Stumpen sabotiert unsere Pläne, reich zu werden

Deutschlands meiste Band ist zurück und hat dieser Tage eine CD veröffentlicht, die im Vorfeld (unberechtigter Weise) für Wirbel sorgte und eine an Idiotie nicht zu übertreffende Kampagne auslöste. Alles Schwachsinn in meinen Augen, denn Knorkator Rassismus zu unterstellen wäre genauso wie zu behaupten, dass RB Leipzig attraktiven Fussball spielt. "We want Mohr" ist trotz aller Störfeuer in meinen Augen das bislang reifste und erwachsenste Werk der Berliner und auch musikalisch ziehen Stumpen, Buzz Dee und mein Interviewpartner Alf Ator alle Register, um dem Volk das zu geben, was es verlangt. Tolle Texte, Ironie, Spaß, alles inklusive und dazu noch eine mehr als brillante DVD, die nicht nur den Auftritt in der C-Halle Revue passieren lässt, sondern auch das gesamte "Knorkator und Freundinnen" aus der Berliner Zitadelle im Jahr 2012 beinhaltet. Alles Themen, zu denen mir der Hauptsongwriter und Bandkopf bereitwillig und eloquent Auskunft gab.
Alf, zu allererst möchte ich mich bei Dir bedanken, dass ich erneut die Gelegenheit habe, Dir ein paar Fragen zum aktuellen Zustand Knorkators zu stellen. Im Vorfeld zur Veröffentlichung von „We want Mohr“ gab es eine Geschichte, die aus meiner Sicht völlig unbegreiflich war…und zwar der „Angriff“ seitens der „Initiative schwarze Menschen in Deutschland“ (hier nachzulesen), die Euch einen (Zitat) „…unveränderten und unreflektierten Umgang mit der deutschen kolonialen Vergangenheit und einen degradierenden Blick auf Schwarze Menschen und People of Colour“. Wie sehr hat Dich dieser Vorwurf getroffen und / oder hast Du daraus irgendwelche Konsequenzen gezogen?

Also, ein solcher Vorwurf ist natürlich unangenehm, und manche von uns waren – sagen wir – etwas aus der Bahn geworfen und regelrecht angepisst. Ich bin da eher rational und bemühe mich, nüchtern zu resümieren. Wenn man wie wir auf political correctness scheißt, muss man damit rechnen, dass sich Leutebeschweren, die eben darauf Wert legen. Und wer solche Kritik nicht abkann, sollte es vermeiden, anzuecken.

Grundsätzlich hat der ISD ja ein gutes Ziel: Rassismus zu bekämpfen. Anfangs dachte ich, man würde uns vorwerfen, dass wir das Bildmotiv dieser Struwwelpetergeschichte so aus dem Zusammenhang genommen verwenden, dass es rassistisch wirkt. Und daraufhin änderten wir auch in der zweiten Auflage das Plakatmotiv. Doch im Laufe der ganzen Erklärungen und Gegenerklärungen stellte ich fest, dass die Initiatoren vom ISD dem Struwwelpeter selbst rassistische Tendenzen vorwerfen. Und da wurde es für mich absurd. Ich wusste auch nicht, dass es schon rassistisch sei, wenn man sich als Schwarzer verkleidet. Unsere Scheibe, ihr Name und das Titelbild sind eine Runde Sache, sie zitieren eine der ältesten Anti-Rassismus-Geschichten Deutschlands, und daran wird wir nichts geändert.

Rassismus ist ein schlimmes Wort, und so sollte es auch dazu dienen, um schlimme Dinge zu beschreiben. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manch ein Schwarzer immer noch unangenehme Situationen durchmacht, wenn er sich durch den Alltag bewegt. Und dass es nicht nur die wirklich feindseligen Dinge sind, sondern auch so dahin gesagte Floskeln, die gar nicht schlimm gemeint sind, aber trotzdem nerven. Und mir ist natürlich bewusst, dass man mit der Äußerung: „Du nervst!“ weniger erreicht, als wenn man sagt: „Das war rassistisch!“. Aber ich befürchte, wenn man den Begriff „Rassismus“ so weit ausdehnt, dass er praktisch jeden betrifft, der nicht alle Worte auf die Goldwaage legt, dass dieser Begriff dann mit der Zeit an Schärfe verliert. Nach Auffassung des ISD suggeriert die Bestrafung der bösen Buben durch das Tintenfass, dass Schwarz zu sein eine Strafe sei.

Für mich suggeriert diese Geschichte vor allem, dass Toleranz gegenüber Andersfarbigen nicht eine Erfindung nach 1945 ist, sondern dass das schon vor 150 Jahren zu einer guten Erziehung gehörte. Natürlich wirkt die Geschichte schräg und verstörend, so wie der gesamte Struwwelpeter schräg und verstörend ist. Und wenn man uns nachsagt, wir seien schräg und verstörend, dann freuen wir uns.
Kommen wir zu angenehmeren Dingen. Als objektiver Journalist muss ich mich für den Pressebeileger bedanken, der mir die Arbeit zum Review (hier) mehr als erleichtert und fast sogar abgenommen hat. Ich gehe mal stark davon aus, dass Du den verfasst hast. Worum solch eine Mühe und wieviel Arbeit hat Dich das gekostet?

Aus Erfahrung weiß ich, dass man es bei einer Veröffentlichung nicht nur mit der Creme de la Creme der Journalistenzunft zu tun hat. Aber anstatt jedes Mal aufs neue enttäuscht zu sein, dass Leute über unser Produkt befinden, die offensichtlich keine Lust hatten, die Scheibe aufmerksam zu hören, mache ich doch aus der Not eine Tugend und nehme ihnen das Hören und Schreiben in unserem Sinne ab. (lacht)

Im Vorfeld zur Veröffentlichung habt Ihr das Video zu „Konrad“ veröffentlicht, bei dem mich im Besonderen der Nachspann komplett erheitert hat. Liegt es da nicht auf der Hand, die beiden weiteren Texte von Heinrich Hoffmann, in diesem Fall „Friedrich“ und „Robert“ als Videos umzusetzen?

Der Konrad ist nun mal die krasseste Geschichte aus dem Buch. Und das half natürlich auch dem Video. Ich glaube, es wäre schwer geworden, das zu toppen. Außerdem ist das natürlich immer auch eine Geldfrage.

Warum eigentlich der Struwwelpeter? Wann und wie entstand diese Idee?

Der Gedanke an sich geistert schon seit 1999 in unseren Köpfen rum. Und es gab auch schon einige Anläufe. Aber es hat sich immer gezeigt, dass ein paar Geschichten gut umzusetzen sind, und der Rest wird krampf. Das hängt mit der Reimform und den Verslängen zusammen. Und so legten wir es immer wieder ad acta und verwendeten die dafür entstandenen Riffs und Melodien für andere Songs. Erst als uns der Gedanke kam, dass man ja nicht unbedingt alle Geschichten als komplettes Konzeptalbum vertonen muss, wurde ein Schuh draus. Wer weiß, vielleicht kommen auf dem nächsten Album weitere Struwwelpeter-Songs.

In meinem Review schrieb ich, dass es sich bei „We want Mohr“ um eine ernste CD von Euch handelt. Damit meine ich „erwachsen“, „Gereift“ und um es anders auszudrücken, künstlerisch am wertvollsten. Wie siehst Du das?
Ich nehme dieses Kompliment wohlwollend zur Kenntnis, weise aber jeglichen Vorwurf von mir, dass eine Absicht dahinter stecken würde. In der Tat spielen die Jahre auf unseren Buckeln dabei eine Rolle. Früher konnte ich gar nicht so schnell schreiben, wie sich absurde Fäkalreime in meinem Gehirn formten. Heute ist das meiste davon gesagt, geschrieben und gesungen. Und je länger ich nachdenken muss, um noch eine und noch eine tolle Songidee zu finden, umso wertvoller erscheint mir diese Idee dann auch. Und daraus resultiert dann wahrscheinlich automatisch eine größere Sorgfalt bei der Umsetzung.
Um ehrlich zu sein, diese Produktion hatte so viele Pannen, Engpässe und Rückschläge, dass ich zwischenzeitlich wirklich meine Zweifel bekam, dass daraus ein vorzeigbares Album entstehen könnte. Insofern genieße ich das Kompliment umso mehr.


Ganz in der Tradition Eurer in eigenem Gewand veredelten Coverversionen musste diesmal der Judas Priest Klassiker „Breaking the law“ dran glauben. Wie entstand die Idee und standen noch andere Titel zur Auswahl?

Ich hatte kurzfristig an „Irresistible“ von Stephanie von Monaco gedacht, doch daran bin ich kläglich gescheitert. Vielleicht versuche ich es später noch einmal.

Wenn ich die Credits zu Euren „eigenen“ Songs auf dem Album sehe, fällt mir immer wieder als Texter Tim Tom auf, dein Sohn. Der hat doch wohl nicht wirklich alle Texte verfasst, oder?

Eines Tages kam und Spock besuchen und ich bat ihn um eine kleine Demonstration seiner berühmten Geistesverschmelzungsaktionen. So transferierte er sämtliche Songideen in das Gehirn meines Sohnes. Der wusst gar nicht, wie ihm geschah, als seine kleinen Hände plötzlich all diese komischen Worte aufzuschreiben begannen.

Musikalisch gibt es auf dem Album eine Menge Streicher und Orchestrales. Hast Du nach Deiner Zusammenarbeit mit „Sieben auf einem Streich“ für das legendäre Zitadelle Konzert (hier) Blut geleckt und daher viele der Elemente in die Musik einfließen lassen?
Also polyphon zu komponieren war schon immer mein Hobby. Ich hatte bloß nie den Nerv, das alles in Noten aufzuschreiben, nachdem ich es schon mühevoll in den Computer eingetippt hatte. Wozu gibt es Sampler? Für die Idee mit der Zitadelle musste ich mich dann aber doch mal dazu überwinden. Ich tat es zusammen mit unserem Toningineur Henk und der überredete mich dann auch, für dieses Album ebenfalls ein paar klassische Instrumentalisten zu verpflichten. Das Ergebnis spricht für sich. Sampler sind Schrott. (lacht).

Das Konzert in der Zitadelle 2011 war ohne Übertreibung eines meiner absoluten Highlights ever. Da war Liebe, Hingabe und eine Menge Herzblut drin und hat Euch mit Sicherheit auch einiges an Arbeit gekostet. Ist eigentlich eine Neuauflage dieses genialen Events zu erwarten? Oder macht Ihr es nicht, um Euch nicht selbst zu wiederholen?

Zweiteres. Obwohl – die Zitadelle ist eine tolle Location und wenn es sich so ergeben sollte, würde ich da gern wieder spielen. Aber was wir dann im Speziellen veranstalten, steht auf einem anderen Blatt und sollte definitiv nicht das Gleiche sein.

Wie stressig war eigentlich die Vorbereitung auf dieses Event? Buzz Dee hatte ja wohl die wenigste Arbeit im Vorfeld.
Sagen wir, ich hatte ein halbes Jahr ordentlich zu tun. Aber es war ja auch nicht alles nur für diesen Abend. Die entstandenen Noten warten immer noch darauf, einmal auf einer speziellen Klassik CD verewigt zu werden. Die Gastgitarristin Jen Majura war ja auch bei der Festival Tour 2013 hin und wieder dabei und wird auch in Zukunft bei großen Anlässen das Bühnenbild versüßen. Ähnliches gilt für die Background Miezen. Und auch die swingende Damenkapelle war bei unserer Record Release Party (auf die ich leider verzichten musste, da mich ein Virus voll erwischt hatte – Olaf) mit am Start. Und Buzz Dees Privatkapelle tourt auch ohne Knorkator hin und wieder durch die Lande.

Auf diesem Wege dann nochmal ein „Danke“, dass Ihr als „Beigabe“ dieses Konzert als DVD zur CD ohne Aufpreis hinzugefügt habt. Andere Bands hätten eine eigene BluRay oder sogar einen Kinofilm daraus gemacht. Dazu noch der Gig in der Columbiahalle. Was für ein Geschenk an Eure Fans, für die sich Stumpen ja eigentlich schämt („Ich schäme mich für meine Fans“). War das von vornherein geplant oder ist die Idee der kostenlosen Zugabe erst später entstanden?

Stumpen ist derjenige von uns, der immer wieder unsere Pläne, reich zu werden sabotiert, um sich bei den Fans einzuschleimen.

Was können wir auf der anstehenden Tour erwarten? Da habt Ihr Euch ja einiges an Gigs aufgehalst. Macht das Tourleben nach solch einer langen Zeit überhaupt noch Spaß?

Ich liebe das Tourleben. Ich liebe es, im Nightliner zu schlafen und genieße die Gegenwart schnarchender Bandkollegen und herumliegender dreckiger Socken. Aber ich muss auch sagen, dass gerade unser derzeitiges Erfolgsstadium so wunderbar ist. Mit 10 Mann stundenlang in einen Kleintransporter gepfercht zu sein und jedes Mal auf- und abbauen zu müssen, wäre nicht so schön. Auch wäre es wohl irgendwann ermüdend, als weltweit erfolgreiche Band Monate am Stück unterwegs zu sein. Auch wenn man wie wir fast nur in Deutschland tourt, kommt man alle 3 bis 5 Tage wieder nach Hause, kann Frau und Babys knuddeln, sich in einem herrlich großen, sauberen Bett ausstrecken, um dann wieder Richtung Rock’n’Roll und Partyleben abzudampfen. Herrlich! 

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