ESCAPE FROM HAMBURG



Ok, nach diversen Drohungen, Shitstorms und der Ermahnung, seriösen Journalismus zu betreiben, löse ich unseren kleinen Aprilscherz mal auf und veröffentliche an diese Stelle das korrekte Interview mit Endseeker Gitarrist Ben Liepelt, der in Wirklichkeit ein ganz besonders netter Mensch ist. Los geht’s…

Was soll man zu Endseeker großartig Neues als Einleitung zu Papier bringen? Die Hamburger Truppe arbeitet hart daran, ihre Stellung als führende HM-2 Death Metal Band in Deutschland zu manifestieren und auszubauen, wozu das neue und wirklich mehr als gelungene Werk „Mount carcass“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein großes Stück beitragen wird. Die Jungs von der Alster haben sich mächtig ins Zeug gelegt und die Pandemie-bedingte Pause scheinbar perfekt genutzt, um mit neuen akustischen Schlechtigkeiten die mittlerweile recht ansehnliche Fanbase zu beglücken. So auch mich, der zwar anfangs ein paar kleine Probleme mit dem dritten Album hatte, dieses aber mittlerweile nicht mehr aus dem Player bekommt.

Im Gegensatz zu meinem kleinen Scherz vom gestrigen Tage verlief das Gespräch mit Ben, den ich nun auch schon seit ein paar Jahren recht gut kenne und schätze, locker, flockig, spaßig und er gab bereitwillig Auskunft zu sich, dem neuen Album und diversen anderen Themen. Witzig finde ich den Umstand, dass ich bei meinem dritten Endseeker Interview nun auch den dritten Musiker an der Strippe hatte. Zwei weitere Alben und ich habe alle zusammen…

Ben, im Vorfeld der Terminierung unseres Gesprächs erwähntest Du, dass Du freitags nicht arbeitest. Wie kommt sowas denn zustande?

Ich habe einfach keine Lust, 5 Tage die Woche zu arbeiten und deswegen habe ich einen Arbeitsvertrag über 25 Stunden abgeschossen der es mir ermöglicht, mein Wochenende am Donnerstag um 14 Uhr einzuläuten. Alles darüber ist Sklaverei (lacht).

Was passiert am 16.04.2021?

Das wird ein nationaler Feiertag epischen Ausmaßes…

Stimmt, da erscheint die neue Cannibal Corpse…

(Gelächter) Genau, weil die neue Corpse Platte erscheint. Aber im Fahrwasser der gigantischen Cannibal Borpse Veröffentlichung, murmeln wir uns auch ein bisschen rein ins Geschehen und veröffentlichen unser neues Album „Mount carcass“.

Diese „Borpse“ Geschichte fand ich im Übrigen saukomisch… (Anm. da hat sich ein größeres Printmagazin ausgerechnet auf dem Titelblatt beim Namen der amerikanischen Death-Götter verdruckt)

Das war bei uns auch ein richtig großer Lacher und ist es bis heute noch.

Ist es für Dich eigentlich ein Interessenskonflikt, dass das Label, für das Du arbeitest, Euer eigenes Album veröffentlicht? Habt Ihr dadurch nicht vielleicht einen kleinen Wettbewerbsvorteil?

Nö, denn ich bin ja auch nicht der einzige Künstler, der bei denen unter Vertrag steht und für das Label arbeitet. Will, der Basser von Angel Witch beispielsweise oder Alan von Primordial, der früher mal für Metal Blade gearbeitet hat, haben da sicherlich auch keine Vorteile draus gezogen. Und nein, ich sehe da absolut keinen Interessenskonflikt.

Endseeker werden bei Metal Blade behandelt, wie jede andere Band auch und genießt keinerlei Vorzüge, dafür sind wir eh zu klein. Außerdem hatten wir den Plattenvertrag ja schon fast ein Jahr vorher in der Tasche, bevor ich dort überhaupt angefangen habe, zu arbeiten. Metal Blade suchten damals jemanden, der das kann, was ich kann und so kam das zustande. Ich kann das auch gut voneinander trennen und wenn in Meetings über Endseeker gesprochen wird, gibt es keinerlei Sonderbehandlung.

Kommen wir zu „Mount carcass“. Dich hat im Vorfeld explizit meine Meinung zu dem Album interessiert und ich gebe zu, dass ich eine Weile gebraucht habe, um das Album in mein Herz zu schließen, wie es bei „The harvest“ von der ersten Note an geschah…gerade was das Tempo anbelangt. Korrigiere mich, aber habt Ihr ein wenig das Tempo gedrosselt?

Das ist interessant, denn viele, die die Scheibe schon hören durfte meinten, dass die Scheibe eingängiger ist als alles andere, was wir vorher veröffentlicht haben. Was die Geschwindigkeit angeht stimmt das so nicht. Von der BPM Zahl her sind beispielsweise ein paar Songs dabei, die schneller sind als auf der „Harvest“. Wir machen da aber keine Mathematik draus, sondern haben einfach Songs geschrieben, die uns Spaß machen zu spielen, zu hören und ob die nun schneller oder langsamer als früher sind, hat für uns keine große Rolle gespielt. Wir waren wären des Songwritings total frei im Kopf und haben uns keinerlei Gedanken über Irgendetwas gemacht. Aber zu Deiner Anfangsfrage…

Ich persönlich finde, dass „Mount carcass“ zugänglicher ist als „The harvest“ und Dein Feedback ist tatsächlich das erste seiner Art. Harvest war schon fast etwas proggiger für uns mit experimentellen Songaufbauten, mehr Riffs, stressigere Parts (lacht). Ich fand, dass die Scheibe dem Hörer etwas mehr abverlangt hat, als es „Mount carcass“ jetzt tut. Aber so hört das jeder anders und das ist doch das Schöne an Musik, die Art, wie man sie hört und wahrnimmt.

Ich wollte das auch in keiner Weise in Abrede stellen, denn das Album ist und bleibt ein Killer. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass es halt viel zu entdecken gibt und es ist doch prinzipiell schön, wenn man lange ein Album hören kann und dabei immer wieder Neues entdeckt. Kam das alles wieder aus dem Bauch heraus? „Merciless tide“ beispielsweise klingt, als ob Ihr Euch da um die Strukturen richtig Gedanken gemacht habt…

Das ist total witzig und interessant, denn genau andersherum wird ein Schuh draus. „Merciless tide“ ist tatsächlich der einzige Song, den wir quasi im Laufe eine Jamsession im Proberaum zustande gebracht haben. Der kam so richtig aus dem Bauch. Jeder hat einen eigenen Part hinzugefügt und alles in allem hat das dann den Song ausgemacht. Der war komplett spontan…

Warum der Albumtitel „Mount carcass“?

Unser Titeltrack befasst sich mit den Merkwürdigkeiten der Kletterindustrie, in diesem Falle die untragbaren Zustände am Mount Everest. Die nepalesische Regierung vergibt Jahr für Jahr viel zu viele Aufstiegslizenzen, mit denen sie ihren Staatshaushalt aufbessern, denn so eine Lizenz kostet knapp 50.000 €, Tendenz nach oben offen, und das führt dazu, das viele gut situierte Menschen auf diesen Berg raufwollen. Warum dem so ist, muss jeder selbst für sich wissen, doch ich unterstelle einigen den „Posing-Faktor“.

Da der Aufstieg aufgrund des beschissenen Wetters nur an bestimmten Zeitfenstern möglich ist, bilden sich aufgrund der Massen an diesem Berg regelechte Staus, vor allem in der Todeszone, die bei 8.000 Metern Höhe beginnt. Da sind dann Kletterer aufgereiht wie auf einer Perlenschnur und es geht nicht weiter. Da vorher meist keine Fitnesschecks gemacht werden kommt es nicht gerade selten vor, dass Leute da oben kollabieren, und dann bist du am Arsch. Du wirst aus der Leine ausgeklinkt, an den Rand gesetzt und darfst erfrieren, da man von dort oben nicht gerettet werden kann. Aufgrund dieses Umstands befinden sich dort oben an die 200 tiefgefrorene Leichen, an denen die Kletterer Tag ein, Tag aus vorbeistapfen müssen, um den Gipfel zu erreichen.

So hart wie es ist, aber das ist ein wunderbares Abbild unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Immer höher, immer weiter, mehr Profit und im Zweifelsfall geht man für den Erfolg und die Karriere auch über Leichen. Das ist ein gutes Sinnbild für die gesellschaftliche Entwicklung.

Lennys Texte haben ja immer gerne eine zweite Ebene und ich finde es toll, dass es immer eine Metaebene gibt, wo man seine Texte auch gesamtgesellschaftlich betrachten kann und der Berg an sich nur das Sinnbild für das gesellschaftliche Mindset darstellt.

Dazu gibt es ein ebenso großartiges Coverartwork, welches mich allerdings ziemlich an Napalm Death‘ „Scum“ erinnert…

Ja, es gibt im Stil gewisse Parallelen, diese Coulagen Art und nicht mehr dieses schwarz gezeichnete Skelettzeug. Wir wollten sowas bewusst machen, denn die Platte hat diesmal einen komplett anderen Tenor, ist an manchen Stellen ernster und auch die ganzen Umstände sind es, unter denen dieses Album entstanden ist. Das Album gibt es nur wegen Corona, machen wir uns nichts vor. Wir hatten ja eigentlich geplant, dass ganze letzte Jahr mit der Harvest-Platte zu touren, hatten schon ein paar echt coole Sachen eingetütet und dann ging alles den Bach runter. Anstatt rumzusitzen entschieden wir uns dazu, eine neue Platte zu schreiben.

Es sind ganz viele Eindrücke aus dieser Zeit in die Songs mit eingeflossen, Frust, Ärger über ganz viele unterschiedliche Dinge, die falsch liefen und immer noch falsch laufen, auch global gesehen und die auch Auswirkungen auf uns haben. Wir wollten, dass das Cover exakt diese Gefühlslage ausdrückt, diese Unzufriedenheit, die wir auf viele Sachen verspürt haben.

Den „Scum“ Vergleich kann ich gut nachvollziehen und kann damit prima leben, denn ich finde die Scheibe verdammt cool (lacht).


In diesem Kontext kann man sich bei einem Song wie „Count the dead“ gleich etwas ganz anderes vorstellen…

Dieser Song zielt eher auf die weltweiten sozialen Unruhen, statt den weltweiten Corona-Toten, was man aber durchaus hätte denken können. Aber natürlich spielt da alles mit rein, denn viele dieser Unruhen und Ausschreitungen wurden durch Corona ja noch befeuert oder fanden allein deswegen nur statt. Gerade in den USA…ich erinnere mich an den Mob, der das Parlament in Michigan gestürmt hat, nur damit die Friseure wieder öffnen und all solche Sachen. In den Niederlanden oder Australien ging es zwischenzeitlich auch ganz gut ab.

In dem Song geht es um politische Entwicklungen, die an den demokratischen Werten rütteln und dann letztendlich zu Ausschreitungen auf der Straße geführt haben. Man sitzt Zuhause und wird Tag für Tag mit den wildesten Nachrichten zugebombt und denkt sich dabei nur, wie verrückt die Welt doch geworden ist. Wo sind wir bitte falsch abgebogen? Man bekommt ja schon fast Zweifel an einem friedlichen Zusammenleben, so geballt, wie es in der letzten Zeit auf uns reingeprasselt ist.

Dann passt es bei dem düsteren und dystopischen Bild, was Du zeichnest, perfekt, dass Ihr mit der Titelmelodie zu „Escape from New York“ (Die Klapperschlange) einmal mehr eine großartige Coverversion eingetütet habt.

Absolut richtig! Das spielte mir in die Karten. Ich liebe diesen Film abgöttisch und als ich ihn erstmals als Kind sah, hatte der einen riesigen Impact auf mich. Gerade diese Dystopie, in der ganz Manhattan als Gefängnis Insel dargestellt wird, zeichnet exakt das düstere Bild, welches momentan allen Ortes gemalt wird. Wenn man heute Bilder von brennenden Städten sieht, ist das alles gar nicht so weit entfernt voneinander oder es rückt in vorstellbare Nähe. Wenn man dazu noch die autokratischen Allmachtsphantasien gewisser Staatoberhäupter sieht, sind solche Entwicklungen durchaus denkbar, auch wenn der Film bereits im Jahr 1997 angesiedelt ist.

Dazu hat der Film in diesem Jahr vierzigjähriges Jubiläum hat und bietet von daher den besten Grund, dem Teil ausgiebig zu huldigen. Außerdem ist der Sundtrack mega und ich habe das Thema bereits 35 Jahre auf der Gitarre rauf und runter gespielt und endlich konnte ich was draus machen. Wir fanden alle, dass das atmosphärisch gut in die Platte reingepasst hat.


Und gab es schon Reaktionen von John Carpenter?

(lacht) Ich habe versucht ihn zu kontaktieren. Er hat auf seiner Webseite zig Kontaktmöglichkeiten für jedes erdenkliche Anliegen oder Interessen, aber ich habe da niemand zu fassen bekommen. Auch über Facebook kam leider kein Kontakt zustande. Witzigerweise hatte ich letztens ein Interview mit einem Amerikaner, der sich als Freund von Carpenters Sohn outete. Er versprach, ihm das mal irgendwie rüberzubeamen. Mal gucken, ob das klappt, denn seine Meinung würde mich schon tierisch interessieren.

Wie fandst Du eigentlich den 2.Teil „Escape from L.A.“?

(lacht) Nee, nee, der war nichts. Da war die Magie einfach weg. Ich mag auch nicht alle Sachen von Carpenter, doch er hat ein paar richtig geile Sachen gemacht, doch dem gegenüber stehen ein paar richtig fette Gurken. Den 2.Teil habe ich einmal gesehen und verspürte danach kein Verlangen mehr auf ein weiteres Mal.

Zurück zum Album. Ich finde, Ihr habt beim Sound eine ordentliche Schippe draufgelegt. Wo manche HM-2 Band zuweilen an einem etwas matschigen Sound laborieren, so ist Eurer auf „Mount carcass“ herrlich differenziert, klar akzentuiert und klingt wie aus einem Guss.

Da gebe ich Dir recht und ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Sound. Wir haben es diesmal ein wenig organischer, luftiger, offener gehalten und das alles nicht so überkomprimiert. Auch habe ich andere Gitarrenpedale verwendet als beim letzten Mal, wo hingegen Jury beim traditionellen HM-2 geblieben ist. All das hat sich sehr positiv auf den Gesamtsound ausgewirkt, ebenso wie der Schlagzeugsound, auf dem sich nicht ein einziges Triggersignal befindet und von daher richtig fett und klar klingt. Das ist alles Kummers original Drumsound, der Klang. Das hat für mich alles so ein kleines Dave Lombardo Feeling, weil man hört, wie doll Andre auf die Snare haut oder die Bassdrum tritt. Dadurch bekommt der Sound ein organisches Feeling und es klingt alles mehr nach Band.

Ich mag den Sound ebenfalls sehr, sehr gerne und habe das Gefühl, dass er beim Hören nicht stresst oder meine Ohren dabei ermüden. Das habe ich nicht bei allen Death Metal Platten, wo ich denn nach einem Durchlauf erst einmal eine Pause brauche, weil die mich so zugefeuert haben (lacht). Das habe ich bei unserer Produktion nicht, die kann ich über die Laufzeit hinaus auch weiter verkraften, hahaha.

Dennoch muss ich noch einmal nachhaken, ob bei all diesen tollen Dingen und der Gewissheit, dass Ihr einen Killer zustande gebracht habt, nicht doch ein wenig die Angst regiert, am 16.04.2021 ein klein wenig von dem Corpse-Hype verschluckt zu werden?

Ach, ich glaube nicht. Den Gedanken, den Du hier gerade platzieren willst, der kam mir gar nicht. Ok, die relasen am gleichen Tag, cool. Außerdem sind die eine Liga für sich, eine komplett andere Hausnummer. Ob jetzt irgendwer unsere Platte nicht kauft, weil er sich lieber die Corpse holt…möglich, aber das könnte auch mit jeder anderen Platte passieren, die an diesem Tag veröffentlicht wird.  Ich hätte mich wohl mehr daran gestoßen, wenn Baest am gleichen Tag veröffentlicht hätten wie wir, weil die einfach viel viel näher an uns dran sind, musikalisch sowie geographisch (lacht). Da wäre die Entscheidungsfindung bei den Fans vielleicht doch eine andere gewesen, aber Corpse treten uns da nicht die Beine weg. Irgendwas ist immer!

Am 18.04.2021, zwei Tage nach dem Release, spielt Ihr eine Record Release Show, die live online aus dem Hamburger Knust mitverfolgt werden kann. Was erwartet uns da?

Es gibt eine komplette Live Show und sitze gerade an den Feinheiten der Abendplanung, denn wir stolpern nicht nur auf die Bühne, machen eine Stunde lang Krach und sind dann wieder weg, sondern wir arbeiten an interaktiven Elementen mit den Fans, so dass es ein spannender und für alle lustiger Abend wird, auch wenn es an einem Sonntag ist. Das ging leider vom Knust nicht anders. Es wird dennoch Alkohol im Spiel sein und alle Leute, die ein Ticket für diese Sow haben, werden sich an einem interaktiven Merchstand gütlich tun können.

Es ist für uns die erste Streaming Show. Letztes Jahr hatten wir diverse Angebote, haben diese aber alle ausgeschlagen, weil wir uns dachten: Death Metal in einem Club? Das hatten wir schonmal (lacht). Das kennen wir, ist nicht so geil. Doch nach einem Jahr Bühnenabstinenz wird es langsam unerträglich und tut körperlich weh. Man kann keine Platte ohne eine vernünftige Releaseshow machen und wenn es ein Stream ist, müssen wir den auch cool gestalten.


Zurück zur Band. Wer Euch über die Jahre hinweg verfolgt hat bekommt bis heute das Gefühl, dass es sich bei Endseeker weniger um eine Band, sondern vielmehr schon um eine Familie handelt.

Ja, das kann ich so unterschreiben. Vor allem im Laufe des letzten Jahres hat sich das sogar noch verstärkt, obwohl wir uns gar nicht so oft gesehen haben, nicht getourt sind und aufgrund behördlicher Auflagen auch nicht so oft proben durften. Als wir uns dann dazu entschlossen, ein Album zu schreiben, hat uns das noch enger zusammengeschweißt, als wir es schon vorher waren.

Der kreative Prozess des Songwritings war halt diesmal komplett anders, weil wir ansonsten immer durch Tourneen und Shows in diesem Prozess unterbrochen wurden, diesmal aber waren wir komplett auf diese eine Aufgabe fokussiert, sieben, acht Monate ausschließlich an neuem Material gearbeitet und in dieser Zeit nicht ein einziges Mal einen alten Song gespielt. Wir waren in einer kreativen Blase, in einem engen, regen und konstruktiven Austausch untereinander, selbst wenn wir uns nicht gesehen haben. Das hat richtig Spaß gemacht und war für das Bandklima großartig. Wenn ich Corona etwas Positives abgewinnen kann, dann war es diese Songwriting Erfahrung des letzten Jahres.

Zum Abschluss ein paar schnelle Fragen. Die beste HM-2 Band aller Zeiten?

Entombed, ganz klar.

Die beste HM-2 Band heutzutage?

LIK!

Welches ist die beste HM-2 Scheibe aller Zeiten?

„Wolverine blues“ von Entombed

Ernsthaft? Mit der kann ich so absolut gar nichts anfangen…

Das ist eins der wichtigsten Alben in meinem Leben. LG’s Vocals sind die besten, die jemals auf einem Death Metal Album aufgenommen wurden. Die Platte ist GOTT!!!

Dann war es für Dich sicherlich auch ein Schock erfahren zu haben, das Lars-Gören Petrov seinem Krebseiden erlegen ist…

Tatsächlich und ich muss ehrlich gestehen, dass wenn irgendein Promi stirbt, mich das sehr selten mitnimmt und mir die ganze Kondolenz-Kultur auf Facebook ziemlich zuwider ist. Bei Petrov war das tatsächlich anders. Seine Mucke hat mir so viel bedeutet und seine gesamte Erkrankung und sein daraus resultierender Tod hat mich zutiefst erschüttert. Wenn ein Neunzigjähriger Schauspieler von uns geht, hat er sein Werk der Menschheit hinterlassen und in solch einem Alter kann man dann auch mal sterben. Petrov war irgendwie noch nicht fertig, ich an diesem Tag dagegen schon. Ich konnte auch kein Entombed hören und hatte selbst zwei tage später noch merkwürdige Träume, in denen er vorkam.

Ich war in diesem Fall wirklich von mir selbst überrascht, dass mir das so nah ging, vor allem auch deswegen, weil ich den Typ nie persönlich getroffen habe. Alle Welt hat LG Petrov schon getroffen und mit ihm mindestens ein Bier getrunken. Wahrscheinlich bin ich der einzige Metaller, dem dies verwehrt geblieben ist. Es war ein sehr trauriger Tag!


Um nicht so schwermütig aus unserem Gespräch zu gehen. Welche Erwartungshaltung habt Ihr an das neue Album? Ich meine, wenn es Asphyx und Harakiri for the sky jeweils auf Platz 3 der deutschen Verkaufscharts schaffen…

…heißt das bei uns noch lange nichts (lacht herzhaft). Wenn wir IRGENDWO in den Charts auftauchen, fände ich das schon ziemlich cool. Das sieht doch geil aus, wenn eine Hamburger Death Metal Band in den Charts zu finden ist. Gab es sowas schon einmal? Ich weiß es nicht. Ich habe davon tatsächlich mal als Teenager geträumt und ich könnte einen Haken an meine To-Do-Liste machen.

Ich mache mir keinerlei Illusionen über eine etwaige Chartplatzierung, schon gar nicht über eine hohe, das halte ich für komplett ausgeschlossen. Da sehe ich schon große Unterschiede bei anderen Bands dieses Genres in deren Reichweite. Ich würde mich darüber freuen, aber Hoffnungen habe ich da nicht.


OLAF

Gesprächspartner: Ben Liepelt (Gitarre | Fotos by Toni B.Gunner



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