Es gibt momentan kaum eine andere Band, die die Massen der Metalheads, egal welchem Lager sie angehören, zu begeistern weiß wie Mantar. Das Hanseatisch/Floridianische Duo durchbricht musikalische Grenzen und weiß, wie man Dunkelheit mit Heavyness und einer fetten Punkattitüde auf Polycarbonat und vor allem auf die Bühne bannt. Was Erinc und Hanno Abend für Abend in kleinen Clubs, großen und kleinen Festivalbühnen rund um den Globus abliefern, darf ohne Übertreibung als große Kunst angesehen werden. Unser Chef ist ebenfalls dem Mantar Virus erlegen und freute sich wie ein dickes Kind in einer mit Nutella gefüllten Badewanne darüber, bei ihrem Gastspiel in Berlin dem Duo ein paar Fragen zu stellen.

Eure momentan laufende Tour ist ja wohl DER Hammer. Fast überall ausverkaufte Häuser, ausflippende Menschenmassen und Eure Patches waren auch schon ausverkauft. Dass muss Euch doch runtergehen wie Öl…

Erinc: Na klar freuen wir uns total darüber und haben das in der Form in keinster Weise erwartet.

Kann ich mir bei dem „Hype“ und Eurem (verdienten) Erfolg kaum vorstellen…

Hanno: Das eine ist Theorie und die Leute müssen letztendlich auch vor der Tür stehen…und das klappt momentan auch gut. Ich bin absoluter Realist und glaube solche Dinge auch immer dann erst, wenn sie wirklich eintreffen. Aber eins kann ich Dir versichern: Die Freude ist gerade wirklich groß. Wir versuchen schon, nicht ganz so tief zu stapeln, aber dennoch realistisch zu bleiben. Aber der von dir beschriebene Umstand der ausverkauften Häuser ist schon ziemlich cool und zeigt, was die Band augenblicklich für ein Standing hat. Und wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass wir erst seit knapp dreieinhalb Jahren zusammen Musik machen, ist das schon eine ziemlich große Nummer.

Erinc, in der Vorbereitung zu unserem Gespräch bekam ich von Nuclear Blast Deine Emailadresse zugesandt mit dem Hinweis, mich doch mit dem Tourmanager kurzzuschließen. Bist Du also neben den Kesseln auch noch verantwortlich für diese Rundreise?
Erinc: Naja, Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass unsere Crew ziemlich klein ist (lacht). Ja, wir machen eigentlich fast alles selber, bis es nicht mehr geht. Für unseren Online Shop und das Merch auf Tour haben wir mittlerweile Jemanden…

Hanno: …und im besten Fall noch einen Soundmann und das war’s auch schon. Aber ich bin ehrlich…langsam wird es etwas ätzend. Jeden Tag die Sachen ausladen, einladen, aufbauen, abbauen und wenn ich sehe, dass mittlerweile jede noch so kleine Kapelle eine eigene Crew am Start hat, sollten wir uns diesbezüglich auch mal drum kümmern (grinst).

Oder noch 1-2 zusätzliche Bandmitglieder. Die können ja dann mitschleppen.

Hanno: Nein, dann lieber so weiter, wie bisher (lacht).

Obwohl Ihr ja ziemlich busy seid. Jena, Johannisburg, Kapstadt, Nürnberg. Das hat schon Gesicht…

Erinc: Nürnberg war ja nach Kapstadt nicht direkt der nächste Gig, insofern ging es schon.

Hanno: So schön es ist, aber das ist schon ziemlicher Stress. Die Rückreise hat 20 Stunden gedauert und ob da nun ein oder zwei Tage dazwischen liegen…es ist schon asozial anstrengend. Aber man sucht es sich ja selber aus, ob man es machen will oder eben nicht. Man kann immer separieren, was man tut oder nicht und ich kann es schon nachvollziehen, wenn da manche Band einfach mal „Nein“ sagt. Bei uns haben sich allerdings diese Fernreise alle ausgezahlt, ob es nun die USA, Russland oder Südafrika war…es war immer cool.

Woher glaubt Ihr kommt dieses riesige Interesse an Mantar? Ihr seid gerade einmal vor dreieinhalb Jahren auf der Bildfläche erschienen und dennoch habt Ihr jetzt bereits schon einen Satus, von dem manch etablierte Band nur träumen kann?

Erinc: Puh, da steckt kein eigentliches Konzept oder Plan dahinter. Wir machen einfach das, was wir wollen und vor allem auch können, mit Energie und Hingabe, mit der wir auch die mangelnde Technik wettmachen. Wir geben halt alles, reißen uns den Arsch auf, das scheinen die Leute zu mögen und honorieren dieses entsprechend. Wir haben dermaßen viele Konzerte in so einer kurzen Zeit gespielt und vielleicht haben sich die eben von mir erwähnten Fakten in den Szenekreisen herumgesprochen. So richtig sagen kann ich es Dir nicht.

Hanno: Ich glaube, die Leute erkennen die Authentizität und das Ungekünstelte in unserer Musik einfach an und erkennen, dass Mantar den exakt gleichen Gig, im Gegensatz zu einer vollen Halle, auch vor 10 Leuten im Proberaum zum Besten geben würden. Unsere Show besteht darin, sich zu verausgaben und den Leuten gute Musik zu bieten, ohne Gimmicks und Schnickschnack, was den Leuten anscheinend sehr gut gefällt. Aber vielleicht hat auch unsere Mucke eine gewisse Qualität…wer weiß (Gelächter).

Wir sind aber auch in den jetzt hinter uns liegenden Jahren sehr, sehr fleißig gewesen und haben schon morgens geprobt, als andere noch verkatert herumlagen und hatten auch sehr schnell, nach 3-4 Monaten, unsere erste Platte zusammen, die wir gleich mit einer Tour begleitet haben. Diese Entschlossenheit haben dann auch die Booker und Promoter gerade in Übersee mitbekommen und somit wurde aus dem heißen Underground-Tip eine ernstzunehmende Band. Wichtig ist dann aber auch, dass du dem Hype standhalten und dich entsprechend auch auf den großen Bühnen beweisen kannst, was wir, meiner Ansicht nach, gut geschafft haben.

Ihr habt aber auch den großen Vorteil, ein sehr gemischtes Publikum anzusprechen. Da kommt der normale Metaller, der Black Metal Fan, Punks, Hipster. Wie kategorisiert Ihr eigentlich selber Eure Musik?
Hanno: Naja…Black Metal ist es im eigentlichen Sinne nicht, obwohl wir oft diesen Stempel aufgedrückt bekommen. Bei manchen Riffs kann man durchaus Parallelen erkennen, doch ich finde die Bezeichnung „Black Punk“ recht treffend. Ich höre Black Metal so ganz gerne, werde mir aber niemals anmaßen, mit meinen Fähigkeiten an der Gitarre irgendwelchen Musikstilen nachzueifern. Wenn ich mir vornehmen würde, eine gute Death Metal Band an den Start zu bringen, würde ich es gnadenlos verkacken. Ich werde niemals etwas probieren, was Andere weitaus besser können und somit mache ich halt das, was ich kann, dafür aber zu 110%. Und macht es dieser Umstand natürlich auch recht einfach, da wir Niemanden irgendeinen Stil schuldig sind.

Erinc: Unabhängigkeit ist kein Dogma und einer Szene waren wir eh nie zugehörig. Wir haben uns vielmehr aus jeglichem Szenedenken herausgehalten und unser eigenes Paket geschnürt.

Hanno: Auf eine etwaige Szenezugehörigkeit habe ich sowieso keinen Bock, denn dort herrschen mir zu viele Scheuklappen. Das finde ich mordsanstrengend. Ich will einfach keinerlei Szenekodex erfüllen müssen. Dafür bin ich zu alt und zu uninteressiert (grinst).

War denn die Idee des Gegenüber-Musizierens von Anfang an Bestandteil von Mantar?

Hanno: Wir haben sehr früh angefangen live zu spielen und im Proberaum begannen wir halt, uns gegenüber zu postieren, was wir live dann auch beibehielten. Bei lediglich zwei Leuten ist die Kommunikation extrem wichtig und wir haben uns dann an diese Position gewöhnt. Wir waren noch darauf angewiesen, uns beim Spielen anzuschauen um zu erkennen, was der Andere gerade macht. Es war also niemals eine Show oder ein Gimmick, sondern ganz einfach der Situation geschuldet.

Erinc: Ich kenne auch andere Bands, bei denen das Schlagzeug so positioniert ist und für mich als Musikbegeisterten ist es doch schön von der Seite zu sehen, was der jeweilige Typ da so fabriziert.

War denn Mantar als Duo geplant?

Hanno: Klar war anfangs nur, dass Erinc und ich gemeinsam Musik machen wollten und es wurde noch schneller klar, dass kein anderer mitmachen wollte (lacht). Dennoch merkten wir ziemlich fix, dass es zu zweit prima funktioniert und die Vorteile bei einem Duo nicht von der Hand zu weisen waren. Geplant war das definitiv nicht.

Ich kannte vorher in solch einer Konstellation lediglich Bölzer, mit denen Ihr ja auf der aktuellen „The spell“ EP den Titelsong zusammen eingespielt habt. Das wäre ja auch ne Tour. 2 Bands, vier Mann…viel Platz im Tourbus…
Hanno: Anfang 2015 haben wir mit ihnen zusammen sogar eine kleine Tour in Spanien und Portugal gespielt.

Hanno, Du lebst mittlerweile in Gainsville, Florida, Erinc pendelt zwischen Hamburg und Bremen. Klappt das denn noch mit den gemeinsamen Proben?

Hanno: Nein, gar nicht. Wir proben eigentlich nur noch, wenn eine Tour ansteht oder wir an neuem Material arbeiten. Ansonsten ist das logistisch eigentlich nicht das ganz große Problem. Entweder fliege ich rüber oder Erinc kommt zu mir.

Die Flugkosten sind bei einer solchen Bandzusammenstellung ja noch überschaubar…

Hanno: Dennoch tun sie weh, aber so ist es halt.

Ode to the flame“ ist ein knappes Jahr alt, „The spell“ kam gerade heraus. Eine ziemlich beeindruckende Schlagzahl. Kommt dieses Jahr noch was Neues?

Hanno: Definitiv nicht! Wir müssen auch mal ein bisschen chillen, denn wir haben uns in den letzten Monaten ganz schön ausgepowert. Wir spielen jetzt die Tour zu Ende und dann ist mal Ruhe. Wir haben gar keinen Bock darauf, dieses Jahr noch irgendetwas zu veröffentlichen. Wir machen noch was in Kanada, dann ein paar Festivals und im Herbst noch ein paar Europa Gigs.

Klingt ja wirklich nach chillen und Ruhe…(Gelächter)

Hanno: Stimmt schon. Naja, wir machen einfach das, was uns gefällt und wenn man bedenkt, dass wir nach der ersten Platte nicht daran dachten, überhaupt eine zweite nachzulegen, haben wir uns recht gut entwickelt. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat (lacht).

Während unseres Gespräch habe ich so ein klein wenig heraushören können, dass gerade Du Hanno recht froh bist, wenn die Tour vorbei ist. Nen paar Gigs sind’s ja noch…

Hanno: Die Shows machen immer Spaß, versteh mich nicht falsch, aber das ganze Drumherum finde ich persönlich sehr anstrengend. Das Warten, das Sitzen, die endlose Fliegerei, das rumfahren im Bus. Ich bin da nicht so hartgesotten wie manch anderer, wobei das vielleicht auch von den drei Jahren kontinuierlichen Touren kommt, welches wir durchgezogen haben. Das war aber auch innerhalb unseres Findungsprozesses enorm wichtig um herauszufinden, was kann man und will man sich überhaupt zumuten. Oder zu merken, was ist Scheiße und was nicht. Wir sind heutzutage einfach viel besser darin festzustellen, ob wir diesen oder jenen Gig überhaupt spielen wollen.

Anfang Mai sollten wir für ein paar Shows nach Japan fliegen und bin eigentlich recht froh darüber, dass die Geschichte nicht stattfindet, um einfach ein klein wenig zu entspannen und sich auf die Sommerfestivals zu freuen. Langweilig wird uns definitiv nicht und wenn man wartet, ergeben sich zumeist die Dinge von alleine. Am Anfang wollten wir alles, haben in kürzester Zeit 3 US Tourneen gespielt, was ebenfalls für unseren Findungsprozess enorm wichtig war, aber, alter Vater…war das anstrengend.

Was liegt bei Euch momentan auf dem Plattenteller?

Erinc: Oh, schwierige Frage…

Hanno: Bei mir viel Bluegrass und Country Mucke, das höre ich privat unheimlich gerne. Das hat nun aber nichts mit meinem Leben in den Südstaaten zu tun, sondern war auch schon früher so. AC/DC…seit ich 6 Jahre alt bin jeden Tag und überhaupt höre ich viel Musik, die mit Metal überhaupt nichts zu tun hat. Das ist vielleicht auch ein ganz wichtiger Punkt, warum Mantar nicht unbedingt als straighte Metalband wahrgenommen wird und wahrgenommen werden will. Wir haben Freude am Abriss, doch die typischen Metalklischees sind uns fremd. Dennoch freuen wir uns in ein Publikum zu gucken, wo die Mehrheit der Leute Metalfans sind, denn diese Fans sind die loyalsten, die es auf der Welt gibt.

Bei diesem Musikgeschmack müsste ja Me and that man oder das Country Projekt von ex-Morbid Angel Chef David Vincent genau deinen Nerv treffen…

Hanno: Ich habe beides noch nicht gehört und gerade bei dem Nergal Projekt die Befürchtung, es könnte zu glatt sein. Bei David Vincent habe ich gehört, es soll nicht gaaanz so fürchterlich sein (lacht).

Erinc: Ich höre gerne 80er Jahre Mucke, doch da gibt es seit über 30 Jahren nichts Neues mehr (Gelächter).

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