wurde es ruhig um MD, die dann allerdings stärker denn je 2007, also exakt 10 Jahre später mit „Lurking fear“ eine brillante Wiederauferstehung feierte, die in der nicht minder überragenden Scheibe „Wanderer on the edge of time“ seine Fortsetzung fand. Und heute, 25 Jahre nach Veröffentlichung der ersten Platte hat sich Ralf Hubert dazu entschlossen, auf „Intersections“ den alten Klassikern wie „The cure“, „Innocent“, „Heroes grief“ oder „Prophecy“ neues Leben einzuhauchen und diese einfach mal neu zu interpretieren und einzuspielen, mit einem schier umwerfenden Ergebnis.

Diese tolle Platte, 25 Jahre Mekong Delta und meine eigene Faszination für diese wirklich außergewöhnliche Band veranlassten mich letztendlich dazu, mal locker beim Chef höchstpersönlich nach einer Audienz zu fragen, die mir der mehr als sympathische Bassist gerne gewährte. Es entwickelte sich ein recht langes und sehr ausführliches Gespräch, bei dem sich Ralf Hubert völlig anders zeigte, als wie ich ihn vorab einschätze. Statt der von mir im Vorfeld befürchteten Extrovertiertheit, redete der Meister der tiefen Töne aus vollem Leib und offenbarte die eine oder andere lesenswerte Anekdote.
Ralf, 25 Jahre nach Eurem Debüt. Wie fällt nach einem Vierteljahrhundert Mekong Delta Dein bisheriges Fazit aus?

Ha, gute Frage, denn meine Musik hat sich seit diesen Tagen ja ständig weiterentwickelt und um ein gerechtes Fazit ziehen zu können muss man immer wieder sich vor Augen führen, wie das damals eigentlich zustande gekommen ist und angefangen hat. Ich habe damals den Jörg(Michael-Schlagzeug-Legende-Olaf)kennengelernt und schnell festgestellt, dass wir beide unbedingt was zusammen machen müssen. Er kommt aus dem Metal, ich aus dem klassischen Bereich und diese Symbiose war zum damaligen Zeitpunkt total reizvoll. Jörg kam dann irgendwann 1985 mit einem recht merkwürdigen Demo Tape einer Band namens Metallica an, auf dem ein Song drauf war, der eine ziemlich coole rhytmische Anomalie aufwies, die es so damals noch nicht gab und ich nur zu mir selbst sagte, dass kann man auch besser machen. Jörg meinte darauf nur: Mach doch, mach doch…hahaha. Ich hab dann so einiges ausgearbeitet, ihm auf dem Bass vorgespielt und wer war so begeistert, dass er sofort angefangen hat, auf diese Ideen seine Drums zu legen. Ich fand das total geil, dass da ein Schlagzeuger war, der auf diese von mir komponierte kaputten Sachen auch spielen konnte. Das war die Geburtsstunde von Mekong Delta und aus dem entwickelten sich dann immer mehr Ideen wie die Arbeiten mit einer klassischen Konzertgitarre oder halt die Zusammenbringung von ganz krassen Klassikern und hartem Metal. Wir hatten dann auch recht viele Gitarristen angetestet, landeten dann aber doch bei den beiden Living death Gitarristen Frank Fricke und Reiner Kelch, die ich schon damals als megatalentiert befand und die dann auch präzise wie ein Maschinengewehr die Tracks einspielten. Als dann dieser Start vollzogen war fing ich an, die klassischen Sachen abzuarbeiten, umzuschreiben, anzupassen und in die Band zu integrieren. Jede Sache die ich angepackt habe hatte zum Ziel, eine Rockgruppe immer ein Stück weiter nach vorne zu bringen, was dann bei „Visions fugitives“ in dem Versuch gipfelte, die Band komplett in ein Orchester zu integrieren. Bei den Sachen aus dem Siebzigern wie beispielsweise Deep Purplewar es ja immer so, dass die Band gespielt und das Orchester geantwortet hat, was ich so ja nun gar nicht wollte. Mein Ziel war und ist es, das die Metalband komplett vom Orchester akzeptiert und aufgenommen wird. Wenn Du bei der „Lurking fear“ das Allegro furioso hörst, ist diese Interaktion meiner Ansicht nach bereits sehr gut gelungen. Dennoch versuche ich natürlich ständig, diese eingeschlagene Entwicklung weiter voran zu treiben. Also…reicht das als Fazit?
Naja, mich interessiert auch, ob Du mit Stolz auf das Vergangene zurückblickt oder lieber in die Zukunft und auf das, was noch kommen mag schaust…

Mein Fokus liegt auf jeden Fall auf der Weiterentwicklung und dem, was da noch kommen möge. Ich bin schon stolz auf die Vergangenheit und das Erreichte, doch man sagt mir in dieser Beziehung nach, ein recht merkwürdiger Mensch zu sein, denn was andere über meinen Werdegang denken, interessiert mich nicht im geringsten. Ich versuche einfach ständig, meine musikalischen Ideen umzusetzen und versuche, äußere Einflüsse komplett außen vor zu lassen. Uli Kusch (ex-Drummer) hat mir um 2007 einmal erzählt, dass er weltweit eine ganze Mange an Bands kennt, die Mekong Delta als ihre Vorbildern sehen. Das macht mich auf jeden Fall stolz und glücklich, doch gewusst hatte ich davon nichts, da ich mein Hauptaugenmerk auf das Kompositorische richte und nicht um das, was Drumherum geschieht. Jeder, der von Metal ein wenig Ahnung hat, hat Irgendwann schon mal den Namen Mekong Delta vernommen und das ist ein Umstand, der mich in meiner Arbeit bestätigt. Es kommt keiner an uns vorbei, ob er uns nun gut findet oder nicht, hahaha. In vielen Foren im Internet kann man ganz klar herauslesen, dass es bei uns wirklich nur zwei Lager gibt: Entweder man hasst oder man liebt uns. Das ist teilweise so krass, dass da regelrechte Kämpfe entstehen, anstatt man sich auf einem neutralen Boden trifft. Musik ist Geschmackssache und auch wenn sich Leute an meiner kompositorischen Vorgehensweise reiben, ist mir das ziemlich egal.

Auf zu „Intersections“ bei der ich mich irgendwie strikt weigere, diese als „Best of“ zu sehen…

Jaaa, das habe ich auch nie gemacht, dass wird einem immer irgendwie mit der Werbung vorgegaukelt. Wenn irgendein Schreiber so was behauptet, hat er keine Ahnung von dem, was er tut, hahaha.

Na dann bin ich ja beruhigt. Unter welchen Gesichtspunkten hast Du denn die Songs ausgesucht, die dann letztendlich auf der Platte gelandet sind? Die Neuinterpretationen sind jedenfalls Hammer geworden…

Danke, das ist schön zu hören. Die Auswahl habe ich gar nicht so großartig zu verantworten. Weißt Du, ich bin sehr fanorientiert und versuche immer so schnell als möglich zu antworten, wenn mir Irgendjemand Irgendwas schickt. Genauso macht es mir unendlich viel Spaß, mit den Fans vor oder nach dem Konzert zu reden und deren Meinung zu hören. Die Titel die wir live spielen, haben wir beispielsweise komplett aus einer Fanumfrage zusammengesellt. Klar waren da auch Brummer wie „Dances of death dabei“, doch wenn du dann nach 20 Minuten fertig bist, kannste gleich aufhören zu spielen, da ist keiner mehr aufnahmefähig, wenn du das Teil grade in die Fresse gekriegt hast, hahaha.
Das macht keinen Sinn. Naja, jedenfalls kam eigentlich immer die Aussage: Mensch, die Songs die ihr von früher spielt, klingen ja mittlerweile ganz anders und auch Martins Stimme dazu…zack, somit war die Idee geboren. Du hast mit der heutigen Aufnahmetechnik einfach ganz andere Möglichkeiten als Früher…und dennoch habe ich mich anfangs etwas gesträubt, denn die Songs hatten früher einfach ihren eigenen Stil und auch Reiz, den man auch ruhig so belassen kann. Doch nach einer fast einjährigen Diskussion kam dann der Durchbruch als mir gesagt wurde, ich solle doch meine Songs als klassische Werke sehen, die ja auch über die Jahrhunderte immer wieder neu aufgeführt wurden. Es sind zwar immer noch die gleichen Songs, aber mit einer völlig neuen und eigenen Interpretation, da hatten sie mich dann, hahaha. Die Auswahl der Songs wurde auch quasi schon im Vorfeld von den Fans bestimmt, denn die Stücke die wir immer wieder live spielen sollten, wurden dann auch genommen. Es war natürlich ein großer Vorteil, da die Band auf die Nummern bereits eingespielt waren und sie sich nicht extra noch neues Material draufschaffen mussten und zweitens hat man da bereits mehrfach über die jeweiligen Stücke viel geredet, hat dran gearbeitet und sie dann halt in die Tat umgesetzt. Es ist definitiv kein Best off, wie Du bereits treffend erwähntest, sondern ein Album mit alten Werken, neu interpretiert. Wenn ich mir heutzutage noch mal die Reviews von früher durchlese, von wegen „Sound“ und so, könnte ich schreien, denn die Leute die so was schreiben haben keine Ahnung was es damals hieß, solch eine Musik auf 16 Spur aufzunehmen. Dann sollten sie lieber gemäß Dieter Nuhr einfach mal die Fresse halten, hahaha. Du kannst die alten Kompositionen einfach nicht mit der heutigen Zeit messen und der Vorwurf, die Sachen klingen alle tiefer…Leute, wenn ich die Gitarre auf D oder C runterstimme.. eine Tonart hat einen bestimmten Klang und wenn ich einen Song in D komponiere, komponiere ich den in D, Punkt. Und wenn ich E nehme, muss ich meine Gitarre nicht runterstimmen. Ein Stück, welches ich in E komponiert habe, kannst du einfach nicht in C runterstimmen, dass kannst du gar nicht spielen. Technisch vielleicht schon, aber wie hört sich das an? C ist ne grade Tonart und E hat vier Kreuze. Das sind solche Banalitäten, die die Leute gar nicht sehen, geschweige denn hören. Über diese Diskussionen könnte ich mich immer wieder köstlich amüsieren. Als wir damals die ersten Gitarren fürLiving Death aufgenommen haben, gab es noch gar keine CDs und der Tontechniker, der das dann auch Vinyl bannen sollte hat dich dann schief angeguckt und gefragt, warum die Gitarren so verzerrt sind? Auf jeden Fall sind die Songs auf „Intersections“ auf dem heutigen Stand der Technik.

Um auf die Songauswahl zurückzukommen…Ich denke dann mal, das „Kaleidoscope“ das Lieblingsalbum der Fans sein muss, denn mit „Sphere eclipse“, „Innocent“ und „Heartbeat“ sind dreißig Prozent der Songs von diesem Scheibchen…

Naja…die wurden halt immer wieder gewünscht, so einfach is dat (lacht).

Auf jeden Fall ist von jedem Album was dabei…bis auf „Pictures of an exhibition“. Ist das darin begründet, dass Du Martin mehr Raum für seine Stimme lassen wolltest, da dieses Album ja rein instrumental ist?

Nein, überhaupt nicht. Da ist vielen Leuten etwas entgangen. Ich habe ja die „Classics“ in 2011 noch mal neu aufgelegt und habe da Songs von diesem Album mit draufgepackt, natürlich neu gemixt und gemastert.
Da ist mir aber auch was entgangen. Die alte Variante aus dem Jahr 1993 habe ich im Regal zu stehen…

Siehste? Zu Deiner Ehrenrettung sei gesagt, dass die Scheibe wirklich fast ausschließlich über die Fanbasis vertrieben wurde. Wer die CD haben will braucht mich nur anzumailen aufmekongmerch@zedmedia.deDa bekommt man auch alle anderen Scheiben von uns. Aber selbst das Allegro von „Lurking fear“ hat a noch ein Plätzchen drauf gefunden und es wäre eine ziemliche Verarsche gewesen, wenn wir auf „Intersections“ noch mal dieselben Songs draufgepackt hätten.

Apropos Martin. Ich habe gelesen, dass er nun bei Nachtgeschrei als Sänger eingestiegen ist. Ist er denn weiterhin bei Mekong Delta?

Yep ist er, wie in x anderen Truppen auch. Unser Drummer Alex Landeburg hält den Rekord mit 8 Bands (u.a. Rhapsody, Axxis). Von einer Truppe alleine kannst du heute nicht mehr leben, Beide sind weiterhin bei Mekong.

Ihr seid ja an der Livefront nicht besonders aktiv gewesen in der jüngeren Vergangenheit. Wäre es da nicht eine wunderbare Gelegenheit, 25 Jahre nach dem Debüt mal wieder was auf die Beine zu stellen?

(lacht) Auch hier ist dann wieder Vieles an den Leuten vorbeigegangen, denn in den letzten zwei Jahren waren wir ziemlich häufig live unterwegs. Allerdings stimmt es schon, dass wir in Deutschland tatsächlich nicht ganz soviel gerissen haben, weil man uns einfach nichts anbietet. Wir waren in Litauen, Moskau, Athen. Wir waren ziemlich aktiv…

Na klar, ist ja auch alles bei mir um die Ecke…

(lacht) Ja, aber da sind wir wieder beim elementaren Problem. Die Veranstalter wollen uns immer hierzulande auf Tour schicken…dat kannste knicken. Hör mal, wir haben in Deutschland 5-6.000 Fans, da reichen 2-3 zentrale Shows. Das ist das Perverse an Mekong Delta. Wir haben Fans von Australien über China, nach New York… Du glaubst gar nicht, von wo überall auf der Welt ich Autogramanfragen bekomme. Auf jeden Fall steckt da auch die ganze Download Problematik dahinter…

Auf die ich noch zu sprechen kommen wollte…

O.k., dann nur mal kurz…Der Verkauf von CDs wirkt sich unmittelbar auf die Tourneen aus, denn hier findet eine Quersubventionierung statt. Keine Band unserer Größenordnung wird es je schaffen, eine vernünftige Europa Tournee zu stemmen, ohne diese durch Verkäufe quer zu subventionieren. Das geht nicht. Schon gar nicht, wenn du den Leuten eine gewisse Show bieten willst. Licht, Sound. Klar, man kann auch in dunklen Clubs spielen…

Was mir grade auffällt, ich rede andauernd von „Ihr“…Ist Mekong Delta denn nun „Ihr“ oder doch „Du“?

Mekong Delta
bin ich, hahaha. Ich schreibe und komponiere alles alleine und schicke Partituren an die Musiker. Ja, wir arbeiten mit Partituren! Die Grob-Konstruktion eines Songs ist meist so: Ich arbeite die Rhytmik und die Melodien aus, die da reinkommen sollen und schicke das Alex. Der hört sich das dann an und entscheidet, ob man den Mist, den ich mir hab einfallen lassen, überhaupt spielen kann, hahaha. Dann treffen wir uns, arbeiten an den Ideen weiter und schicken das dann an die Gitarristen, die dann schauen müssen, was sie da spielen. Es ist teilweise recht schwierig, da ja viele Sachen für die Konzertgitarre konzipiert sind und die Jungs sich dann teilweise sogar neue Techniken aneignen müssen. Und wenn diese Basics stehen, treffen sich Martin (LeMar-Sänger) und ich und versuchen, aus den vorhandenen Melodien was heraus zu arbeiten. Wenn ich was aufnehme, grummel ich immer so vor mich hin und er muss dann schauen, was er da für einen Gesang raufmacht (lacht). Ich sprech ihm da auch nicht rein, das ist grundsätzlich seine Sache.
2007 nach 10 Jahren spektakulär mit „Lurking fear“ zurück gekommen, dann 2010 mit der „Wanderer…“ das in meinen Augen beste Album Deiner Historie. Nun „Intersections“. Das brummt ja momentan geradezu. Sind denn schon Ideen für neue Sachen am entstehen?

Kennst Du „Heart of darkness“ von Joseph Conrad?

Na klar…und vor allem die meiner Ansicht nach beste Interpretation von Francis Ford Coppola namens “Apocalypse now”…

Da arbeite ich nunmehr seit 6 Jahren dran und sollte eigentlich bereits 2007 rauskommen, doch ich hatte für „Lurking fear“ einfach zu viele Sachen komponiert. Gleiches galt dann 2010 bei der „Wanderer“ und somit verschob sich dieses Projekt immer weiter nach hinten. Außerdem ist es gar nicht so einfach, dieses Thema auszuarbeiten, denn der Mittelpunkt in der Geschichte ist ein Fluss und dafür passende Themen zu finden, erwies sich teilweise als recht schwierig, da ich auch viel wieder verwarf, um meinem Ruf als fieser Kritiker mir selbst gegenüber gerecht zu werden (lacht). Seit einem guten halben Jahr habe ich jetzt allerdings ein Thema, was mir immer noch gefällt und ich der Meinung bin, dass dies das Grundgerüst werden könnte. Die Kompositionen an sich sind bereits fertig, doch eben das verbindende Thema fehlte bislang noch. Und wenn mir die eben erwähnte Kompositionen in zwei Monaten immer noch gefällt, dann gibt es als nächstes „Heart of darkness“.

Ich krame jetzt mal ein wenig in der Vergangenheit. Ich fand das damals immer wieder recht lustig zu sehen, welche Pseudonyme Ihr Euch erdachtet, um die Musiker, die meist bei anderen Plattenfirmen unter Vertrag standen, vor rechtlichen Repressalien zu schützen. War das für Dich irgendwann mal ein Running Gag?

Nein, denn das war am Anfang wirklich ein sehr reales Problem, was im Wesentlichen Jörg Michael betraf, der bei Noise Records unter Vertrag stand und der Karl Walterbach war in solchen Sachen immer ziemlich spitzfindig. Als dann so die ersten Ideen durchsickerten kamen dann immer wieder Anfragen von anderen Labels, ob wir die Platte nicht bei denen machen wollten, was aber nicht infrage kam. Und Karl sagte nur: Entweder Ihr macht das bei mir oder gar nicht. Ein weiterer Aspekt war, dass zu diesem Zeitpunkt scheinbar eh keiner glaubte, dass solch eine Musik von Deutschen gemacht werden könnte, Jörg eh schon ein Pseudonym hatte und somit ging das dann los. Ich fand die Idee wirklich prickelnd, das muss ich ganz klar zugeben. Und es gab für alle Seiten keinerlei Probleme mehr.

Ich musste dann nur herzhaft lachen, was für ein Ballyhoo dann um das Outing gemacht wurde. Heutzutage liest du im Internet bereits über Filme, die erst in Monaten überhaupt ins Kino kommen…

Und ich hab da eh nie so einen Wirbel drum gemacht, doch witzig war das schon. Ich hatte damals eh nie daran gedacht, dass die ganze Geschichte in irgendeiner Form von Erfolg gekrönt sein könnte, doch das fertige Produkt hat mich völlig umgehauen. Damit bin ich dann zu SPV und seinen damaligen Einkäufer CD Hartdegen gelaufen, der mir dann erstmal so aus der Hüfte 1.000 Scheiben abgenommen hat, was allerdings den lustigen Effekt hatte, dass, als sie von uns 10.000 Platten bekamen, mich versuchten, 3 Wochen lang zu erreichen, was aber aufgrund meines Urlaubs nicht klappte. Da kamen Einschreiben wo ich denn sei, weil sie dringend Nachbestellungen bräuchten (lacht). Sowas passiert heute natürlich nicht mehr.
Du sagst die ganze Zeit SPV…die Platte kam doch aber bei Deinem Label Aaarg Rec. raus…

SPV war der Vertrieb und der Vertrieb (verstellt die Stimme wie Darth Vader)…Der Vertrieb hat die Macht, hahaha.

Ich hab das aber noch recht in Erinnerung, dass Aaarrg Records Dein Baby war…

Ja, das war mein Kind. Und wenn ich mir noch heute überlege, was wir damals alles für feine Sachen raus gebracht haben wo die anderen Leute gleich gesagt haben: Nee, dass ist mir zu komisch, hahaha.

So wie die Last descendants, die mit „One nation under god“ ein für mich damals bahnbrechendes Album veröffentlicht hatten…

Wobei der Gitarrist Gary Mortonein…sagen wir es mal so…sehr schwieriger Mensch war. Er war tief religiös und hat dadurch ne Menge durcheinander gebracht (lacht). Und ich war dann auch so, dass wenn es einfach nicht mehr lief ich durch meine Mitarbeiter ganz klar habe übermitteln lassen, dass wir da nichts mehr machen…

In dem Moment klingelt mein Telefon und meine Schwiegermutter unterbricht diesen mehr als unterhaltsamen Talk für einen kleinen Moment…

Aber es gab ja noch einen Haufen anderer, großartiger Bands in Deinem Rooster…

Klar, wie zum Beispiel die Belgier Target, die ich bis heute für total exzellent halte. Deren Album „Master project genesis“ ist bis heute für mich eines des herausragendsten Tech-Thrash Alben aller Zeiten. Deren Basser Johan Susant ist ein absoluter Fachmann, mit dem ich damals lange und ausgiebig geredet und diskutiert habe. Viele Basser haben mich immer als Vorbild gesehen..naja (lacht). Als Johan dann mit dem Album ankam, welches er im Alleingang komponiert hatte, bin ich lang hingeschlagen. Die Jungs sind nur leider am Schubladendenken vieler Schreiber gescheitert, die permanent Querverweise zu Mekong anstellten und somit der Band sämtliche Entfaltungsmöglichkeiten nahmen. Diese Vergleiche waren genau so ein Blödsinn, als wenn man Ravel mit Debussy vergleicht. Einer der Gitarristen hat mich letztens erst kontaktiert ob ich Probleme damit hätte, das Material für eine Wiederveröffentlichung freizugeben. Habe ich natürlich nicht. Das waren ja nicht nur die beiden Platten der Jungs, sondern auch ein Haufen Demomaterial.

Kommen wir abschließend zu der ganzen Filsesharing Problematik, die Du bereits 2010 in Deinem Blog angesprochen und damit fast prophetische Züge offenbart hast. Dazu kam ja gerade erst die teilweise recht amüsante Brandrede von Element of crime Chef Tobias Regner…

(lacht) Der ist total ausgerastet, dass war aber wirklich schon wieder peinlich. Du kannst in solch einem Interview nicht anfangen, Leute zu beschimpfen und zu verunglimpfen, das geht einfach nicht. Doch ich geb Dir Recht, das war wirklich sehr amüsant.

Inwieweit hat sich denn Deine Haltung zu der ganzen GEMA / Filesharing / Download Problematik seit damals verändert? Hat sie es überhaupt?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich geb Dir mal ne Hausnummer: Mit „Dances of death“ waren wir in den Charts und haben weltweit so um die 40. – 50.000 Scheiben verkauft. Die „Wanderers…“ hingegen erreichte vielleicht 30% der davor erzielten Verkäufe, wobei diese Platte einen viel größeren Zuspruch seitens der Fans und vor allem der Kritiker hatte. Nun ist das „Unglück“ das Martin und ich nicht ganz unbefleckt in Sachen Programmierungen sind und wir einfach mal ein Programm geschrieben haben, welches uns folgendes offenbarte: Am Freitag um 10 Uhr war offizieller Release und gegen halb 12 war das Album bereits um die 50.00 Mal runtergeladen…da kriegst du echt nen Problem. Nun ist es bei weitem nicht so, dass ich geldgeil bin, denn bereits im Vorfeld haben wir gesagt, dass wir 50% des Verkaufserlöses nehmen werden, um eine tolle Show auf die Bühne zu bringen. Nicht spielerisch, dass ist kein Problem, doch guck Dir doch mal DSDS an…nicht, dass ich das heute noch sehen würde, meine Freundin guckt immer und komme ich zwangsläufig auch Einiges mit, hahaha…was da an Technik und Licht aufgefahren wird…das kostet RICHTIG Geld. Und wenn dir die Leute dann durch diese illegalen Downloads die Kohle dafür wegnehmen…nee. Ich kann diese Verlogenheit auch nicht ab wenn dann immer behauptet wird, dass man ja vorher keine Möglichkeit hat, das Album mal zu hören. Von der „Wanderer…“ hatten wir im Vorfeld knapp 70% der Songs hochgeladen, um dem entgegen zu wirken…und dennoch. Doch mittlerweile hab ich mir da eine „leck-mich-am-Arsch“-Einstellung zugelegt. Die „Intersection“ wurde dann auch wieder von SPV unter deren Fittiche genommen, um die Scheibe beispielsweise in den USA vernünftig zu vertreiben, da hab ich persönlich nie ein Bein auf den Boden bekommen und die alten Alben gehen da für fast 40$ über den Tisch. Als kleineres Label wie Aaarrg kannst du einfach nicht von Lieferung bis Rechnungsstellung 1 Jahr vergehen lassen, dass kannst du dir als kleineres Label überhaupt nicht leisten. Daher hat das SPV übernommen und ich kann daher sagen: Is mir doch egal (lacht). Heutzutage kriegt man doch alles im Internet und ich kenne viele Musiker, die mittlerweile ebenso verfahren, getreu dem Motto: Beklaust du mich, beklau ich dich und so dreht sich die Spirale immer weiter. In Folge dessen werden dann die ganzen kleinen Labels, die für mich für Kreativität und musikalische Raffinesse stehen, aussterben…

Wie man ja auch bei den Größeren wie Roadrunner Records momentan sieht…

Das ist ein Drama sondergleichen. Diese ganze Download Sache…wobei ich sagen muss, dass wir mit unseren legalen Downloads durchaus Geld verdienen…ist ja auch nicht einfach. Wenn dann immer gesagt wird: Vertriebt doch eure Sachen selber im Internet…Blödsinn!!! Da ist immer irgendein Vertrieb zwischen geschaltet. Wir müssen pro Jahr 700€ investieren, dass unsere Alben überhaupt oben bleiben, damit man sie später legal downloaden kann, dann ziehen sich die Zwischenhändler was ab, Amazon sowieso…viel bleibt da meist auch nicht übrig. Deswegen ist diese Aussage mit dem verdienen im Internet Schwachsinn. Ich hab mich letztens lange mit Alex über solche Foren wie bei Spiegel online unterhalten, wo du als Musiker gleich angefeindet wirst, wenn du darauf hinweist, dass eine Produktion ja auch Geld kostet und dieses auch irgendwie wieder reinkommen sollte. Da keimen bei mir Hassgefühle ohne Ende. Die Leute denken doch meist, da kommt ein Musiker, um groß abzusahnen. Vergleich das mal mit nem Tennisspieler. Der verdient irgendwann mal ne Million, hat dafür aber vorher 20 Jahre auf dem Platz gestanden, ohne einen Penny zu verdienen. Setzt das mal in Relation auf ein ganzes Arbeitsleben. Als Musiker musst du auch erstmal 10 Jahre üben…und das bitteschön JEDEN Tag…bis du in der Lage bist, von deinem Talent zu profitieren. Ich probe heute noch jeden Tag mindestens 2 Stunden.

Hat sich denn der ganze Aufwand und die Zeit für „Intersections“ denn bereits gelohnt und ausgezahlt?

Ich habe noch keine Zahlen, die bekommen wir erst im Juni, doch anhand der Reaktionen vom Vertrieb sollen die wohl sehr gut sein. Wenn wir dann auch noch in den Ländern wo wir bislang weniger präsent waren unseren Backkatalog anbieten können, sind wir ganz gut aufgestellt. Auf jeden Fall weiß ich, dass wir auf über 60 Seiten runterzuladen sind, also hat sich der Aufwand wohl doch gelohnt, hahaha.

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