ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN | DIE MIMMIS | DIE ELLYS | GRILLMASTER FLASH

24.10.2014 - Berlin @ BiNuu

Ein ziemlich legendärer Abend sollte dieser Freitag werden, denn satte 28 Jahre nach meiner ersten Berührung mit den Abstürzenden Brieftauben sollte das einzige noch vorhandene Ur-Mitglied Micro Bogumil zusammen mit seinem neuen Kompagnon Olli das Berliner BiNuu zerlegen…und wie es sich für ein zünftiges Punkrock Konzert gehört, wurde vor der Eingangstür erstmal kräftig „geasselt“ und diverse Pils vernichtet. Sehr schön war die Tatsache, dass mit Robse Dahn (Equilibrium) ein ebensolch großer Tauben Fan den Weg nach Kreuzberg fand, um beim Genuss diverser gerstenhaltiger Kaltgetränke dem Geist der Achtziger zu frönen. Witzig war, dass Robse erst von einigen Fans erkannt wurde, diese Situation souverän meisterte, um dann später am Merchstand etwas schüchtern Punk Legende Micro ansprach, um ein Foto bat und danach beseelt in die Runde grinste. Legendär!

Vor dem Auftritt schnappte ich mir den sichtlich in die Jahre gekommenen Micro und quetschte ihn noch ein bisschen aus, denn wenn man die Chance hat eine seiner „Jugendlieben“ zu befragen, darf man das natürlich nicht ungenutzt lassen.
Micro…28 Jahre nach „Das kriegen wir schon hin“ sitzen wir zusammen. Was ist das nach solch einer langen Zeit für ein Gefühl, wieder da zu sein?

Wahnsinn! Ein unglaubliches Gefühl. Es ist einfach schön, noch einmal eine komplette Tour zu erleben, dass hätte ich mir nicht mehr träumen lassen. Ich mach das ja auch nicht, um hier kurz mein Alter-Ego zu pflegen, sondern auch um zu gucken, wie die Tauben noch ankommen.

Kommt also nach der Tour noch mehr?

Ja, da kommt noch mehr, definitiv! Es macht einfach Spaß und es funktioniert auch…

Olli: Nein, es macht keinen Spaß und funktionieren tut’s auch nicht (Gelächter)

Das sieht Olli jetzt so…aber wir dürfen ja auch unterschiedliche Meinungen haben. Ich find’s geil…

1992 mit „Krieg und Spiele“ das letzte, zum damaligen Zeitpunkt recht untypische Tauben Album, danach die Kompilations „Wer hat an der Uhr gedreht…“ und „…ist es wirklich schon so spät“. Danach gab es Gerüchte um ein neues Tauben Album, welches zwar fertig war, aber nie veröffentlicht wurde…

Das möchte ich hier und jetzt sofort dementieren! Wir hatten zwar Aufnahmen gemacht, doch das war keine ganze Platte und auch noch gar kein Gesang mit bei. Die Mucke hat mir supergut gefallen, doch ich hätte das niemals unter dem Namen Brieftauben verwendet oder gar veröffentlicht. Das wäre komplett nach hinten losgegangen…aber nun bin ich bereit, wieder eine neue Tauben Platte zu machen.

Olli: Wir haben auch schon ein paar neue Songs gemacht, die bei privaten Sessions durchaus gut angekommen sind. Die sind so im Style von „Das Grauen kehrt zurück“…nur besser (lacht)

Das ist ja immer subjektiv. Aber wir sammeln weiter, schreiben und wenn genug zusammen ist, wird es definitiv auch was Neues geben. Es macht einfach Spaß…

Olli: Das Cover jedenfalls steht schon (großes Gelächter)

Als Konrad Kittner 2006 verstarb…gab es da überhaupt einen einzigen Gedanken daran, die Tauben irgendwann mal zu reformieren?

Überhaupt gar nicht, Null! Die Tauben waren ja zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht mehr existent, obwohl wir 2002 in den Hamburger Docks noch ein Konzert zusammen gespielt hatten. Die Frage danach stand natürlich im Raum, eventuell weiterzumachen, doch das habe ich sofort verneint. Das hatte mehrere Gründe, auf die ich jetzt hier aber nicht im Einzelnen eingehen möchte. Die jetzige Rückkehr war eine Initialzündung, nachdem ich mit Olli zusammen ein paar Aufnahmen gemacht habe und er dann meinte: Lass uns mal ein paar Tauben Songs zocken. Und es passte!

Olli: Wir haben uns auch null Gedanken über nen Label oder so gemacht, sondern einfach drauf los gezockt.

Ich habe schon vorher mit unserem alten Management und Konrads Witwe gesprochen und als das soweit klar war, haben wir uns daran gesetzt. Die Tour ist ja quasi der Anfang und wir merken einfach, wie es sich immer mehr zusammensetzt und wir weitermachen wollen.

In der Setlist steht natürlich auch „Konrad K.“. Wie emotional ist es für Dich, diesen Song jeden Abend zu spielen?

Sehr emotional, es ist aber ein tolles Gefühl, denn die Leute spenden immer wieder Sonderapplaus, weil wir gerade diesen Song spielen. Der Songs selbst macht ja auch ne Menge Spaß und ihm hätte es auch gefallen. Es ist ganz klar zu seinen Ehren. Dennoch sind die Tauben anno 2014 Olli und ich…er ist also kein bezahlter Drummer, den ich einfach so mit auf Tour nehme. Er ist ein vollwertiges Mitglied!

Nochmal zurück in die Vergangenheit. Zum Ende hin warst Du ja mehr als populär: Die Bravo hat permanent über Euch berichtet, dann „kein Pardon“ mit Happe Kerkeling und dem Song „Paderborn“. Mir kam das immer so vor, als ob diese spontan aufkommende Popularität eher Klotz am Bein als wirklicher Erfolg war…

Richtig und genau deshalb habe ich die Tauben ja dann auch aufgelöst, da ich mich in diesem gesamten Kontext auch nicht mehr wohlgefühlt habe. Es wurde mir alles zu allgemeingültig und hatte mit dem anfänglichen Spirit nichts mehr zu tun…

Olli: Und wenn der Rockolymp erreicht ist…was soll man da auch groß anderes machen, als sich aufzulösen (Gelächter) Die Onkelz haben sich ja auch aufgelöst…

Ähhh…sorry, aber wir wollen doch wohl nicht wirklich über die reden…

Niemals! Ich hasse die und das sage ich auch in aller Deutlichkeit und öffentlich, da habe ich kein Problem mit. Die sind scheiße und werden immer scheiße bleiben.

Ihr habt ja vor der Tour einige ausgesuchte Punk Festivals gespielt. Dazu wurdet Ihr von Kollegen wie Betontod auf gröbste abgefeiert. War das so eine Initialzündung, doch wieder durchzustarten? Ich meine, das Publikum ist ja mittlerweile auch schon 40+…

…und die sind immer noch jünger als ich (Gelächter). Das macht mir gar nichts…aber um auf Deine Frage zu antworten: Es war und ist einfach ein schönes Gefühl, diese Bestätigung zu bekommen oder bekommen zu haben. Es gab uns einfach nicht, wir waren nirgends präsent und auf einmal so eine Resonanz…Geil! Das gab mir auch das Gefühl, wirklich was Bleibendes gemacht zu haben und nicht nur eine Eintagsfliege gewesen zu sein. Ganz wichtig war auch, dass die Leute nicht aus den Konzerten gehen und sagen „früher waren die gut, aber heute spulen sie nur ein Best of ab…“, das war nie meine Intension. Sie sollen merken, dass wir wieder voll mit Spaß bei der Sache sind.

Dein Enthusiasmus ist ansteckend. Doch warum keine Songs von „Krieg und Spiele“?

Das liegt ganz einfach daran, dass ich die Tauben da haben möchte, wo sie ursprünglich hergekommen sind. Diese Entwicklung will ich weiterführen. Es ist und bleibt spannend und wir werden es weiter vorantreiben. Und wenn Du mein Glänzen im Auge siehst…das ist Fieber (Gelächter)

Olli: Wir waren uns ja anfangs darüber gar nicht klar, dass wir 20 Konzerte in einem Monat spielen würden und von daher sieht man schon die Entwicklung. Es ist krass, denn im Februar waren wir mal für 4 Konzerte unterwegs und waren danach total geschlaucht (lacht).

Ich haue mal ab und kümmer mich wieder ums Merch. Fertig!

Dann mal an Dich Olli. Du kommst ja eigentlich musikalisch aus einer ganz anderen Ecke und hast mal gerappt…

Nee, ich komme nicht aus einer anderen Ecke. Ich komme aus dem Punkrock, habe zwar zwischendurch mal gerappt, war aber immer Tauben, Ärzte, Goldene Zitronen und Hosen Fan. In der 7.Klasse hat mir mal nen Typ die Tauben in die Hand gedrückt und von da an war ich Fan…

Und jetzt mit Micro zusammen in der Band…

…was am Anfang etwas surreal war. Es ist verrückt, aber total spaßig! Ein kleiner Traum, der da wahr wurde. Und ich lerne jetzt die ganzen Leute kennen, die ich damals gehört habe. Ein sehr angenehmer Nebeneffekt.

Nach diesem sehr netten, doch leider viel zu kurzen Plausch ging es dann auch schon los und der Opener Grillmaster Flash betrat die Bühne…alleine! Sprich nur mit seiner Klampfe ausgestattet schmetterte der Bremer Barde seine Weisen ins Publikum, die nach einem kurzen Zögern und einer klein wenig einsetzenden Verwunderung doch gut mitgingen und dem Blondschopf guten Applaus spendierten. Meins war das jetzt nicht unbedingt, doch Lob und Anerkennung für die Eier, sich vor einem Punk Publikum komplett solo zu präsentieren, was man wohl am ehesten mit einem Vegetarier auf einem texanischen Barbecue vergleichen kann.

Ebenfalls aus Bremen stammen Die Ellys, die danach ebenfalls versuchten, die Stimmung anzuheizen, damit aber leider nicht ganz so großen Erfolg hatten. Das Publikum reagierte recht lethargisch und kam mit dem zuweilen recht schräg dargebotenen Punkrock des Vierers nicht klar. Auch unsere kleine Reisegruppe zog es dann nach 3 Liedern vor, in der Lounge ein weiteres (von vielen) Bieren zu vertilgen und dummes Zeug zu labern.

Nun ging es aber rund, denn nach einer gefühlten Ewigkeit sollten die Mimmis endlich wieder die Hauptstadt zerstören, was sie von den ersten Takten an auch taten! Gesehen habe ich die ebenfalls aus Bremen stammenden Punk Ikonen irgendwann Mitte der Achtziger (wenn ich mich recht entsinne im alten Tempodrom) und von daher war ich mehr als gespannt, ob die Truppe um Herr Schwers an alte Schandtaten anknüpfen konnten…und ja, sie konnten! Von den ersten Takten an hatte der Punk Express das nun mächtig gut gefüllte BiNuu voll im Würgegriff und das Volk tanzte und sang zu Kultklassikern wie „Dosenbier“, den heute noch aktuelleren Songs wie „Du bist Deutschland“ oder „Gebt den Faschisten keine neue Chance“, „Wie kann die Polizei“ und „Ich mach jetzt Punk“ lauthals mit. Das war schweißtreibend und einfach nur obergeil und als die Truppe dann die Bühne verließ, sah man überall nur zufriedene Gesichter und konnte Wortfetzen wie „megageil“, „Krass“ oder „Immer wieder gerne“ vernehmen. Unsere Truppe war jedenfalls restlos begeistert.

Doch nun sollte es ernst werden, denn nach 1992 gab es endlich wieder Taubenkost auf das Horchorgan und das Publikum tickte nun komplett aus. Jeder Song wurde aus den biergeschwängerten Kehlen mitgebrüllt, wobei sich gerade unser Webmaster Carsten textsicher und überschwänglich hervortat und mit einer unvergleichlichen Mimik jede Textzeile eloquent herauspresste. Auf einzelne Songs einzugehen macht bei Olli und Micro keinen Sinn, denn jedes Stück ist ein Klassiker für sich, was von den in die Jahre gekommenen Fans mehr als einmal euphorisch honoriert wurde. Der Sound war auch super (bei zwei Instrumenten eigentlich auch kein Wunder) und somit wurde dieser Gig mehr als legendär! Das war ein Trip zurück in die Vergangenheit und nährte die Hoffnung auf ein baldiges neues Album der Abstürzenden Brieftauben, denn Deutschland braucht die Tauben einfach. Punkt!

Setlist:
Der Letzte macht die Tür zu
Stefan
Was ich nicht mag
Kobold
Siegesmund
Konrad K.
Love song
This old man
Heute doof und morgen doof
Faxen
Ede vom Hinterhof
Hör auf
Räubermärchen
Autofahr’n
Das Grauen kehrt zurück
Du brauchst es
Vorbei
Scheißegal

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