EQUILIBRIUM | TROLLFEST | NOTHGARD

18.10.2014 - Berlin @ C-Club

Es ist schon eine Weile her, dass ich mich das letzte Mal auf ein Viking Metal Konzert begeben habe und gerade Equilibrium genießt bei mir einen besonderen Status. Als ich sie 2004 in Berlin zum ersten Mal sah, waren sie noch relativ unbekannt, maximal ein Undergroundtipp und ihr Debutalbum noch nicht mal veröffentlicht. Bereits ein Jahr später erinnere ich mich an einen mächtig gefeierten Gig auf dem Wacken und danach ging es steil bergauf. Mit den Jahren trennten sich meine Wege von der Viking/Pagan Metal Szene und den dutzenden Bands die über nordische Mythologie singen, aber die ersten Equilibrium Songs höre ich noch heute gerne und sie sind die einzige Band, die ich vom Underground zu den großen Bühnen begleiten konnte. Umso gespannter war, was die Band mittlerweile live abliefert und mit eben dieser erwartungsvollen Vorfreude begab ich mich an einem lauen Oktoberabend in den C-Club in Berlin.

Als ich um kurz nach 8 angekommen war, standen die Mannen von Nothgard schon auf der Bühne. Während im Eingangsbereich des C-Clubs vereinzelt Leute um den Merchstand und die Theke standen, war das vordere Drittel recht gut gefüllt und der erste Mob war schon am Pogen. Die Mixtur zwischen melodischem Death Metal mit Viking Anleihen passte perfekt zur Hauptband und das sah man dem Publikum auch an. Die Rhythmusfraktion zockte tight und druckvoll ihr Programm runter und Frontmann Dom R. Crey bestach durch seine Gitarrenkünste, melodischen Hooks und vor allem durch die Bühnenpräsenz. Voller Spielfreude ließen die Bayern eine Hymne nach der anderen vom Stapel und das größtenteils junge Publikum dankte es ihnen, trotz eines ziemlich undifferenzierten Sounds der so manche Melodie einfach verschluckte. Sichtlich euphorisiert bedankte sich Dom ein ums andere Mal beim Berliner Publikum, rief zum Saufen und zur Wall of Death auf. Was dieser Hardcorebrauch auf einem Metalkonzert verloren hat, bleibt mir weiterhin unbegreiflich, dem kurzhaarigen Publikum mit Pickeln im Gesicht schien das aber egal zu sein. Nach einer guten Dreiviertelstunde verließen die Vier mir „Ragnarök“ die Bühne und lieferten schon mal einen guten Auftakt für diesen Abend, dessen einziger Minuspunkt im ständigen Wiederholen der immer gleichen Ansagen nach jedem Song und teilweise auch in den Songs lag. Fazit: Berlin ist super und wir trinken zusammen.

Setlist:
Age of Pandora
Warhorns of Midgard
Under the Serpent Sign
Victory
Blackened Sky
In Blood Remained
Ragnarök

Nach kurzer Umbaupause kam dann mit Trollfest ein ziemlich bunter Haufen auf die Bühne. In weißen Kitteln mit Michael Myers Maske, Bergwerkslampe, Fliegerhelm oder einfach Dreck im Gesicht kommen die Norweger her, wie frisch aus dem Versuchslabor ausgebrochen und machen vor allem Spaß. Ihr als True Norwegian Balkan Metal vermarkteter Folk Metal mit Weltmusik Einflüssen könnte avantgardistisch daherkommen, wäre er nicht so eingängig und partytauglich. Leider leidet auch Trollfests Gig unter einem nicht gerade umwerfenden Sound, so dass gerade die Geige und die folkloristischen Einspieler zu kurz kommen. Stattdessen vernimmt man das mehrstimmige Geschrei und die Rhythmusfraktion, die um einen zweites Drumset mit Percussions angereicht ist sehr deutlich. Doch was die Norweger musikalisch nicht erreichen können machen sie mit einer hochenergetischen Performance wett. Hier steht niemand still, hier wird getanzt, gebangt, posiert, wenn man ehrlich ist, ist die Bühne viel zu klein für das Septett. Fast schon konsequent macht sich ihr Bassist, der mittlerweile in Unterhose und Netzhemd seine Wampe zur Schau stellt, dann auch samt Viersaiter ins Publikum auf. Und weil es das Konzert in Berlin den Tourabschluss darstellt, holt man Equilibrium Bassistin Jen ans Mikro um zusammen Britnex Spears „Toxic“ zu intonieren. Highlights stellen das lauthals mitgesungene „Trinkentroll“ und „Solskinnsmedisin“ dar, das mit Salsaelemten angereichert daherkommt.

Setlist:
Kaptein Kaos
Vulkan
Toxic (Britney Spears Cover)
Brumlebassen
Ave Maria
Trinkentroll
Villanden
Die verdammte Hungersnot
Solskinnsmedisin
Helvetes Hunden Garm

Als das instrumentale Intro “Ankunft” aus den Boxen kommt, ist die Halle mittlerweile gut gefüllt ohne aus allen Nähten zu platzen. Mit dem Erdentempel Opener „Was lange währt“ steigen die 5 ins Programm ein und das Publikum frisst ihnen von Beginn an aus der Hand.

Auch „Waldschrein“ ist ein echter Killer und überzeugt auf Anhieb durch seine eingängigen Melodien. Beide Songs wären aber noch besser gekommen, wenn die Playbacks nach dem Intro nicht total untergegangen wären. Denn das was Equilibrium episch macht sind die Streicherarrangements und die vielen folkloristischen Elemente. Die konnte man hier unter der Gitarrenwand bestenfalls erahnen und so fehlte Equilibrium mit die wichtigste Facette ihrer Musik. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, was auch an Frontmann Robse lag, der ständig um Interaktion mit dem Publikum bemüht war, das ihn dafür fanatisch abfeierte.

Als der Wahl-Berliner dann aber den Mittelteil mit „Uns’rer Flöten Klang“ und dem schunkelnden „Wirthaus Gaudi“ begann, kippte bei mir die Stimmung und es wurde nervig. Gegen Sauflieder ist ja an sich nichts einzuwenden, allerdings schien es hier zum Hauptthema des Abends zu verkommen. „Prost ihr Säue!“ und „Lieber Wirt mach mir den Bierkrug voll“ waren da nur zwei prollige Parolen, die den Abend auf ein Niveau von Onkel Tom und Dimple Minds senkten. Robse bewies, dass er Dom dahingehend sogar noch toppen kann und auch die Anbiederungsversuche beim Berliner Publikum kamen doch sehr pubertär daher, passten aber wohl zum Klientel dass man mittlerweile bei Equilibrium antrifft. In dieser Atmosphäre kam ich mir als Fan der ersten Stunden etwas alleine vor und ein Bisschen nostalgisch dachte ich an 2004 zurück, während „Met“ zum Besten gegeben wurde. Damals wurde noch ein Horn mit Met durch die Masse gereicht, die aus langhaarigen Viking Metalern bestand, heute ist von Hip Hopper über Punk alles vertreten was feiern möchte.

Zum griffigen Produkt „Equilibrium“ passt dann auch die neue Bassistin, Jen Majura, die mit Netzstrumpfhose und bauchfreiem Top vor allem auf die optische Komponente zu setzen scheint, und da ist es auch egal, dass alle paar Songs eine Wall of Death rollt, die den Rest des Publikums eher nervt.

Ein Fremdkörper in dieser sich verdichtenden Atmosphäre waren die Mannen von Trollfest, die während des gesamten Konzertes die Bühne stürmten und zum Tourabschluss das ein oder andere Späßchen auf Lager hatten. „Winghthor’s Hammer“ war mein persönliches Highlight, aber auch „Karawane“, „Der ewige Sieg“ kamen zum Ende wie willkommene Hymnen daher.

Doch der Abend hatte auch rührende Momente, die abermals vom Frontmann ausgingen, dessen Frau samt Kind neben dem Mischpult stand um den Auftritt zu begutachten. Stolz wie Bolle stellte Robse seine Tochter dem Publikum vor bevor sie im Mittelteil von „Apokalypse“ zu hören war, und da das Publikum die Kleine feierte, brach diese etwas verschämt in Tränen aus. Auch Robses Eltern waren präsent, und nach anhaltenden Robse-Chören merkte man selbst ihm seine Rührung an, was ihn dann wieder sympathisch machte.

Und so endete ein gefeierter, sehr familiärer Gig mit „Unbesiegt“ und dem Kracher „Blut im Auge“ der noch Mal die letzten Kräftereserven freisetzte. Das Publikum war sehr zufrieden, ich für meinen Teil fand die alte Besetzung jedoch sympathischer und kann mich mit dem jungen Publikum und der davon ausgehenden Atmosphäre nicht so recht anfreunden.

Setlist
Ankunft
Was lange währt
Waldschrein
Freiflug
Uns’rer Flöten Klang
Wirtshaus Gaudi
Met
Himmelsrand
Wingthor’s Hammer
Karawane
Der ewige Sieg
Wellengang
Apokalypse
Unbesiegt
Blut im Auge

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