Der Trombach bebt ein weiteres Mal


Ach wie hatte uns der diesjährige Sommer doch in letzten Wochen verwöhnt. Selbst in Wacken hatten die Fans mehr mit Staub und Hitze als mit Regen und tiefen Schlammgruben zu kämpfen. Eine Festivalsaison in Deutschland also, die auch deshalb als Perfekt zu bezeichnen sein sollte. Nur, und das ist in der Tat sehr schade, die Wettervorhersagen für den Metalacker Ende August sollten ein anderes Bild zeigen. Temperaturen, die eher den Ausklang des Herbstes zum Übergang in den Winter einläuteten. Nasskalt und das einzige, was in dieser Hinsicht den Ausdruck „Staubtrocken“ verdiente, waren eher die Kehlen der zahlreichen Festivalbesucher. Aber dem wurde offensichtlich schnell Abhilfe geschaffen. Einen echten Metalhead tangieren solche Bedingungen sowieso nur peripher und jener lässt sich den Spaß dadurch nicht nehmen, so auch diese zwei Festivaltage über hinweg.

Tag 1 – Freitag, 24.08.2018

Mit ihrem neuen Album „Für Immer“ im Gepäck eröffneten UNHERZ aus Kaiserslautern zur besten Sendezeit - 18:00 Uhr - das Festival. Ehrlicher, authentischer und symphytischer Deutsch-Heavy-Rock, der den Trombach versöhnlich, dennoch aber sehr selbstbewusst in Wallung brachte. UNHERZ zeichnen sich mitunter durch ihre ehrlichen Texte und vor allem aber durch ihre selbstbewusste und nie aufgesetzte Buhnenpräsenz aus. Ein bemerkenswert guter Start für die kommenden zwei Tage also.

Ebenfalls mit ihrem neuen Studiomaterial „Hero“ ausgestattet, betraten TRI STATE CORNER dann die Bühne. Der Metalacker ist für sein breit angelegtes und abwechslungsreiches Lineup bekannt, nicht selten finden sich deshalb auch Bands im Set, denen man die Metal-Attitüde nicht lupenrein zusprechen würde. So auch bei TRI STATE CORNER. Dass das dem Festival indes durchaus guttat, bewiesen TRI STATE CORNER. Der Auftritt dieser international besetzten Band, die sich selbst als „Bouzouki Rock Band“ bezeichnen, überzeugte durch Spielfreude und mit eben diversen Einflüssen aus Rock, Blues und einem Hauch von Metal. Frontmann Vassilios "Lucky" Maniatopoulos hatte das Publikum dabei stets im Griff. Ein in jeder Hinsicht kurzweiliger und musikalisch hochqualitativer, professioneller Auftritt, Zudem mit interessanten instrumentellen Leckerbissen versehen.

Metallischer, deutlich druckvoller und mit jeder Menge Power ausgestattet, enterten die Schweden CIVIL WAR die Bretter, die die Welt bedeuten. CIVIL WAR sind in jeder Hinsicht Profis und auch die Menge sprang sofort auf die energiegeladene Bühnenshow mit auf. Deren Songs waren im weiten Rund zweifelsohne bekannt und so stimmten die Fans lautstark mit ein. Die Schweden verstanden es mit druckvollem Groove das Publikum für sich zu begeistern. Kelly Sundown, zwar nicht mehr ganz so neuer Sänger der Formation verlieh den durchweg ansprechenden Songs seine ganz spezielle Note. Der Auftritt von CIVIL WAR wärmte die Nackenmuskeln mit Sicherheit schon mal für den Headliner auf.

Keineswegs müde oder gar ausgepowert und den stetig weiter sinkenden Temperaturen trotzend, erwartete das Publikum dann den Headliner EQUILIBRIUM. Die aus Bayern stammende Pagan-Metal Formation ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen, hier ein rauschendes Fest miteinander zu feiern. Der besondere EQUILIBRIUM düstere Sound und die brachiale Gewalt im Songwriting übertrugen sich ein ums andere Mal auf die zwischenzeitlich tobende Menge, die lautstark in die deutschen Texte miteinstiegen. EQULIBRIUM rissen den Trombach mit samt einer Wall Of Death erwartungsgemäß nieder.

Die Kälte kroch langsam aber sicher die Gebeine hoch und so wurde dieser Festivaltag für den ein oder anderen sicher zur Herausforderung, ich selbstredend eingeschlossen. Nichts desto trotz oder gerade deshalb kamen ARISE FROM THE FALLEN zum richtigen Zeitpunkt. Deren versierter Metalcore ließ den Festivalbesuchern wenig Spielraum zum Stillstehen. Mit aller Macht und reichlich Druck begeisterten ARISE FROM THE FALLEN das Publikum. Die Mischung aus Growling und melodiösen Refrains wusste zu überzeugen. Ich bin mir jedoch sicher, dass nicht nur ich selbst danach den sicheren Hafen wohliger Wärme aufsuchen würde. Das Ausharren hat sich auch trotz der widrigen Wetterbedingungen und Temperaturen unter 10° allerdings vollkommen gelohnt.

Fazit des ersten Tages

Die Mischung der verschiedenen Bands und der unterschiedlichen Genre bot reichlich Abwechslung auf. Insofern dürften viele musikalische Bedürfnisse erfüllt worden sein. Das war den Gesichtern der vielen zufriedenen Festivalbesucher jedenfalls zu entnehmen.


Tag 2 – Samstag, 25.08.2018

Ab 09:00 Uhr begann der zwischenzeitlich vom Festival nicht mehr wegzudenkende Camper’s Frühschoppen auf dem Campingplatzgelände. Das „Edelweißecho Tennenbronn“ spielte auf und dabei wurden mit Sicherheit nicht nur Kaltgetränke verkauft.

Der zweite Festivaltag begann entgegen der Wettervorhersagen mit einigen sehr wohltuenden und wärmenden Sonnenstrahlen. Um 15:30 Uhr betraten ATLASPHERE aus Achern (Ortenau) die Bühne. Dem Post-Hardcore verschrieben gingen die Jungs sehr konsequent auf die Menge los. Einfach strukturierter, teilweise punkiger Hardcore mit reichlich Message. Die Jungs waren da in ihrem Element und die Identifikation und Spielfreude mit ihren Songs spürbar.

In der Umbaupause machte ich mich abermals auf den Weg hoch auf den Campingplatz, um meine Freunde am Wohnwagen aufzusuchen. Viel Zeit hatte ich da freilich nicht, und, auch der Campingplatz lebte. In vollen Zügen sozusagen (lach). Aus allen Rohren ertönte Musik und die Festivalbesucher hatten auch ganz ohne Live-Musik sichtlich ihre helle Freude. Auch schön, irgendwie, aber ich wollte CALL OF THE SIRENS sehen und so schoss ich wieder runter vor die Bühne. Ich war gespannt, ob die selbsternannt mächtige, unaufhaltsame, tendenziell aggressive, schöne, nette und übergewaltig brutale Band die PS auch auf die Straße brachten. Und ja, dass taten die Südpfälzer. Thrashiger Melodic-Death Metal aus vollen Rohren geschossen. Nun, ich war mir nicht immer ganz sicher, in wie weit diese in der Tat gewaltige Bühnenshow durchweg und immer mit ernstem Charakter versehen war, nur spielte das für mich über den Gig hinweg eine eher unwesentliche Rolle. Musikalisch waren die Jungs durchaus versiert und vollkommen tough unterwegs. Wie bereits erwähnt, von der Bühne runter sind die Jungs eine Macht. Die Choreografie, sofern diese einstudiert gewesen sein sollte, kam recht professionell rüber und lockte das Publikum vor die Bühne, inklusive Circle-Pit. Aus meiner Sicht dürfte CALL OF THE SIRENS deshalb gerne noch eine weitere Begrifflichkeit in ihre illustre Beschreibung mit aufnehmen – „ALARM“. Das können die Jungs. Klasse!

Symphonic Metal, „female fronted“ aus der Schweiz. Der Trombach hatte sich gerade so wieder beruhigt, traf mit DEEP SUN somit der krasse Gegensatz auf die Bühne. Nicht nur musikalisch, vor allem auch in Person von Debora Lavagnolo bekamen die Zuschauer eine im roten Kleid gewandete Sopranistin vor die Augen, die ohne Zweifel schon hierüber Aufmerksamkeit erzeugte. Ihre Stimme ragte im symphonisch-epischen Metal heraus. Keine leichte Kost, fordert diese Musik den Hörer doch ziemlich heraus. Das Chorale Moment mag dabei nicht unbedingt jedermanns Sache sein, dennoch erachte ich diese Art von Musik deshalb als bemerkenswert. Es gibt da ja auch zahlreiche Bands, die in die selbe Schiene gehen und stoßen dabei durchaus auf breite Zustimmung. DEPP SUN sorgte mit ihrem soliden Auftritt in jedem Falle für einen vielsagenden Kontrast, der abermals für das Festival an sich spricht.

Nun, der Tag Schritt voran und WINTERSTORM brachten zum Glück nicht den Winter auf den Trombach, aber die Kälte gesellte sich unnötigerweise zum Mob. Nichts desto trotz, WINTERSTORM ließen sich hiervon keineswegs beirren, den Gästen einzuheizen, war ja auch notwendig, in Anbetracht der Temperaturen. Spaß beiseite, die sympathischen Oberfranken beglückten den Metalacker mit feinstem nordischen Viking und Folk-Metal, der in dem nicht weniger groovenden Power-Metal voll aufging. Eines der herausragenden Momente waren sicher die Vocals, die in jeder Silbe von Melodie, Kraft und Ausdruck gekennzeichnet waren. Stilistisch vielleicht nicht unbedingt und immer Massentauglich, aber so ist Musik und so soll sie auch sein. Ich denke, die Individualität macht WINTERSTORM aus. Von dieser Kapelle dürfte man in Zukunft sicher immer wieder hören.

Nun war es dann auch Zeit für die Thüringer Formation EISREGEN. “Satan liebt Dich“, so der Titel der neuen EP. Deutscher Dark-Metal, der in der zwischenzeitlich einsetzenden Abenddämmerung seine Atmosphäre voll entfalten konnte. Ganz zur Freude der Fans, die in den charismatischen Gesang ein ums andere Mal miteinstimmten. EISREGEN sorgten für ein ganz besonders düsteres Flair auf dem Metalacker, welches die Kälte nur physisch gesehen vergessen ließ, den Abend und die Metalheads allerdings mit einer im positiven Sinne musikalisch-emotionalen Kälte umgarnte.

Und dann war es endlich soweit. Kaum jemand wagte im Vorfeld des Festivals zu glauben, dass eine solche Band, die Weltruhm besitz, jemals auf dem Trombach haltmachen würde. Was zu erwarten war, folgte dann auch auf dem Fuß. SEPULTURA waren angetreten, den Acker umzupflügen und keinen Stein auf dem anderen zu belassen. Die Spannung stieg ins beinahe unermessliche und dann enterten SEPULTURA auch die Bühne. Profis in jeder Hinsicht. Die Scharen standen in Reih und Glied vor der Bühne und gingen von Beginn an mit. Kein Wunder, wurden doch sämtliche Klassiker wie „Inner Self“, „Arise“ oder „Roots Bloody Roots“ aus der üppigen Diskografie ins weite Rund geballert. Druck, Rhythmus, massive Aggression gepaart mit jeder Menge Hingabe ließ die Fans mit jedem Song ausrasten. Und dies ganz ohne die Cavalera Brüder, sage ich ganz bewusst, denn diese Formation steht den vergangenen Lineups in Nichts nach. Die Menge war sichtlich begeistert und das Ende kam vor lauter Headbanging dann unvermittelt und gefühlt viel zu früh. Schön und mächtig wars!

Abgekämpft zwar, dafür aber mit reichlich Adrenalin angereichert durfte man dann der letzten Band des Abends entgegensehen. Die Karlsruher NACHTSCHATTEN knüpften nach Mitternacht nahtlos da an, wo SEPULTURA zuvor aufhörte. Gnadenlos druckvoller und brachial harter Melodic Death Metal, der den Fans zum Abschluss dann nochmal ordentlich den Hintern versohlte, bevor man das Gelände verlassen sollte. Somit konnte NACHTSCHATTEN ein insgesamt hochwertiges Festival würdig metallisch zu Ende bringen.

Fazit des zweiten Tages

Das Highlight war mit Sicherheit SEPULTURA, doch auch das gesamte Lineup bot Abwechslung und eine durchweg hohe Qualität. Da war mit Sicherheit für jeden Besucher etwas dabei. 15 ° mehr wären zwar schön gewesen, letztlich aber ist das nur eine Randnotiz und schmälert den musikalischen Gehalt des zweiten Tages in keinem Fall.


Gesamtfazit

Zum 7. Mal „Metalacker Tennenbronn“, zum 7. Mal ganz großes Kino in genialer und atemberaubender  Kulisse. Und "sold out", das freut mich besonders für dieses Festival und für die Fans! Ach ja, Fans. Ohne die Fans wäre das geilste Billing nichts wert! Das Festival darf auf diese treuen Besucher, die auch aus anderen Ländern anreisen wirklich sehr sehr stolz sein!! Es gibt zahlreiche weitere Attribute, die man diesem Festival geben könnte. Nur machen wir uns eines bewusst, es handelt sich um ein mit 3000 Besuchern doch kleines Festival. Hier werden Macher und Initiatoren gebraucht, die mit anpacken, lenken, organisieren und steuern. Das alles gelingt in Tennenbronn. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer, die schon deshalb am Start sind, weil die kleine Gemeinde zusammenhält und was wirklich ganz Großes auf die Beine stellen. Das macht das Festival aus und so braucht es keine zigtausend Besucher, es braucht letztlich nur gute Stimmung und eine friedvolle Atmosphäre. All das findet man in Tennenbronn. Und Kritik, nein, ich vermag keine zu äußern. Ich war in allen Bereichen mehr als nur zufriedengestellt, abgesehen von den Wetterbedingungen, aber das können die Jungs aus Tennenbronn noch nicht, NOCH nicht. Ein großer Dank geht abermals an das gesamte grandiose Team des Metalacker Tennenbronn für zwei wunderschone Tage!

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