Teutonic Terror!

Als ich seitens des Managements das Angebot bekam, mit Accept bei ihrem Berliner Gastspiel im mit 2.000 Leuten restlos ausverkauften Huxley’s zu führen, bot ich als Gegenleistung eines meiner Organe zur Transplantation (die Leber war dabei sehr begehrt) an, denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, mit den Helden seiner Jugend ausgiebig zu plaudern. Als dann noch die Zusage kam, setzte Schnappatmung und kalter Schweiß ein…was soll ich solch eine Legende denn bitteschön fragen? Ich stand Anfang der Neunziger schon mal vor James Hetfield und bekam meinen Mund nicht auf…sowas sollte diesmal nicht passieren, man ist ja schließlich auch älter geworden.

Also…“Stalingrad“, neues Album, große Tour…blablabla…Solch eine Einleitung könnt Ihr überall nachlesen und was gibt es denn noch über die teutonische Metal Bastion zu berichten, was Ihr nicht schon überall hättet lesen können? Also…ich musste zugegebenermaßen zwei Beruhigungsbierchen vorab zu mir nehmen…ab ins Huxleys um dort zu erfahren, dass statt dem avisierten Gespräches mit Peter Baltes dieser leider nicht zur Verfügung stehen würde und ob wir stattdessen auch mit Wolf Hoffmann plaudern würden. Hmm…ist der Frosch am Arsch grün? NA SELBSTVERSTÄNDLICH!!! Und da sich der mittlerweile glatzköpfige Schlacks, bei dem ich mir mit meinen 1,85m verflucht klein vorkam, als äußerst sympathisch und gesprächsbereit entpuppte, flutsche das Gespräch wie von selbst.
Wolf, für Christian und mich ist es eine besondere Ehre, mit Dir hier heute sitzen zu dürfen, um dieses Interview zu führen. Wir sind seit der Grundschule miteinander befreundet und Accept hat uns dabei eigentlich die ganze Zeit begleitet…

Toll, das freut mich wirklich. Aber genug der Ehre, lass uns anfangen (lacht).

Wie lebt es sich eigentlich als lebende Legende?

Keine Ahnung, ich bin ja keine (lacht). Man lebt ja immer im Auge des Betrachters und unsere Fans sehen das vielleicht so, ich nicht. Erstaunlich ist auf jeden Fall, dass unsere Fans beinharte Accept Fans sind und nicht vieles daneben zulassen. Daher sind wir in deren Augen sicherlich Legenden, aber es gibt genügend Flecken auf der Erde, wo uns absolut Niemand kennt. Accept polarisiert. Es gibt ja Bands, die sind überall ein bisschen bekannt und beliebt, wir sind total beliebt, aber nur bei gewissen Leuten (grinst).

Hattet Ihr denn im Vorfeld Eurer Neugründung im Jahre 2009 überhaupt damit gerechnet, mit offenen Armen empfangen zu werden?

Nein, das war absoluter Wahnsinn! Wir haben im Traum nicht daran gedacht, dass es so gut laufen würde. Während wir „Blood of the nation“ aufnahmen haben wir uns schon sehr oft gefragt, wie die Fans unsere neue Formation mit Mark aufnehmen würden und waren da auch etwas verunsichert. Wir hofften, dass man uns wohlwollend gegenüber eingestellt sein wird, doch dass daraus solch eine Euphorie entstehen würde, haben wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Wir freuen uns sehr darüber, erneut mit offenen Armen empfangen worden zu sein und sind mehr als geehrt. Platte des Jahres, all die ganzen Auszeichnung, die die Scheibe abbekommen hat…das ist schon der Hammer.

Also nehmen selbst solch alte und abgebrühte Hasen wie Ihr solche Awards nicht nur im Vorbeigehen mit?

Nein, absolut nicht. Wir freuen uns über jeden Erfolg und Auszeichnung gleichermaßen. Man muss auf jeden Fall resümieren, dass die momentane Situation die wohl beste Zeit in unserer gesamten Karriere darstellt. Selbst in den Achtzigern, als wir schon recht erfolgreich waren, gab es nicht solch eine Vielzahl an Auszeichnungen und Triumphen, wie wir sie jetzt erleben dürfen.

Dazu mit „Stalingrad“ jetzt weltweit riesige Chart Triumphe. Deutschland Platz 6…

Und in Amerika haben wir gerade mit Platz 80 die Top 100 geknackt. Das ist eine unfassbar riesige Sache für uns, Wahnsinn, Hammer!
Stalingrad“, Album Nummer 13 und ein erneutes Heavy Metal Meisterwerk, wie Kollege Chris auch treffend und vorzüglich feststellte. Zu welchem Zeitpunkt kristallisierte sich der Albumtitel heraus?

Gleich zu Anfang. Es war der erste Song, den ich geschrieben habe und durch die Hookline, die Melodie und die Tatsache, dass sich der Song fast von alleine schrieb, stand der Titel gleich zu Beginn fest. Es war quasi ein „First take“.

Peter (Baltes) muss sich doch auch gefreut haben, denn „Stalingrad“ ist ja exakt zwei Tage nach seinem 54.Geburtstag auf den Markt gekommen. Ein passenderes Geburtstagsgeschenk kann es doch nicht geben…

Ja, hat er. Wir haben an seinem Geburtstag in Karlsruhe im Studio für die Tour geprobt und zwei Tage später war Release. Das hat super gepasst.

Wenn man sich den Text zu „Stalingrad“ anschaut kann man die Geschichte aus zwei Seiten interpretieren, sei es die russische oder die deutsche…

Wobei wichtig ist festzulegen, dass es sich dabei um eine rein fiktive Geschichte handelt. Aber das Thema der zwei Soldaten auf den gegnerischen Seiten, die sich trotz des Krieges in ihren letzten Lebensmomenten trösten und in den Arm nehmen, hat schon was und kann ja vielleicht auch so passiert sein, man weiß es ja nicht so genau. Wichtig war uns, dass in diesem Text kein Bezug auf „Verlierer“ oder „Gewinner“ genommen, sondern die Geschichte einfach aus einem objektiven Blickwinkel erzählt wird. Bei dieser furchtbaren Schlacht hat in meinen Augen damals eh keiner gewonnen, da gab es nur Verlierer, egal wie es dargestellt wird.
Die Kriegsthematik setzt sich ja dann bei „Hellfire“ fort, in dem es ja um die Bombardierung Dresdens geht, doch leider missbrauchen ja die rechten Vögel in Deutschland gerade diesen Abschnitt des Krieges immer wieder für ihre eigenen Propagandazweck. Ward Ihr Euch da im Vorfeld über die Brisanz dieses Themas bewusst?

Brisant sind diese Themen um den zweiten Weltkrieg immer, vor allem wenn man da als Deutscher rangeht. Und das Thema „Brisanz“ war bei Accept ja immer Gang und Gebe. Kontroverse Texte hatten wie schon früher gehabt und aus der Bewertung hielten wir uns schon immer gänzlich raus. Wir sprechen nur die Themen an und beziehen da keine Positionen, weder für die eine, noch die andere Seite und das werden wir in Zukunft auch weiterhin tun. Aber zurück zu „Hellfire“. Als wir uns mit der gesamten Thematik dieses Krieges beschäftigten, kamen wir irgendwann auch zwangsläufig auf die Bombardierung Dresdens. Machen wir uns nichts vor…dieser Krieg war in den letzten hundert Jahren das wohl folgenreichste Ereignis in der Geschichte überhaupt und Stalingrad war da ein Wendepunkt. 1,3 Millionen Menschen sind dort gefallen und heute noch hat irgendwie fast jeder in der Familie einen Angehörigen, der entweder direkt oder indirekt an diesem furchtbaren Ereignis teilgenommen hat. Als wir uns diesem Thema angenommen hatten überlegten wir, was es denn noch für Ereignisse solchen Ausmaßes in der Geschichte gegeben hat und landeten dann schließlich zwangsläufig bei Dresden und dessen fast totaler Vernichtung, was ja auch mehr als folgenreich für den Verlauf der Geschichte, vor allem der deutschen, gewesen ist. Eine Zeit lang hatten wir sogar überlegt, noch mehr Geschichten solch epochalen Ausmaßes zu erzählen, wie zum Beispiel Hiroshima, 9/11, sind dann aber relativ schnell zum Entschluss gekommen, dass ein solches „Konzept“ einfach nicht zu Accept passen würde. So ist es im Endeffekt bei diesen beiden Songs zum Thema geblieben.

Ich finde es generell gut, dass solche Themen und Geschichten von Deutschen erzählt werden…

Da stimme ich Dir voll und ganz zu, doch im ersten Moment zucken da viele Leute schon zusammen, obwohl das Alles ja nun auch schon fast 70 Jahre her ist. Gerade wenn sich Niemand an ein solches Thema wagt, reizt es mich umso mehr, darüber etwas zu erzählen und für Gesprächsstoff zu sorgen. Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als solche Generic Rock Texte, so von wegen: „Tonight I’m gonna rock this town“ oder „Party all night long“ (lacht). Da kann ich nix mit anfangen und allein aus diesem Grund haben wir auch in der Vergangenheit immer sehr auf unsere Texte geachtet.

Als ich im Vorfeld zur Veröffentlichung von „Stalingrad“ erstmalig den Titel „Hung, drawn and quartered“ sah, dachte ich unweigerlich erst mal an Cannibal Corpse…

Ehrlich, hahaha. Ok.

Bei dem Text geht es ja um die Höchststrafe im alten England für Hochverrat. Das ist aber kein Text der einen Bezug zur heutigen Zeit hat, oder?

Kann ich Dir gar nicht sagen, denn ich habe nicht an allen Texten mitgearbeitet und „Hung…“ war ganz alleine Marks Geschichte. Wir haben lediglich lange überlegt, wie wir den Song nennen sollen und irgendwann kam dann diese Phrase „Hung, drawn and quartered“ und wir haben gesagt: Yeah, geil, da gehen alle Hände nach oben (lacht). Nun hast du lediglich diese Phrase und musst einen Text drum herum basteln und irgendwie ist der dann so entstanden. Das muss man alles nicht so ernst sehen. Wir hatten ja mit „Teutonic terror“ einen ähnlichen Song, der auch nicht so bierernst gemeint war. Wir nehmen das textliche nicht alles ernst, denn in unserem reiferen Alter haben wir keinerlei Ambitionen, die Welt zu verbessern.
Aber bei meinem Lieblingssong des neuen Albums „Shadow soldiers“ ist schon eine gewisse Ernsthaftigkeit zu erkennen, wenn Mark singt :“So cold and lonely it seems so long since someone was here.Following the shadows, with the sun till it disappears. Thousands of stone white crosses, a formation for all to see. With flags and flames, the ranks and the names of those who died to be free.

Klar haben wir auch ernste Themen, wie diesen Songs über die Kriegsgräber in der Normandie, aber dennoch sollte man nicht alles gleich auf die Goldwaage legen. Für uns steht der musikalische Spaß im absoluten Fokus.

'Ist denn zum neuen Album ein Video zu erwarten?

Ich hoffe es sehr, doch vorher war es terminlich überhaupt nicht möglich. Wir waren mit Vollgas im Studio, um unser neues Album rechtzeitig abzuliefern. Außerdem leben wir ja auf verschiedenen Kontinenten und hatten vorher einfach nicht die Gelegenheit zusammenzukommen, um noch im Vorfeld ein Video zu drehen. Aber ich hoffe, dass wir das in unserer kurzen Sommerpause noch hinbekommen.

Und für welchen Song?

Das kann ich doch hier jetzt nicht verraten, hahaha.

Was mir seit „Blood of the nations“, Eurem Comeback Album…kann man eigentlich “Comeback-Album” sagen?


Na klar, wir waren ja 15 Jahre weg.

Naja, so richtig weg wart Ihr ja nicht und Präsenz war auch da.

Wir haben aber keine neue Musik gemacht und jeder von uns hat sein eigenes Leben gelebt. Wir hatten doch überhaupt nicht damit gerechnet, je wieder miteinander Musik zu machen. Doch als wir Mark getroffen haben, was an sich ein riesiger Zufall und eine Geschichte für sich ist, kam das alte Feuer wieder…
Und auf Mark wollte ich grade zu sprechen kommen, denn in seiner Funktion als Haupttexter fällt mir halt seit „Blood…“ auf, dass Eure Texte viel reifer geworden sind, obwohl Du ja eben die Ernsthaftigkeit so ein wenig abgesprochen hast.

Naja…seine Texte sind schon zum Teil sehr ernsthaft, doch auch in unserer Vergangenheit hatten wir viel Tiefgründiges dabei und diese Traditionen hat Mark hervorragend weiter geführt. Seine Texte sind zwar anders, verleihen uns aber weiterhin den typischen Accept Touch. Wir haben ihn ja außerdem als Frontmann unter Vertrag genommen und nicht als den großen Lyriker (lacht). Dennoch…seine Muttersprache ist Englisch, er ist Sänger also sollte er auch seine eigenen Texte schreiben können, hahaha. Wir könnten ihm natürlich auch unsere Texte vorlegen, aber wir entschlossen uns dazu, ihm die Möglichkeit zu geben, sich selbst in Worten auszudrücken. Nahegelegt haben wir ihm lediglich, dass er sich doch bitte so ein wenig an unsere Tradition hält (grinst).

Gleich nach der Veröffentlichung von „Stalingrad“ seit Ihr auf Tour gegangen. Heute der letzte Gig in Deutschland, ein paar noch im ehemaligen Ostblock…dann aber 3 Monate Pause. Warum?

Strategische Gründe in erster Linie. Von Herbst bis Dezember sind wir dann ja auch wieder unterwegs und irgendwann müssen wir auch mal ne kleine Pause einlegen. Wir haben seit Herbst letzten Jahres voll durchgearbeitet und mit „Blood…“ haben wir die letzte Show im letzten Juli gespielt, im August ins Studio…rechne mal nach. Wir sind dann auch mal froh, wenn wir alle Viere von uns strecken können, was wir aber eh nicht machen werden (lacht).

Wolf, danke Dir für dieses Gespräch…

Gerne, hat Spaß gemacht!

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