"Extrem" heißt nicht unbedingt "Schnell"

Seit etwas mehr als zwei Wochen dreht unsere Redaktion zu 7/9 komplett durch, denn das neue Meisterwerk „Tibi et igni“, welches jetzt schon als DER Anwärter auf das Album des Jahres gilt, rotiert in allen Playern und zeigt Vader in einer bestechenden Form. In meinen Augen waren die Polen nie stärker und versohlen der Konkurrenz gepflegt den Allerwertesten. Dies gilt es jetzt natürlich beim anstehenden Chronical Moshers und dem die Woche darauf stattfindenden protzen Open Air auf live unter Beweis zu stellen, was den Mannen um Mainman Peter allerdings nicht schwer fallen dürfte. Ich jedenfalls freute mich darüber, im Vorfeld zu den ersten Open Air Highlights des Jahres, mit der sympathischen Legende ein paar Worte zu wechseln.
Na Peter, wie geht’s?

Ha, sehr gut! Wir haben als Band den nächsten Schritt in unserer Evolution gemacht, da fühle ich mich verständlicherweise mehr als gut. Wir können es nun kaum erwarten, die neuen Songs auch endlich live zu performen.

Wusstet Ihr denn eigentlich nach den Aufnahmen zu „Tibi et igni“, was für ein absolutes Meisterwerk Ihr da eingetütet habt?

Nein, da haben wir uns auch gar keine Gedanken drüber gemacht. Wir haben einfach unsere natürlichen Emotionen in die Aufnahmen gepackt und haben keinerlei Gedanken daran verschwendet, ob wir nun ein, wie Du es nennst, „Meisterwerk“ oder einfach unser nächstes Album aufnehmen. Ob es im Endeffekt so ein von Dir beschriebenes Werk ist oder nicht, entscheiden immer noch die Fans.

Na uns habt Ihr auf jeden Fall komplett eingesackt. Fast Alle in unserer Redaktion lieben das Album, es taucht in vielen Top 5 auf, ich vergab erst meine dritte Höchstwertung in diesem Jahr und CD der Woche ist sie auch noch…

Danke, das freut mich auf jeden Fall sehr und gibt mir Mut, dass viele andere genauso enthusiastisch sind wir Ihr.

Na ich bitte Dich! Wenn Du in Deine langjährige, über 30jährige Discographie guckst, müsstest Du doch eigentlich mit mir darüber übereinstimmen, dass „Tibi et igni“ Euer bis Dato bestes Album ist. Bescheidenheit hin oder her…
Hahaha, nein, ich wage es, Dir zu widersprechen. Ich komponiere die Songs und finde, dass alle meine Alben für sich stehen. Ich habe da kein spezielles Ranking, denn jedes Album steht für seine Zeit und meine Lebensabschnitte, in der sie entstanden sind. Aber natürlich macht es mich stolz, wenn Menschen so wie Du, sich begeistert von deiner Arbeit zeigen. Ein tolles und vor allem schönes Gefühl.

Euer Vorgänger „Welcome to the morbid reich“ war ja schon saufett, doch diesmal habt Ihr produktionstechnisch eine ganz schöne Schippe draufgelegt. Was habt Ihr verändert?

Generell hat sich produktionstechnisch ja in den letzten 2 Jahren eine Menge verändert, nicht nur bei uns, da ist die Entwicklung einfach auf dem Vormarsch und das Studio, in dem wir aufgenommen haben, hat sich über die Zeit natürlich auch weiterentwickelt und hat ein neues Level der Qualität erreicht, was wir uns zunutze gemacht haben. Wir hatten so die Möglichkeit, einen sehr organischen und natürlichen Sound zu kreieren, der uns am besten steht. Diese Art der Aufnahme erinnerte mich sehr an unsere Vergangenheit lediglich mit dem Unterschied, dass wir keine Kassettenrecorder mehr verwendet haben, hahaha. Ansonsten haben wir die Technik versucht, so minimal wie möglich zu halten, um somit diesen Sound hinzubekommen. Keine Trigger, einfach ein moderner, natürlicher und fetter Sound.

Erkläre mir doch mal bitte, was Du mit dem Titel „Tibi et igni“ ausdrücken wolltest?

Nichts, denn ein Titel ist ein Titel, ebenso wie ein Cover. Man sollte sich statt auf irgendeinen Titel ohne ein gemaltes Bildchen lieber voll und ganz auf die Musik fokussieren. „Du und das Feuer“ ist einfach als Message an die Hörer gedacht, da steckt wirklich nichts Geheimnisvolles dahinter. Lies es und verbrenne, hahaha. Ok, das ganze Album handelt irgendwo von Feuer, allerdings weiß ich gar nicht warum (lacht). Das sind dann so die kleinen Geheimnisse, die alle heutzutage noch haben sollten, damit das Leben interessanter bleibt.

Die bedeuten also Titel und Cover gar nichts?
Naja, das ist wie ein Schnappschuss, den man sehen und berühren kann, bevor man überhaupt an die Musik rankommt. Quasi der erste Eindruck. Von daher ist es schon wichtig, aber nicht essentiell.

Aber ein vernünftiges Albumcover ist doch auch ein Garant dafür, ne Menge Shirts an den Mann oder Frau zu bringen?

(Lacht) Naja; heutzutage ist Merch eh das „Sein-oder-Nichtsein“ für die Bands. Was in der Vergangenheit eher ein netter Nebenverdienst war, entwickelt sich immer mehr zu einer Haupteinnahmequelle, da man Shirts ja nicht umsonst runterladen kann (lacht). Heutzutage musst du live spielen und auf Tour gehen, um deine Unkosten wieder rein zu holen

Lass uns mal über ein paar Songs auf dem Album sprechen, die mich persönlich komplett weggeblasen haben. Beginnen wollen wir mal mit „Triumph of death“, der, ziemlich Vader untypisch, ziemlich „langsam“ daherkommt und vor allem mit seinen Riffs komplett killt…

Es ist wirklich ein außergewöhnlicher Song für uns, da wir doch in der jüngeren Vergangenheit ziemlich Gas gegeben haben. Extrem heißt aber nicht unbedingt „schnell“. Da gehören natürlich auch Riffs, Groove und Härte mit rein, was „Triumph of death“ alles in sich vereint. Klar ist diese Midtempo Nummer eher ungewöhnlich für uns, wenn man sich unsere Discography etwas näher anguckt, aber dieser Song wird auf jeden Fall unsere Live Setlist um einiges aufwerten, da bin ich mir absolut sicher, denn 90 Minuten Blastbeats können auf die Dauer auch etwas langweilig sein (lacht).

Da hast Du auf jeden Fall Recht und wenn ich mich an ein älteres Interview mit Dir erinnere, hast Du damals auch Deine Vorlieben für die alten Helden zum Ausdruck gebracht, denen Du ja hier auch etwas huldigst…
Ja, auf jeden Fall! Ich bin sehr von Accept, Judas Priest, Motörhead, Saxon beim Start von Vader beeinflußt worden und Du hast Recht, wenn Du mir hier bei diesem Song eine gewisse Heldenverehrung unterstellst! Der Groove dieser Bands ist irgendwo in meinem Herzen.

Der nächste Song, der mich ziemlich umgehauen hat, ist „The end“. Solch ein episches Meisterwerk hätte ich Dir gar nicht zugetraut…

Da siehst Du es mal, hahaha. Da verhält es sich aber ähnlich wie bei „Triumph of death“. Expect the unexpected…hehehe. Allerdings hatten wir damals auf „The revelations“ mit „Revelation of Black Moses“ einen ziemlich ähnlichen Titel, den damals auch niemand so erwartet hatte. Der war ebenfalls sehr episch, voll mit Leads und Melodien und vor allem einem für mich sehr untypischen Gesang. Naja, Gesang ist das diesmal ja auch nicht, sondern eher gesprochenes mit etwas Melodie, dafür aber sehr emotional. Klar ist dieser Song für
Vader eher ungewöhnlich, doch es nicht revolutionär, eher evolutionär. Aber ich bin happy, dass Du den Song magst (lacht).

Der dritte herausragende Song ist „Hexenkessel“, wobei ich anfangs mehr an Fußball gedacht habe…

Hahaha, nein, aber man kann da auch viel reininterpretieren und wie ich anfangs ja schon sagte, sind Songtitel zwar wichtig, aber nicht essentiell. „Hexenkessel“ vereint zwei verschiedene Geschichten zu einer. In der Geschichte wurde der Begriff bei den Hexenprozessen verwendet und findet auch Einzug in einem der blutigsten Bücher der Geschichte…

Dem Maleus Malificarum, dem sogenannten Hexenhammer…

Exakt! Im Endeffekt war das aber nichts anderes als Politik, denn Andersdenkende wurde eliminiert und verbrannt und der Hexenkessel fand dort sehr oft Verwendung. Ich rückte diese Idee in den Vordergrund und versuche, diese Geschehnisse in dem Song zu verarbeiten. Dazu gesellt sich dann auch noch die Geschichte eines Soldaten, der im zweiten Weltkrieg von seinen Feinden eingekesselt wurde…und auch hier wurde ebenfalls der Begriff Hexenkessel oft verwendet. Beides zusammen ergibt den Hintergrund zu diesem Song, übrigens auch einer meiner Favoriten.

Am kommenden Wochenende spielt Ihr beim Chronical Moshers Open Air Euren ersten Gig mit dem neuen Material. Macht sich da noch Nervosität breit, wie die Leute da eventuell drauf reagieren?
Nicht die Bohne, im Gegenteil! Ich kann es kaum erwarten, die neuen Sachen zu spielen. Man kann einfach nicht nervös sein, wenn man so lange an einer Sache gefeilt hat und diese nun der Öffentlichkeit präsentiert. Das ist mehr pure Vorfreude! Dazu muss ich allerdings sagen, dass wir den Fokus bei diesem Gig nicht komplett auf das neue Album legen, sondern erstmal auf die „Go to hell“ EP, die ja schon etwas länger zugänglich war…

Also doch etwas nervös und lieber auf Bekanntes zurückgreifen?

Hahaha, man, bei Dir muss man ja echt vorsichtig sein! Aber dafür spielen wir ja Deinen Lieblingssong „Triumph of death“. Die Tour zum neuen Album startet dann im September in Polen und wird sich dann eine ganze Weile hinziehen und gipfelt dann in die Kreator / Arch enemy / Sodom Tour im November…

Was meine nächste Frage gewesen wäre, denn Teil eines solch gigantischen Packages zu sein, ist ja schön und gut, aber mit fast 30 Jahren Bandgeschichte einen Supportslot zu belegen, stelle ich mir nicht gerade sehr motivationsfördernd vor…

Quatsch! Eine bessere Gelegenheit gibt es doch nicht, mit Bands auf Tour zu gehen, die mich maßgeblich mit beeinflusst haben und über all die Jahre zu guten Freunden geworden sind. Für mich ist dass das Highlight des Jahres! Außerdem ist es doch immer gut, so früh auf die Bühne zu müssen, da man danach noch genug Zeit hat, die Headliner abzuchecken, viel Bier zu trinken und einfach Spaß zu haben. Etwas Geileres kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen!

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