CD-Reviews T-V

UNLEASHED – No Sign Of Life (2021)

(7.439) Maik (9,2/10) Death Metal


Label: Napalm Records
VÖ: 12.11.2021
Stil: Death Metal






Ich glaube wohl kaum, dass ich die schwedischen Altrecken von UNLEASHED großartig vorstellen muss, gehört die Combo doch zur ersten Welle schwedischen Todesstahls. Außerdem dürften es auch die ersten gewesen sein, die Death Metal mit Bezug zu nordischer Mythologie gespielt haben. Zu meiner allergrößten Schande muss ich gestehen, die Band nach „Warrior“ unverzeihlicher Weise etwas aus den Augen verloren zu haben. Dies hat mich allerdings dann neugierig darauf gemacht, wie denn UNLEASHED mittlerweile klingen. Nach über dreißig Jahren ist ja bei vielen Bands ein bisschen die Luft heraus.

Diese Angst konnte ich in Bezug auf „No Sign Of Life“ schon beim ersten Hördurchgang getrost ablegen, denn die Knaben haben doch noch die eine oder andere Axt im Drachenschiff. „The King Lost His Crown“ heißt der erste Song. Und wenn man weiß, dass Johnny Hedlund bekennender ABBA- Fan ist, könnte man eine kleine Reminiszenz vermuten, denn die mittlerweile wiedervereinigten schwedischen Pop-Ikonen hatten ja mal einen ähnlich heißenden Song, nämlich „The King Has Lost His Crown“. Aber keine Angst, hier handelt es sich keineswegs um eine Coverversion, denn von Popmusik sind UNLEASHED dann doch zu weit entfernt. Johnnys Gesang ist nicht mehr so gruntig wie damals auf „Where No Life Dwells“, bringt eher eine thrashige Note ins Spiel. Der Song hat einen melodischen Drive, und teilweise sogar einen leichten MOTÖRHEAD-Vibe. Das geht ja schon mal fein los. Ebenso mitreißend beginnt „The Shephard Has Left The Flock“. Schönes Uffta Uffta- Drumming, galoppierende Riffs und einfach gutes Futter für den Moshpit. Recht feines Gitarrensolo.

„Where Can You Flee“ spielt sich dann eher im Midtempo ab, allerdings mit schönem Kettensägenriff. Am Ende wird dann noch ein wenig aufs Gas getappt. Dafür läuft „You Are The Warrior“ etwas ruhiger ab, der Gesang hat eher etwas Erzählendes, und auch ein paar Gitarrendissonanzen simseln da im Gebälk herum. Und dann ist es schon Zeit für den Titelsong. Und der brezelt wieder ultraschnell durch die schwedischen Wälder, daß den Elchen die Geweihe vibrieren. Danach wird mit „The Highest Ideal“ das Tempo wieder etwas gedrosselt, aber das Ding lässt trotzdem keine Ruhepause zu. Spätestens wenn Johnny „Hail Odin“ singt, streben die Fäuste von ganz alleine nach oben, was beim Tastaturtippen schon etwas hinderlich wirkt. Hähä…

Nun folgt einer meiner Favoriten auf dem Album. Und dabei ist „Midgard Warriors For Life“ gar nicht mal so heftig. Eher hat der Song etwas vom Power Metal, nur eben mit Death Metal-Gesang. Recht melodisch, und eben deshalb auch so cool. Gerade die Gitarrenlinie beim Chorus finde ich voll knorke. Bei dem Song beginnen die alten morschen Knochen selbständig an, zu hüpfen. Mit typischem UNLEASHED- Riffing kommt nun „Did You Struggle With God“. Dieser wirkt gegenüber dem straighten Vorgängersong regelrecht verspielt, was vor allem am Gitarrensolo liegt.

Und damit die Krieger nicht müde werden, schwingt nun der Kriegsgott Tyr sein Schwert. Und dass es da nicht ruhig und beschaulich zugehen darf, sollte klar sein. Deshalb agieren die alten Schweden auch recht ungestüm und brezeln eine ordentliche Furche ins Schlachtfeld, und zwar unter dem Motto „Tyr Wields His Sword“. Das nun in die Bresche springende „It Is Finished“ fällt ein wenig ab, was am etwas synkopierenden Drumming liegt, welches sich ein wenig sperrig in die Lauschlappen zwängt und fast eine leichte progressive Note ins Spiel bringt.

Tja, und dann ist fast schon wieder Schluss. Zwar nicht das Ende der Welt, wie uns der Songtitel „Here At The End Of The World“ suggeriert, aber das Ende der Platte. Und dies wird wieder mit treibendem Riffing eingeleitet, fast maschinenhaft arbeiten sich UNLEASHED durch den Track und zelebrieren das Weltende auf ihre eigene Art. Und in den letzten zwei Minuten des Songs führen sphärische Klänge in die kalte Leere des Kosmos. Hach, bin ich heute wieder poetisch aufgelegt.

Insgesamt bin ich vom neuesten Longplayer der alten Schweden recht angetan. Es sind wieder einige recht feine Knaller drauf, und so gut wie kein Füllmaterial. Das muß man erst mal schaffen, nach über dreißig Jahren. Gut, Mitreißer wie „To Asgaard We Fly“ oder „Media Whore“ schreibt man nur einmal im Leben, aber einige Songs auf „No Sign Of Life“ haben definitiv Hitqualitäten. Die UNLEASHED- Trademarks sind erkennbar, einige feine Ideen erweitern das Repertoire über die Grenzen des Death Metal hinaus, und große Teile des Albums machen einfach Spazzzzz. Feines Brot haben die Jungs hier gebacken.

Anspieltipp: „The King Lost His Crown“ und „No Sign Of Life“ sowie „Midgard Warriors For Life“


Bewertung: 9,2 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The King Lost His Crown
02. The Shephard Has Left The Flock
03. Where Can You Flee
04. You Are The Warrior
05. No Sign Of Life
06. The Highest Ideal
07. Midgard Warriors For Life
08. Did You Struggle With God
09. Tyr wields the sword
10. It Is Finished
11. Here At The End Of The World



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