Wir wollen doch, dass man sich intensiv mit uns beschäftigt!

Was gibt es Passenderes, als in dieser immer dunkler werdenden Jahreszeit einer Band zu verfallen, die sich bereits mit Wunderalben wie „Galeere“ oder „Patina“ national und international einen Namen gemacht hat. Doch was nutzt der gemachte Name, wenn man diesen urplötzlich Hals über Kopf ändern muss, um nicht in den Gerichtsmühlen zermalen zu werden? In diesem Falle hat das namentliche Hickhack keinerlei Einfluss auf die musikalische Genialität der Bielefelder EÏS (ehemals GEÏST), die heuer mit „Wetterkreuz“ neben Maladie das wohl innovativste und aufwühlendste Black Metal Album des laufenden Jahres veröffentlicht haben. Grabeskälte, rasende und pfeilschnelle Songs, irrwitzige Arrangements und tolle Texte machen EÏS schon jetzt legendär. Das mit vielen Zitaten gespickte Album hatte nicht ohne Grund von mir dafür die Höchstnote kassiert und die Gelegenheit mit Bandchef Alboin zu sprechen, konnte ich mir daher nicht entgehen lassen.

Meine Fresse, warum musstet Ihr unbedingt in Euren Bandnamen das „I“ mit zwei Punkten versehen? Das in Word einzugeben ist immer ne Heidenarbeit…

Wir wollen doch, dass man sich intensiv mit uns beschäftigt!

Auch wenn Du die Frage mit Sicherheit schon nicht mehr hören kannst, aber warum habt Ihr nach „Galeere“ Euren Namen von Geist in EÏS geändert oder ändern müssen? Lag das etwa an dieser komischen Prog Rock Band aus Köln? Was ist da passiert?

Passiert ist, dass uns die Band schon nach „Patina“ anschrieb und wollte, dass wir unseren Namen GEIST ändern, den sie selbst nachweislich schon länger trugen. Das haben wir gemacht – indem wir das i durch ein Iota mit einem Trema, also das in den Wahnsinn treibende Ϊ, ersetzt haben, womit wir formell einen anderen Namen trugen. Damit war die Sache auch abgehakt, bis zu dem Zeitpunkt, als „Galeere“ erschien und wir auf einmal auch in Ladenvertrieben oder bei Amazon verkauft wurden – da erschienen immer unsere und deren Alben gemeinsam, wenn man nach „Geist“ suchte. Tragischerweise hatten wir auch ein paar mehr Myspacebesucher zu dieser Zeit, was offenbar in Kombination derart an den Egos der Kölner Jungs gekratzt hat, dass sie von uns nochmals eine Namensänderung verlangten. Diesmal drohten sie aber gleich mit einem Markenrechtsanwalt und einer Klage inklusive Schadensersatz, weil sie sich allen Ernstes die Verwendung des Wortes „Geist“ im Musikgeschäftsbereich gesichert hatten. Was soll man dazu sagen. Wir haben unseren Namen geändert und das gesparte Geld in Musik, nämlich die Wiederveröffentlichung unserer ersten beiden Alben, gesteckt. Wir wollen dem weltweiten kommerziellen Erfolg der Boys doch nicht im Weg stehen.

Meine Freundin, die eigentlich dem Black Metal mehr als ablehnend gegenübersteht, hat nach dem Genuss Eurer neuen Scheibe gemeint, dass „Wetterkreuz“ ein richtig gutes Album sei. Wie stehst Du einem solchem Ausspruch aus berufenden Munde gegenüber?

Uns freuen solche Komplimente noch ein Stück mehr als die von Hörern, die sich im Black Metal ohnehin schon gut auskennen und an seine Ausdrucksform gewöhnt sind. Zum einen, weil wir offenbar mit der Stimmung unserer Musik nicht so eindimensional fahren, dass wir damit nur Black Metal-Fans begeistern würden. Zum anderen auch rein musikalisch, denn von der Platte einer Band, deren Stil man sonst nicht mag, zu sagen, es sei ein „richtig gutes Album“ zeigt, dass die Scheibe objektiv eine musikalische Qualität hat. Dabei ist es uns eigentlich gleich, ob wir Lob aus berufenem oder laienhaftem Mund bekommen. Machen wir uns nichts vor, Lob ist immer nett zu hören. 
Definierst Du die Musik von EÏS eigentlich als Black Metal? Die Trademarks sind zwar vorhanden, doch irgendwie seid Ihr mir einfach viel zu innovativ und vielschichtig, um als bloße Schwarzwurzler abgestempelt zu werden…

Doch, natürlich ist das Black Metal. Es gibt ja auch Black Metal und Black Metal – das ist ungefähr tausend Jahre nach Venoms Platte mittlerweile so vielschichtig zu sehen, dass wir dieser Stilbezeichnung absolut entsprechen, denke ich. Letztlich, wie Du sagst, sind alle Trademarks da, und ehrlich gesagt finde ich „Wetterkreuz“ auch deutlich weniger innovativ als viele andere Black Metal-Bands. Aber das ist ja auch gar nicht unser Anspruch.

Von „Galeere“ zu „Wetterkreuz“. Drei Jahre, in denen eine Menge passiert ist. Umbesetzungen bis hin zu der Tatsache, dass mit Marlek und Dir nur noch zwei Mitglieder an Bord sind, die Umbenennung…Spiegelt das neue Album zum Teil auch Deine eigenen persönlichen Empfindungen wider?

Nicht nur zum Teil, eigentlich basiert meine ganze Musik auf meinen persönlichen Empfindungen. Auf „Wetterkreuz“ spielen sicherlich auch die letzten drei Jahre der Band eine Rolle, viel mehr noch aber private Erlebnisse, die mich sehr beeinflusst haben.

Welches Konzept steckt hinter „Wetterkreuz“?

Es gibt kein Konzept im engeren Sinne. Das Album arbeitet und spielt mit Bildern, Stimmungen und Wortfeldern aus dem Bereich von Bergen, Schluchten, Felsen, Menschenferne, Stürmen, Kargheit, Stein oder schneebedeckten, weiten Flächen. Das haben alle Songs gemein, aber es gibt keine Handlung oder ähnliches, die das Album erzählt. Jeder Song für sich ist metaphorisch zu sehen in seiner Aussage, und wenn man das für alle fünf Stücke schafft, kann man das Album auch besser als Ganzes sehen.

Wie seid Ihr auf die Zitate von Klaus Kinski gekommen, der auf „Mann aus Stein“ und „Bei den Sternen“ zu Ehren kommt? Die Passagen stammen ja aus einer Lesung des „Steinmanns“ von August Strindberg, der ja nun nicht allzu Vielen bekannt sein dürfte.
Schon auf „Kainsmal“ haben wir mit Ausschnitten aus Kinski-Lesungen gearbeitet. Ich hatte das Gefühl, dass die Stimmung auf „Wetterkreuz“ eine ähnliche werden würde, deswegen habe ich nach passenden Samples gesucht, um die Stimmung bestimmter Passagen zu steigern. Für „Mann aus Stein“ haben der Strindberg-Text und der Songtext sich sogar gegenseitig beeinflusst, sind also sehr eng miteinander verwoben. In „Bei den Sternen“ liest Kinski das Gedicht „Niedergang“ von Nietzsche, das ich als eine Mischung als Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und trotziger Eingebildetheit empfinde, und das alleine wegen seiner unglaublichen Wortwahl fantastisch zu dem Song passt. Bei der Auswahl solcher Samples achte ich ehrlich gesagt nicht darauf, ob die Literaturzitate viele Menschen kennen, sondern ob sie atmosphärisch und inhaltlich passen. Vielleicht hat das ja sogar den angenehmen Nebeneffekt, dass der ein oder andere sich mit den literarischen Originalen beschäftigen möchte.

Wie schafft Ihr es immer wieder, diese abnorme Kälte in Eure Songs zu bringen? Schon bei „Einen Winter auf See“ konnte man fast die Nässe fühlen, doch bei Eurem Titeltrack sieht man sogar das von Euch beschriebene Granit deutlich vor Augen.

Ich glaube fest daran, dass es der Ausdrucksstärke von Musik zuträglich ist, wenn sie von einem einzigen Musiker mit einer klaren Vision komponiert und mit einem Text bedacht wird. Jegliche Versuche, meine Ideen mit denen anderer Bandmitglieder zu kombinieren, resultierten für mich immer in etwas, das ich zwar als objektiv gut, aber verwässert empfunden habe. Da bin ich wirklich Diktator. Um es ein bisschen nüchtern zu betrachten, entstehen Bilder und wirkliche Gefühle beim Erleben von Musik aus der Kombination aus feinfühlig komponierter und leidenschaftlicher gespielter Musik, dem passenden Wort an der passenden Stelle, aus spannenden Details und Effekten (wie hier Sturm) sowie, ganz wichtig, der dafür idealen Produktion und einem optischen entsprechenden Artwork. Dann wird das Ganze zu mehr als der Kombination der Einzelteile. Im Grunde muss jedes Detail sorgfältig beobachtet, reflektiert und immer wieder daraufhin untersucht werden, ob es dem großen Ganzen des Stückes oder Albums dienlich ist. Deshalb habe ich beispielsweise auch noch niemals ein für mich nur durchschnittliches Riff verwendet, weil das mein Empfinden eines kompakten Albums zerstören würde.

Wie kann man sich den Entstehungsprozess eines Songs wie „Mann aus Stein“ vorstellen? Diese in Massen vorhandene Kreativität kommt doch nicht einfach zu geflogen, oder?

Im Fall von „Mann aus Stein“, und das ist eine einmalige Ausnahme, stammt die Idee zum ersten Riff von Nostarion von Dämmerfarben, mit dem ich damals einige Male zusammen Gitarre gespielt habe – darauf habe ich den Song aufgebaut. Wie alles weitere entsteht, kann ich wirklich nicht genau sagen. Eigentlich möchte ich das auch gar nicht, weil die Entstehung von Musik für mich ein unbewusster, emotionaler Prozess bleiben soll, den ich nicht zerpflücken will. Natürlich ist da Ausarbeiten und Aufnehmen von Musik auch harte Arbeit und kann manchmal sehr frustrierend sein, wenn sich Stücke wehren, so zu klingen, wie man sie sich wünscht. Aber im Grunde ist es doch so... Kreativität fliegt einem zu, man kann sie nicht erzwingen. Sie ist wie eine scheue Katze. Je mehr man sie anzulocken versucht, desto mehr verkriecht sie sich. Wenn sie da ist, versuche ich sie festzuhalten und ein Stück so weit wie möglich vollständig als Demo aufzunehmen.

Wer kam denn auf die Idee, von Sun of the sleepless ”Thou whose face hath felt the winter’s wind“ zu covern? Das waren ja damals die ersten Gehversuche von Ulf Schwadorf, der ja mittlerweile mit The vision bleak und Ewigheim ziemlich bekannt ist.

Diesen Song liebe ich schon sehr lange, seit der Veröffentlichung der SotS-Mini-CD damals. Wir hatten noch ein wenig Zeit im Studio und haben das Stück fast spontan gecovert, ich hatte dafür nicht viel vorbereitet. Das war der perfekte Moment, weil der Song stilistisch fast zu 100% zu „Wetterkreuz“ passt. Im Grunde ist er sogar der Grund, wieso ich immer Alben im Studio E aufnehmen wollte, weil ich diesen rohen Sound des Originals so fantastisch finde. Übrigens, wenn Du die Korrektur erlaubst: Ulf Theodor Schwadorf ist zunächst mitEmpyrium bekannt geworden, und bei Ewigheim spielt er erst seit letztem Jahr fest mit.
Hat sich Ulf denn zu Eurer Version schon geäußert?

Ja, und zudem ist Ulf Theodor Schwadorf das Pseudonym von Markus Stock, dem Besitzer des Studio E, in dem wir das Album produziert haben. Er hat sogar selbst Bass gespielt in der Coverversion, es blieb ihm also wenig anderes übrig, als sich zu äußern, hehe. Allerdings hat er verständlicherweise nicht die geniale Komposition gelobt, sich aber sehr angetan von unserer Version gezeigt, ja. Wir haben auch versucht, das Lied mit viel Respekt vor dem Original behutsam an unseren Stil anzugleichen, und das scheint auch einigermaßen gelungen zu sein.

Warum eigentlich die Remixe? Meint Ihr, Eure Hörerschaft ist bereit für solche Experimente? Allerdings muss ich zugeben, dass sich diese gut dazu eignen, Eure Texte noch ein wenig besser nachvollziehen zu können.

Ich denke schon, dass sehr viele Hörer viel aufgeschlossener sind, als man annehmen möchte. Und wer experimentellen Versionen von Black Metal-Songs gegenüber nicht offen ist und damit gar nichts anfangen kann, kann diese Versionen ja wunderbar ignorieren. Eine Rückmeldung wie Deine, dass man dadurch eine andere Perspektive auf die Texte bekommt, zeigt doch aber auch schon, dass sich das Projekt gelohnt hat. Das war auch die Idee, zu zeigen, dass man die Kerne der Stücke auch anders ausbauen kann als so, wie wir das gemacht haben.

Sind Euch eigentlich all die salbungsvollen Worte zu Eurem Album lästig oder freut man sich wirklich noch darüber? Ich kenne Bands, gerade auf dem auch von Euch bedienten Sektor, denen das völlig und komplett am Arsch vorbei geht.

Ganz ehrlich möchte ich bezweifeln, dass das wirklich so ist. In jedem Musiker steckt auch ein kleiner Narzisst, und es gibt meiner Meinung nach auch keinen Menschen, der sich nicht über Lob für seine Leistung freut. Aber gut, natürlich ist das unheimlich unböse, so etwas wie Freude aus den niederen geistigen Auswürfen von unwürdigem menschlichen Pack zu ziehen, das ist ja klar. Wir geben deshalb gerne zu, dass wir uns über diese salbungsvollen Wort freuen – auch wenn wir die Musik nicht dafür machen.

Siehst Du EÏS eigentlich als vollwertige Band oder doch mehr als Projekt? Ist denn in diesem Zusammenhang überhaupt mal an eine flächendeckende Tour zu denken?

Selbstverständlich sind wir eine vollwertige Band, auch wenn ich den kompositorischen Teil alleine übernehme. Unsere Mitglieder setzen sich sehr für die Band ein und investieren sehr viel Zeit und Energie, damit wir das leisten können, was wir leisten. Dafür bin ich jedem Einzelnen sehr sehr dankbar, weil sie ja letztlich auch dabei helfen, meine Vision umzusetzen – vor allem Marlek, mit dem ich seit über zehn Jahren Musik mache. Außerdem wäre ein Projekt etwas, das sich nach dem Abschluss dieses Projektes auflöst, und das passt nicht zu uns.

Beim „Geisterasche III“ wolltet Ihr ja das komplette Album live performen, was dann allerdings nicht funktionierte. Was ist da vorgefallen? Und wäre nicht die zehnte Ausgabe des Ragnarök, auf dem ihr ja gerade bestätigt wurde, nicht ein würdiger Rahmen, dieses dort noch mal zu probieren?

Was auf dem „Geisterasche III“ passiert ist, war eine sehr unangenehme Geschichte, gerade für unsterbliche Eisdämonen... aber nun ja. Unser Drummer Marlek hat schon auf der Fahrt nach Kaiserslautern festgestellt, dass es ihm nicht sehr gut ging. Im Verlauf des Abends vor dem Auftritt wurde das immer schlimmer, er hat hohes Fieber und Schüttelfrostanfälle bekommen, dazu Übelkeit und Kopfschmerzen – typische Grippesymptome also, und war so schwach und bleich, dass wir zusammen mit dem Veranstalter überlegt haben, das Konzert abzusagen, weil wirklich seine Gesundheit auf dem Spiel stand. Mithilfe von Tee, Tabletten und so viel Ruhe, wie man eben im Backstageraum eines Black Metal-Konzertes bekommen kann, waren wir dann kurz vor dem Auftritt soweit, dass wir entschieden, zuerst das „Wetterkreuz“ -Album zu spielen und höchstens später noch ältere Stücke. Marleks Zustand war aber so, dass wir fürchten mussten, dass er auch nach drei Minuten hinterm Schlagzeug hätte zusammenbrechen können. Wir mussten dann „Am Abgrund“, ein sehr schnelles und körperlich anstrengendes Stück, auslassen und konnten leider nur die Hälfte der Spielzeit spielen, die geplant war. Das tut uns für die Gäste und den Veranstalter auch sehr leid, aber wir haben unser Bestes getan und sind froh, dass Marlek sich wenigstens durch fünf Stücke gekämpft hat, was ihm auch sehr hoch anzurechnen ist, finde ich. Vielleicht wäre das Ragnarök eine Möglichkeit, ja. Mal schauen, ob sich das noch einmal ergibt, das hängt ja nicht nur von uns ab.

Ich hoffe, Dir jetzt nicht allzu große Löcher in den Bauch gefragt zu haben und auch was für Dich Interessantes dabei war. Die letzten Worte sollen Dir gehören…

Danke Dir für die netten Fragen und die Unterstützung! Besucht uns auf unserer Homepage www.the-eis-reich.de, wo Ihr sowohl einen Link zu einem legalen kompletten Stream des Albums, als auch eine Bestellmöglichkeit für unsere Veröffentlichungen findet. Aber warm anziehen!

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