Wir haben einfach die Hälfte der Gitarren rausgeschmissen

Es gibt kaum eine innovativere Band in Deutschland als Mekong Delta, oder besser gesagt den Kopf hinter dem Namen, Ralf Hubert. Egal, was der sympathische Multiinstrumentalist in den letzten 29 Jahren angefasst hat, man kann im Endeffekt immer davon ausgehen, großartig arrangierte Musik präsentiert zu bekommen, über die es sich vortrefflich diskutieren lässt. Kaum eine Diskussion dürfte es zum aktuellen Album "In a mirror darkly" gegeben haben, auf dem sich die Progressive Metaller trotz technischer Überlegenheit vieler anderer Bands gegenüber, in meinen Augen eingängiger zeigen als jemals zuvor. Grund genug, mit Ralf (mit F, obwohl, vielerorts der Gute mit "ph" angezeigt wird) einen Schwatz über das Aktuelle und das vor ihm liegende zu halten.
Glückwunsch Ralph! Zum einen zu einer absolut herausragenden neuen Scheibe, zum anderen zum 10.Studioalbum, Eure Compilations mal außen vor genommen. Über was freust Du Dich mehr? Das neue Album, oder das es nach 29 Jahren des Bestehens von Mekong Delta die Band noch gibt?

Danke für das Kompliment, was ich an meine musikalischen Mitstreiter weitergeben muss. Bezüglich der Frage, ich finde Beides recht erfreulich.

Ein herausragendes Merkmal ist die in meinen Augen brillante und mit Abstand beste Produktion, die Ihr jemals auf einem Album vorzuweisen hattet. Was hast Du diesmal anders gemacht?

Wir haben einfach die Hälfte der Gitarren rausgeschmissen.............. Scherz beiseite. Da ich beim komponieren stets von einem Orchestersatz ausgehe, fallen auch dementsprechend viele Stimmen an, diese werden auf Guit und Bass verteilt. Auf dem Bass kann man das noch trennen, vereinfacht gesagt, erste Stimme E / A Saite clean, zweite Stimme A /D Seite mit fuzz und dritte Stimme D / G hohe Lage. Bei der Guit ist das deutlich schwieriger, was Erik und ich über die Jahre beim mischen immer wieder festegestellt haben. Deswegen hatten Erik und ich die Guits diesmal schon im Vorfeld anders aufgeteilt, Main Rhythm dist Guit, chords zusätzlich mit clean guit und accoustic guit, dazu noch ausgewählte Melodien mit concguit unterstützt, Rest dann wieder fuzzguit. Das ging zwar schon deutlich besser, trotzdem war bei Songs wie "Inside the Outside..." oder "Armaggedon Machine" immer noch eine derartige guit Wand vorhanden, dass wir uns letzlich schweren Herzens dazu entschlossen haben, etliche guit adds zu Gunsten der Klarheit rauszuschmeissen. Es ist wahrscheinlich wirklich so, dass man Aufgrund des begrenzten Frequentspektrums bei einer e guit diesen Weg gehen muss. Sobald du ein Orchester oder eine Orchestersimulation mit hinein nimmst, fallen diese Probleme nicht mehr an, siehe, oder besser - höre - dir "Allegro Furioso" auf der "Lurking Fear" an.
Ich weiß, dass Du kein Mekong Delta Album ohne einen roten Faden strickst. Welcher ist diesmal in „In a mirror darkly“ verwebt?

Was den meisten entgeht, ist, dass die eigentliche Story des Protagonisten ( nenn ihn Geiger, Wanderer oder wie immer du willst ) bereits auf der "Principle of Doubt" beginnt - mit dem Song 'Shades of Doom'. Dort erwacht ein Wesen / Android in einer Umgebung, die es nicht kennt und weiss weder was es ist, wer es ist geschweige den ob oder was es für eine Aufgabe hat. Diese Figur kam mir damals als Metapher für uns Menschen in den Sinn - du wirst hier auch in die ganze Scheisse geboren ohne das dich einer fragt und hast letztendlich die gleichen - aus der Philosophie sattsam bekannnten - Fragen : Woher komme ich, was bin ich und wohin gehe ich. Nun begibt sich unser Wanderer (sic !) auf die Reise, um diese Frage für sich zu beantworten. Erste Antworten erhält er in "Dances of Death", weiter geht seine Suche auf der "Wanderer...", wo er wieder Subjekte / Objekte trifft die Ihn ein Stück weiterbringen. Da diese Analogie wunderbar geeignet ist, um aktuelle politische Erignisse in Form von Fiktionen in einen Text zu projezieren, geht es auch bei "In A Mirror Darkly" weiter mit der Sinnsuche, wobei die gesamte Story auch hier wieder eine Menge aktuell - zumindest für mich - ziemlich schwachsinniges politisches - oder von mir aus menschliches - Handeln reflektiert und in Frage stellt.
Bei „The silver in gods eye“ hast Du Martin unfassbar viel Freiraum für seine Stimme gelassen. Ein kleines „Dankeschön“ für die ansonsten vielen instrumentalen Passagen und Songs?

Es ist schon interessant, wie das Gehirn des Menschen Sachen verbiegt, um diese in den Bereich des Bekannten zu setzen. Bei über 50% der Kritiken lese ich "silver", in der Tat heisst es "sliver", was schon einen Unterschied ausmacht - "Das Silber im Auge Gottes" oder "Der Splitter im Auge Gottes".......Musste ich einfach mal loswerden, aber egal...............

Das tut mir aufrichtig leid, habe Aber gerade geschaut, es steht auch bei mir in der Promo drin…war wohl mein Fehler…

Nein, Martin hat eine extrem Facettenreiche Stimme, die ich auch persönlich sehr mag. Als Tenor kann er auch wesentlich mehr a capella tragen, also was lag da näher, als mal eine Runde mit Stimme im Vordergrund zu experimentieren ( was bis dato nicht möglich war ). Ausserdem find ich, dass bei einer derartig düsteren Stimmung die Vocals der beste Melodieträger sind, alle anderen Experimente ( Melodie Konzguit oder z.B. Oboe, Fagott ) erwiesen sich als nicht so intensiv.

Wie kommt es, dass fast 29 Jahre vergehen mussten, bis Du mit „Janus“ den in meinen Augen besten Song Deiner Schaffensphase kreieren konntest?
Das ist ein sehr subjektiver Eindruck von dir, zu dem ich nicht viel sagen kann. Vor allem, da ich damit konfrontiert werde, dass bei den Interviews inzwischen alle Songs von verschiedenen Kritikern einmal als der Beste je von mir geschriebene bezeichnet wurde. Für mich sind alle Titel des Albums nur die konsequente Fortführung dessen, womit ich im vorigen Jahrhundert ( ist der nicht Klasse ! ) mal angefangen habe. Kompositorisch treiben lassen und abwarten wohin die Reise geht.

Ebenfalls mehr als angenehm fiel mir „Mutant messiah“ auf, der recht thrashig geworden ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ralph Hubert da mal Fünfe hat gerade sein lassen und voll aus dem Bauch heraus komponiert hat, oder?

Die Nummer ist schon nach den gleichen Prinzipien komponiert wie die anderen Titel des Albums. Es gelingt mir allerdings immer öfter, dies so zu kaschieren, dass das nicht immer sofort offensichtlich ist.

Ich empfinde „In a mirror darkly“ als recht eingängig, auch aufgrund der nicht ganz so exorbitant langen Songs. Das ist jetzt aber nicht Eure „Music for the masses“ Platte, oder?

Wär doch nett, oder ? ist es aber nicht. Du erreichst zwar heute mehr Leute mit der Musik - was wohl damit zu begründen ist, dass die Hörgewohnheiten bei einer Menge Menschen sich stark verändert haben - aber Massenkompatibel ist das immer noch nicht. Man kann allerdings feststellen, dass, was in den 90ern noch als harmonisch radikal galt, heute bei vielen härteren Truppen mittlerweile normal ist. Das kann man sehr gut daran erkennen, das die harmonischen Eskapaden der "Zann" bei vielen Hörern als nicht mehr extrem betrachtet werden.
Ich weiß, dass Du gerne mit Zahlen spielst und dort über ein scheinbar fotografisches Gedächtnis verfügst. Wie erfolgreich war denn „Intersection“? Hat es sich wirtschaftlich gelohnt, dass Du jeden Tag 2 Stunden probst?

2 Stunden am Tag zu spielen hat eher wenig mit Wirtschaftlichkeit zu tun, als mit den Sachen, die ich auf dem Bass spiele. Wenn du das nicht machst, kriegst du das sehr schnell nicht mehr auf die Reihe. Nummern wie z.B. "Sphere Eclipse" erfordern tägliches Training. Wobei das für mich ja noch relativ gemütlich ist, Skalen etc. kann ich bequem zu Hause üben. Der arme Alex muss für seine 4 - 6 Stunden ( ! ) täglich in den Proberaum, und der ist nicht so heimelig wie das Wohnzimmer. "Intersection" hat uns eine Menge neuer Fans gebracht, was ich über die Ordern der alten Alben über unsere Merchadresse ( mekongmerch@zedmedia.de ) sehr schön verfolgen konnte. Insofern also ja, hat sich gelohnt.

Was ist eigentlich aus Deiner Idee geworden, Joseph Conrads Klassiker „Heart of darkness“ zu vertonen? In unserem letzten Gespräch sagtest Du, dass dies die nächste Scheibe werden würde…
Die Thematik erweist sich als recht widerborstig und ist immer noch aktuell. Leider musste ich allerdings wieder alle Themen dafür in die Tonne kloppen, weil sie den Ansprüchen der Novelle nicht gerecht geworden sind. Man muss das wahrscheinlich ganz anders angehen, vermutlich mit viel mehr ruhigen Themen und wahrscheinlich auch mit einer direkten Integration des Orchesters von Anfang an. Zur Zeit bin ich mir da nicht so recht in klaren. Mal abwarten.

Die „Wanderers on the edge of time“ wurde, wie du mir damals ebenfalls berichtetest, innerhalb von 2 Stunden nach dem offiziellen Release 50.000 illegal heruntergeladen. Wie war es denn am 23.04., dem Tag der Veröffentlichung von „In a mirror darkly“?

Da ich nicht an masochistischen Tendenzen leide, habe ich mir den Crawler diesmal erspart. Das kannst du aber selber schnell kontrollieren, gib den Albumtitel und den Bandnamen in Google ein, da bekommst du dutzende Portale, die der Musikmafia - ach nein, war ja die Contentmafia - als Robin Wood(head) den Krieg erklärt haben und es Millionären wie Mekong mal so richtig zeigen, in dem Sie das Album ganz selbstlos zum download anbieten.

Nächstes Jahr gibt es Mekong Delta 30 Jahre. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn Du einen Rückblick wagen würdest, welches wäre das in Deinen Augen unterbewertetste Album in der Discographie und wo würdest Du im Nachhinein gerne noch einmal Hand anlegen und warum?
Im Prinzip überall. Die technischen Möglichkeiten die mir jetzt zur Verfügung stehen sind einfach - im Gegensatz zu der damaligen Zeit - überwältigend. Ein ganz interressanter Aspekt ist auch, dass die Songs sehr viel Spielraum zu verschiedenen Interpretationen ermöglichen. Als wir "The Cure" für "Intersections" vorbereitet hatten, ist mir dies dass erste Mal aufgefallenen - und selbst jetzt, beim durchspielen, gibt es immer weider kleine Variationen, die dem Song extrem dienlich sind. Vermutlich werden die Titel nie in der Form fertig sein, dass ich sage, man kann da nichts mehr verbessern. Oder nehmen wir mal "Dances...", mit der ich mich gerade beschäftige. Weil wir oft gefragt wurden, den Haupttitel zu spielen, haben wir uns entschlossen, die ersten 10 Minuten bei Konzerten zu spielen. Da es davon nur rudimentäre Handnotizen gibt, muss ich das erst mal wieder raushören. Und was da für coole Riffs drin sind, die wegen der damals begrenzten Aufnahmemöglichkeiten nicht so wirklich zur Geltung kommen, meine Herren.

30 Jahre, das schreit ja geradezu nach einem speziellen Auftritt, einer Tour oder ähnliches. Da Ihr ja in der jüngeren Vergangenheit mehr das Ausland beackert habt wäre es doch diesmal, mit diesem Jubiläum im Rücken an der Zeit, endlich wieder die heimischen Gefilde aufzumischen. Oder ein besonderer Konzertabend wie damals, als Ihr mit Orchester in, ich glaube es war Bochum, aufgetreten seid…

Das ist so eine Sache für sich. Um deratige Kosten zu tragen, also mit Orchester live zu spielen, musst du entweder einen Sponsor haben oder 1500 bis 2000 Zuschauer auf den Punkt an einen Ort bringen, was ich aber für unrealistisch halte, zu mal wir nicht gerade einen Konzertabend mit romantischer Musik spielen würden. Weiterhin konzentriert sich fast das gesamte Live geschehen immer mehr auf Festivals - von denen gibt es ja inzwischen auch deratig viele, dass man an der Auswahl erstickt. Wir versuchen für Ende des Jahres 2014 ein paar Shows zu realisieren, mal sehen, ob wir da auch was in Deutschland hinkriegen.

Wie ist das eigentlich, wenn man als Vorreiter und als eine der ersten Bands überhaupt das Privileg hatte, mit einem ganzen Orchester live aufzutreten? Heutzutage gehört das ja fast schon zum guten Ton. Du müsstest Dir doch da sicherlich das eine oder andere Schmunzeln verkneifen, oder?

Was da von einigen Gruppen mit dem Orchester veranstaltet wird, find ich in keinster Form zum schnunzeln, sondern erbärmlich. Was wird denn dort gemacht ? Bei allen Sachen, die ich zu hören bekam ( was mit Sicherheit nicht alles war was so fabriziert wurde, es wird hoffentlich auch Ausnamahmen geben ) wird das Orchester doch wie ein besseres Keyboard verwendet. Integration der Gruppe in das Orchester oder vice versa ? Fehlanzeige. Erzeugung neuer Klänge - wie bereits auf der "Visions" geschehen - durch Kombination eines z. B. Blechbläsersatzes mit einer dist. guit. ? Fehlanzeige. Nein, so etwas braucht man nicht wirklich, obwohl dies natürlich den nicht unbedingt offenen Hörgewohnheiten der meisten Konsumenten schmeichelt.

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