Wer unser Magazin aufmerksam verfolgt, wird schon des Öfteren über den Namen Maladie gestolpert sein, denn die Multi-Kulti-Allstar Truppe um Gehirn, Denker und Lenker Björn Köppler begeistern uns seit nunmehr 4 Jahren mit ihren vertonten Seelenqualen und sparen dabei nie mit ungewöhnlicher Musik und Instrumentalisierungen. Bereits zu Beginn der Karriere führte Olaf ein Gespräch mit Björn, welches wir 2015 zum Release des letzten Albums "...still…" noch einmal intensivierten. Diesmal war unser Siggi dran, der Björn zur Veröffentlichung der überragenden "...symptoms..." zu einigen sehr interessanten Aussagen hinriss…

Hey Björn, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für Zephyrs Odem nimmst, um mal auf unsere Fragen zu antworten. Maladie gibt es ja nun seit 2009 und Ihr habt seit 2012 mit „….Plaque Within…“ , „...Still...“ und „…Symptoms….“ drei Veröffentlichungen herausgehauen, die allesamt einschlugen! Bitte lass uns mal teilhaben, wer denn alles an diesem Projekt mitwirkt, welche Besetzungswechsel es gab und wie sich welche Wechsel auf den Schaffensprozess auswirkten?

Hallo Siggi, ich habe zu danken. Immer wieder gerne.

Danke für das Lob; das hört man natürlich mit Genuss. Es gab so einige Besetzungswechsel, ja. Auf „...symptoms...“ sind es etwas weniger Leute als noch auf dem letzten Album „...still...“. Mark Walther ist dieses Mal nicht dabei, da es sich einfach nicht ergeben hat, da ich die meisten Gitarren einfach selbst eingespielt habe. Außer natürlich das großartige Gitarrensolo, welches natürlich wieder von Kevin Olasz ist. Diese Lorbeeren gebühren voll und ganz ihm. In Zukunft wird Mark aber ganz sicher wieder dabei sein. Bernd Wener ist ja leider nach „...still...“ ausgestiegen. Das war natürlich erstmal ein Schock. Aber seine Beweggründe kann ich sehr gut nachvollziehen und seine neue band OLD MOTHER HELL hat bereits einen grandiosen ersten Auftritt hingelegt und ich bin sehr neugierig auf die Zukunft seines neuen Babys.

Der Schaffensprozess war bei „...symptoms...“ etwas anders als sonst, da ich mir mittlerweile ein eigenes kleines Studio aufgebaut habe. In Fachkreisen wird so etwas wohl „Projektstudio“ genannt. Das hat mir immense neue Möglichkeiten offeriert, und ich konnte endlich all meine Ideen auch selbst umsetzen, ohne meinen Mitmusikern damit auf die Nerven zu gehen. Dinge wie das Schlagzeug, den Bass und den Gesang habe ich dann aber doch lieber denen überlassen, die das auch können. Ich muss ja gestehen, dass ich mich dieses Mal auch am Gesang versucht habe. Während ich in meinem Kopf die genauen Gesangslinien zwar höre, treffe ich beim Singen aber nicht mal aus Versehen einen richtigen Ton. Es ist wie verhext. Ich habe mich zutiefst geschämt, als ich meine eigenen Versuche gehört habe, haha. Das werde ich in Zukunft lieber sein lassen.

Aber um zurück zu Bernds Ausstieg zu kommen: Ich habe zuerst natürlich an einen Ersatz gedacht und habe so einige Leute gefragt, die ich mir als Ersatz vorstellen konnte. Das hat mich allerdings sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Was da teilweise für Forderungen im Raum standen, lag jenseits von allem was Gut und Böse ist. Da kommt bei mir dann schon die Frage auf, ob es solchen Leuten überhaupt noch um die Musik geht. Mir ist durchaus klar, dass ein Musiker auch Geld verdienen muss. Ist bei mir ja nicht anders. Aber ich lasse keine Kollegen dafür bezahlen, damit wir zusammen in einer Band spielen...

Nun ja, sei es drum. Je länger ich suchte und überlegte, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass es keinen festen Ersatz geben soll und vor allem auch muss. Déhà und Alex, die von Anfang an fest dabei waren, sollten den Job sich eben nun auf sie zwei aufteilen und wenn es weitere Stimmen geben soll, dann durch Gastbeiträge. Das erleichtert die Arbeit sehr und hat auf „...symptoms...“ ja auch sehr gut funktioniert.

Neu in unserer Runde ist Tobias Blach am Schlagzeug, der bei SPHERON sein Können bereits großartig bewiesen hat. Sein Spiel bei MALADIE ist auf den ersten Eindruck direkter und auch irgendwie fieser als dass seiner Vorgänger. Aber wer genau hinhört, wird sehr viele Feinheiten und technische Spielereien entdecken, die einen oft ins (Be-)Staunen bringen. Freut euch diesbezüglich schon mal auf das nächste Album...
Mit dabei sind auf „...symptoms...“ also von der Besetzung, die auch das letzte Album mit eingespielt hat, noch Déhà und Alex am Gesang, Kevin an der Solo-Gitarre, Moritz am Bass und Hauke am Saxofon. Neu dabei Tobi am Schlagzeug. Als Gäste Ajana (vom gleichnamigen Projekt, das ich jedem Freund von anspruchsvoller Musik jenseits aller Klischees nur ans Herz legen kann) am Gesang und in einem Part der Orgel, und Joe Mizzi am Gesang (die „Power Metal“ Stimme) in den Refrains. Und halt das Unvermeidliche: Ich am Rest...

Wirklich viel geändert haben die Besetzungswechsel also nichts. Ich habe komponiert und die Gitarren eingespielt, habe mit alten Schlagzeugspuren ein Gerüst gebaut und dieses dann an alle verschickt, damit sie sich an die Arbeit machen können. Also alles wie gehabt eigentlich.

Eure aktuelle CD (EP) „…Symptoms…“ erschien am 02.12.2016 und hat bei uns satte 9,9 Punkte bekommen (…Fans, für die Komplexität, Tiefgründigkeit, Emotionen, Intensität, technische Finesse keine Fremdkörper- oder Wörter sind, sollten sich hier die Zeit nehmen und die Scheibe entdecken…), beschreib mal bitte den Schaffensprozess und wie Ihr das Ganze gestemmt habt. Wo habt Ihr aufgenommen? Wie war die Zusammenarbeit.

Aufgenommen haben wir wieder in verschiedenen Studios. Das Schlagzeug hier in Ludwigshafen in Alex' Studio. Den Bass und Alex' Gesang ebenfalls dort. Kevin hat sein Gitarrensolo in Bonn aufgenommen. Déhà seinen Gesang in Bulgarien, wo er seit ein paar Jahren lebt. Saxofon wurde in Norddeutschland auf Festplatte gezimmert. Joe hat seine Spuren in seinem eigenen Studio aufgenommen und den Rest habe ich hier bei mir aufgenommen. „...symptoms...“ war meine allererste Produktion, die ich selbst also aufgenommen, gemischt und gemastert habe. Da ich offensichtlich keine halben Sachen mache, habe ich mir da natürlich ein dickes Mammutprojekt für meine erste Arbeit aufgebrummt, haha. Am Ende hatte ich da, kein Witz, über 130 Spuren. Da würden viele Leute jetzt sagen: „Total bekloppt, der Köppler!“. Und weißt du was? Sie haben vollkommen Recht.

Aber, und das ist das wirklich Gute an der Sache, genauso, habe ich so dermaßen viel auf einmal gelernt, ja, lernen MÜSSEN, dass ich für zukünftige Projekte eine ziemlich gute Basis geschaffen habe. Ich habe mich da auch wirklich reingekniet. Kompressoren? Limiter? Multibandkompressoren? De-Esser? Insert- und Send-Effekte? Bitte was? Japp, so ging es mir am Anfang. Aber ich habe mir Bücher besorgt, Lehr-DVDs, habe mich durch unzählige Tutorials und Foren gewühlt und das hat mir sehr geholfen. Am Ende habe ich aber doch meinem Gehör und meinem Gefühl die Arbeit überlassen. Ich bin mir sehr sicher, dass ich viele Dinge getan habe, damit es am Ende so klingt, wie ich es mir vorstelle, bei denen Tontechniker mindestens einen Herzinfarkt bekommen würden, aber hey, am Ende kommt es ja nicht mehr wirklich auf den Weg an in der Tontechnik, sondern um das Ergebnis. Und, das sei mir gegönnt, ich bin sehr stolz auf meine erste Produktion...

Eure Musik, Eure Art von Metal ist sehr speziell und keine leicht Kost, wie habt Ihr es geschafft, die verschiedenen Stile, die verschiedensten Instrumente in Einklang zu bringen – letztendlich fungiert ja alles als Einheit und bildet das Gesamtbild. Lass uns mal bitte teilhaben an der Intention von Maladie so vielschichtig zu sein.

Hm, da muss ich dich enttäuschen. Es ist und war nie die Intention von Maladie unbedingt vielschichtig zu sein. Die einzige Intention ist: Musik erschaffen. Vollkommen losgelöst von Grenzen, Gesetzen und Erwartungen anderer. Wenn ich Musik für Maladie komponiere, lasse ich mich einfach gehen. Ich denke nicht wirklich nach im Stile von „Geht das?“, „Kann man das so machen?“, oder gar „Wird das den Leuten gefallen?“. Nein, ich lasse mich fallen und nehme alles auf, was in dem Moment passiert. Meistens frage ich mich bei späterem Anhören selbst, was zur Hölle ich da schon wieder zusammengedudelt habe. Da komme ich dann auf solche Ideen wie zum Beispiel ein Oboensolo, ein kleines Kammerorchester, Trompeten und Hörner? Ja, genau das MUSS jetzt DA hin! Und so weiter. Ich lasse mich da durch nichts und niemanden limitieren. Wenn dann ein Song halt mal über 40 Minuten geht, nun, dann ist das eben so...
Seid Ihr mit Maladie schon wieder im Schaffensprozess für neue Songs? Habt Ihr schon wieder neue Ideen in der Schublade, die es weiterzuentwickeln und zu verarbeiten gilt?

Hehe, nun, ihr werdet jetzt wieder sagen: „Total bekloppt, der Köppler!“, aber ja, da gibt es tatsächlich schon bisschen was. Das nächste Album ist bereits zum Großteil aufgenommen und die Gitarren für die Hälfte des vierten Albums habe ich auch schon im Kasten. Und auch Material für eine weitere EP. Also ja, ich bin eindeutig bekloppt. Aber wenn ich eben in Stimmung bin, nehme ich neue Lieder auf. Ich würde wahnsinnig werden, würde ich das nicht tun. Aber um hier nicht zu weit nach vorne zu sehen: Das nächste Album wird wieder etwas anders. Viele bekloppte Ideen wie z.B. ein Akkordeon, ein Muezzin oder auch ein Accelerando bis zu 360 bpm, auf das sich z.B. Moritz am Bass ganz besonders gefreut hat, haha.

Maladie arbeitet Mittlerweile mit Apostsay Records zusammen, die dafür bekannt sind, immer wieder Perlen zu entdecken und großartige Alben zu veröffentlichen. Wie kam es dazu?

Für Maladie arbeite ich schon von Anfang an mit Apostasy zusammen. Chef Tomasz kenne ich schon recht lange und da er bei allem was er macht mit viel Leidenschaft dabei ist, war es für mich selbstverständlich, ihn zu fragen ob er Bock habe, Maladie zu veröffentlichen. Und ja, man kann schon sehr stolz sein, wenn man zur Apostasy Familie gehört. Alle Bands, die da unter Vertrag sind, machen ihre Sache außergewöhnlich gut und ich bin sehr froh, mit Maladie dazuzugehören.

Planst Du, mit Maladie auch mal live die Republik zu bereisen? Ich stelle mir das sehr schwierig vor, bei so vielen verschiedenen Instrumenten sieht das ja aus, wie eine Bigband, ist das denn überhaupt möglich bzw. realisierbar?

Nun, geplant ist nichts. Wir haben ja schon mal einen Auftritt beim Ragnarök Festival vor ein paar Jahren gespielt. Das hat erstaunlich gut geklappt. Aber da alle involvierten sehr professionell und gewissenhaft arbeiten, hätte mich alles andere auch gewundert. Es ist wirklich ein immenser Aufwand. Aber nicht mal, die Musik auf die Bühne zu bringen, sondern eher die organisatorisch und vor allem finanzielle Seite ist eine schwierige Angelegenheit. Live gehen wir auch nur mit sechs Mann auf die Bühne. Also ja, es ist schon machbar, aber abgesehen von dem Aufwand, wird es auch in Zukunft nur sehr wenige, ausgesuchte Auftritte von Maladie geben...

Wie geht es nun mit Maladie weiter – gebt mal einen Ausblick auf das, was Ihr plant, was die Fans erwartet!
Wie vorher schon erwähnt, arbeiten wir momentan am dritten Album, welches wir 2017 veröffentlichen wollen. Außerdem arbeite ich auch schon an einer weiteren EP und am vierten Album. Ihr könnt gespannt sein, denn wer meine Musik bisher verfolgt hat weiß, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und das wird auch so bleiben. Es gibt sehr viele neue und sicherlich auch unerwartete Dinge auf den kommenden Alben und EPs, aber es wird immer zu 100% Maladie bleiben. Denn wenn Maladie eins mit Stolz ist, dann ist es das Anderssein.

Jetzt habt Ihr die Möglichkeit, noch ein paar Worte in eigener Sache zu verlieren – haut alles raus, was Ihr schon immer sagen wolltet.

Ich möchte der Metalgemeinde mitteilen, dass sie sich wieder mehr auf den Kern des ganzen besinnen soll: Die Musik. Diese Szene ist immer mehr und mehr in den Kommerz abgerutscht. Es geht kaum noch jemandem um die Musik an sich. Saufen und Spaß, in beschissenen Kostümen auf Festivals und Konzerten zum Affen machen. Jede billige Kopie einer noch billigeren Kopie abfeiern und so weiter. Das ist nicht mehr meine Welt und ich hoffe wirklich sehr, dass sich die Szene dahingehend wieder etwas ändert. Liebt die Musik, und nicht den ganzen Scheiß drum 'rum.

Ein fettes Dankeschön für Deine Zeit Björn – Dankeschön für Deine Antworten und weiterhin viel Schaffenskraft und bestmöglichen Output.

Ich habe zu danken! Bis zum nächsten Mal...

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