DEAD DAYS

Tag 1 - REVEL IN FLESH | INCARCERATION | WOUND | WARFORGER

16. & 17.03.2018 – Jena @ Kulturbahnhof



Es ist wirklich ein seltenes Phänomen, das sich bei einem solch todesmetallischen Stelldichein die Dichte an großartigen und unbedingt sehenswerten Bands in solch einer utopischen Höhe befindet. So geschehen am vergangenen Wochenende im Jenaer Kulturbahnhof, in dem die Lokalmatadore von Rogash zum letzten Konzert einluden und sich gleichzeitig mit geschätzten Kollegen umgaben, die dieses unter dem Banner DEAD DAYS fungierende Massaker zu einem echten Erlebnis machen würden. Ergo stand für mich relativ früh fest: Da muss ich hin und da mein geliebtes Weib ebenso dem Todesblei frönt, sollten dies zwei unvergessliche Tage werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens…den Rest kennt Ihr. Kind krank, Family first, also musste ich alleine in einer schicken Romantik Pension zwischen tuffigen Vorhängen und pinker Bettwäsche einige Kommentare über mich ergehen lassen.

Nach einer belanglosen Anreise, bei der lediglich die plötzlich aufgetauchten Schneemassen das Fahrvergnügen ein wenig unterminierten, bezog ich also meine Pension, glühte ein wenig vor und machte mich mit dem Bus auf eine 15minütige Anreise zur Location, die sich als alter Bahnhof in grauem Ost-Retro-Look entpuppte. Der Club an sich war allerdings mehr als gemütlich, nicht zu groß, nicht zu klein, mit tollen und fairen Getränkepreisen ausgestattet und am ersten Tag mit 150, am zweiten mit 250 Nasen mehr als ordentlich gefüllt, was Rogash Fronter Erik als Veranstalter, im Vorfeld mit einigen Zweifeln behaftet, ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Die ersten Bekannten begrüßt, das erste Merch abgegriffen, die ersten Mischen verhaftet…so vorbereitet ging es dann fast pünktlich los. „Fast“ nur aufgrund der Tatsache, dass fast zeitgleich Incarceration und Wound mit Bildern ihrer verreckten Busse dem Veranstalter den Angstschweiß in die Achselhöhlen pumpte. Doch lediglich mit einer geringen Verspätung trafen die Bands dann ein und einem legendären ersten Tag stand nichts mehr im Wege.
Im Gegensatz zu all ihren anderen an diesem Abend beteiligten Protagonisten spielen Warforger Thrash Metal, allerdings solchen, den ich in den frühen Achtzigern von Bands wie Exciter und vor allen Razor geschätzt und geliebt habe und der in Sachen Brutalität den noch folgenden Kollegen in Nichts nachstand. Der Sound war für die beengten Verhältnisse mehr als ordentlich, die Riffmaschine erfüllte ihre Sollvorgabe und Frontröhre Mitsh ging gut steil, verpasste keine Gelegenheit, den „Pöbel“ zum Mitmachen zu animieren und zu bitten, doch etwas näher an die Bühne heranzutreten, dem leider nicht jeder nachkam. Mir wurde im Vorfeld schon berichtet, dass das Jenaer Publikum nicht unbedingt zu den enthusiastischsten Deutschlands gehört, dass hier jedoch zuweilen die in der bundesdeutschen Hautstadt an den Tag gelegte Lethargie noch überboten wurde, überraschte mich doch sehr. Mir war es letztendlich vollkommen Banane, denn mir machte der Gig des Leipziger Abrisskommandos mehr als Spaß, was mit dem Kauf eines für meine Lederkutte bestimmten Patches gebührend honoriert wurde.

Mein erstes Highlight sollte nun direkt im Anschluss folgen, denn Wound gehören für mich zu einer der besten und innovativsten Oldschool Death Metal Bands republikweit und konnten dies mit einem unfassbar energetischen Gig eindrucksvoll untermauern. Obwohl erst mit Verspätung eingetrudelt, machte das Quintett keine Gefangenen, ballerte aus allen Rohren und spielte sich sprichwörtlich die Seele aus dem Leib. Ein Umstand machte diesen großartigen Gig zu einem echten Erlebnis für mich: Finde ich auf Album den vermoderten Sound der Jungs mehr als originell, so klingen Wound auf der Bühne noch um ein Vielfaches härter, tatsächlich besser und in absolut keiner Weise schlechter, als viele andere, mit Hunderttausend Dollar Verträgen ausgestatteten Bands, die nicht einmal ansatzweise das Potential der Deather aus der Hessischen Landeshauptstadt ihr Eigen nennen. Zu meinem großen Glück vermachte mir die Band nach diesem herausragenden Auftritt sogar noch den vorletzten Pin aus ihrer Kollektion, der sich vortrefflich neben meiner Goatwhore Anstecknadel seine letzte Ruhestätte suchte und den Schmerz über einen mir zu sehr an Borussia Doofmund erinnernden Patch mehr als linderte. Vielleicht lag meine Begeisterung auch an dem Umstand, dass Wound eine der Hauptgründe für mein Erscheinen in Jena waren und die Ankündigung, dass dies das letzte Konzert im laufenden Kalenderjahr sein würde, bei mir schon ein klein wenig Torschlusspanik verursachte. Umso mehr feierte ich die Truppe ab und war restlos begeistert.
Zwischendurch traf man in der Vorhalle einige alte und neue Bekannte und vermochte ein paar Gesichter nicht mehr ganz zuzuordnen, was allerdings darin gipfelte, dass ich sehr angeregt mit einem Menschen plauderte, der sich als Schlagzeuger seine Sporen im Doom Bereich verdient und ich dazu meinte, dass ich mit dem Ahab Schlagzeuger Cornelius Althammer schon seit geraumer Zeit bei Fratzenbuch eine angeregte Freundschaft unterhalte, diesen aber noch nie persönlich getroffen hatte. Daraufhin meinte mein Gegenüber lediglich: „Ich weiß, Olaf, und deswegen freue ich mich, Dich jetzt endlich mal persönlich kennenzulernen…“ Auweia…
Was nun folgte war der wohl diabolischste Abriss, den ich seit langer Zeit begutachten durfte. Das Höllen-Duo Incarceration spielte nun zum Tanztee auf und zeigte allen Anwesenden auf eindrucksvolle Art und Weise, dass man für einen solch akustischen Abriss nicht mehr als 2 Leute benötigt. Ich bin eh schon seit langem Fan von der Brasilianisch/Hanseatischen Kollaboration, doch live war das heute für mich die Premiere…und was für eine! Daniel da Silva ging sowas von steil, dass er bereits beim 2.Song seine Transpiration in die ersten Reihen ergoss, die allerdings so in völliger Ekstase von dieser etwas despektierlichen Dusche kam etwas mitbekamen. Michael Koch verdrosch brutalst seine Felle und bildete den Teppich, auf dem der Brasilianer am Bühnenrand seine unfassbare Performance abzog. Das war aber sowas von großartig, dass ich nicht umhin konnte, mir einen fetten Backpatch zuzulegen, um meine Verehrung für diese Killer-Combo anzupreisen. Oberaffentittelgeil!

Das bei meiner Kamera, konträr zu meiner körperlichen Gesamtverfassung, dann kurz vor dem Gig von Revel in Flesh die Lampen ausgingen, wird in Fachkreisen gerne als „Karma“ bezeichnet, hielt mich aber dennoch nicht davon ab, bei den Schwaben in der ersten Reihe mächtig abzuzappeln. Ralf hatte sich scheinbar sogar extra für diesen Auftritt neues Schuhwerk zugelegt, mit dem er parallel zum ultrafetten Geriffe seiner Compadres brüllend und keifend über die Bühne stapfte. Wenn es vorher noch nicht klar gewesen ist, so sollte jedem der vollkommen durchdrehenden Anwesenden nun eines zur Gewissheit reichen: Revel in flesh gehören zur absoluten Speerspitze in Sachen teutonischen Todesblei, was sie hier ausgiebig und großartig zelebrierten. Das die Bande entgegen einiger Wetten zum Schluss noch das UFO Cover „Doctor, Doctor“ zum Besten gaben, machte einen grandiosen Auftritt perfekt und rundete den grandiosen ersten Tag der Dead Days ab. Freunde, das war Alles ganz großes Rasenschach!
Als ich dann mit den letzten Verbliebenden so gegen 3:15 Uhr so langsam aus dem Club komplementiert wurde stellte ich zitternd und frierend fest, dass es eher wahrscheinlich ist, einen Sechser im Lotto zu haben, als in Jena ein Taxi zu bekommen. Irgendwann allerdings schaffte ich es doch, einen fahrbaren Untersatz zu erhaschen, um endlich in mein warmes Bettchen zu schlüpfen und mich Morpheus Umarmung hinzugeben.


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