Die, mit der eigenen Briefmarke

Fast achte Jahre lang war es still um die Burschen von Persuader, die mitThe Fiction Mazedieser Tage ein mehr als nur beeindruckendes Comeback-Album herausbringen. Drummer Efraim Jutunen musste für den Interview-Marathon herhalten und stand bereitwillig Rede und Antwort:

Ich wähnte diese Schweden ehrlich gesagt längst in, zumindest aber knapp vor Walhalla, da es seit ihrem 2006er Album “When Eden Burns“ verdächtig still um Persuader geworden war und man noch nicht einmal in den Untiefen des Undergrounds von etwaigen Tätigkeiten etwas mitbekommen konnte. Doch unverhofft kommt bekanntermaßen oft und so liegt mit “The Ficiton Maze“ zu Beginn des noch ganz jungen, neuen Jahres endlich ein weiterer Hammer aus der Mache dieser Burschen aus Umea vor. Dieser stellt nicht nur eindrucksvoll unter Beweis, dass Persuader im melodischen Power Metal immer noch eine feine Adresse sind, das Album lässt auch einige bis dato noch zu vernehmende „moderne“ Elemente im Klangbild vernehmen.

Zeit also sich mit der Band in Verbindung zu setzen und sie mit diversesten Fragen zu konfrontieren. Drummer Efraim Juntunen war so frei uns jede Menge Informationen aus dem Lager der Truppe mitzuteilen, hätte jedoch selbstverständlich einmal die lange Wartezeit auf den neuen Dreher zu erörtern:

Eigentlich sah es nach der Veröffentlichung von “When Eden Burns“ gar nicht schlecht aus. Nach einigen erfolgreichen Gigs hier in Schweden waren wir sogar kurz davor eine US-Tournee zu organisieren. Doch leider kam uns erneut eine geschäftstechnische Panne dazwischen, weshalb wir uns einmal mehr in unserer Karriere mit jenem Phänomen, das wir intern als “der Band-Fluch“ bezeichnen, auseinander setzen mussten.

Wie ihr vielleicht noch wisst, waren wir für unser drittes Album bei Dockyard 1 unter Vertrag, die kurz nach der Veröffentlichung dieser Scheibe ihren Betrieb auf Grund von finanziellen Rückständen für immer einstellen mussten. Das raubte uns zu einem gewissen Grad natürlich die Motivation, denn wenn ihr Euch zurückerinnert, waren wir schon zu Beginn unserer Musikerlaufbahn bei einem ebenso längst nicht mehr existierenden Kleinlabel (das Debüt “The Hunter“ erschein bei Loud’n’Proud – der Verf.) unter Vertrag und gerieten auch mit unserem zweiten Album “Evolution Purgatory“ und Noise Records in ein ähnliches Dilemma. Von daher wussten wir zwar, dass man diesbezüglichen Problemen als Band immer hilflos ausgesetzt ist und waren auch recht schnell wieder soweit an das Komponieren von neuen Tracks heranzugehen, dennoch waren wir uns klar, in diesem Fall einen „Neustart“ zu wagen zu müssen. Wenn man noch dazu mitverfolgt, was die „Konkurrenz“ in der selben Zeit schafft, und das nur weil sie auf einen funktionierenden Businesspartner bauen kann, zweifelt man mitunter doch schon an seinem Schicksal. Dazu muss man auch noch anfügen, dass sich - völlig unabhängig von der Musik - in den letzten Jahren auch das Privat-Leben jedes einzelnen Bandmitglieds - sei es durch die Gründung einer Familie, durch Jobwechsel oder durch Hausbau – verändert, weshalb die Prioritäten von uns auch nicht unbedingt bei Persuader gelangen sind. Da wir bis vor kurzer Zeit noch nicht einmal einen gemeinsamen Proberaum hatten, war das Komponieren im Kollektiv lange Zeit einfach unmöglich und ich muss zugeben, dass ich meine Zweifel hatte, wie und ob es mit der Band überhaupt weitergehen würde.
Okay, und ich dachte schon ihr hättet euch zu sehr auf diverse Nebenbaustellen gestürzt und diese anstelle von Persuader vorangetrieben. Wobei ich Euch auch diesbezüglich ein wenig aus dem Radar verloren habe…..

Nachvollziehbar, denn durch unsere Privat-Geschichten haben wir nicht übermäßig viel gemacht. Guillotine sind im Moment überhaupt auf Eis gelegt und zwar so lange, bis Nils Eriksson und Fredrik Mannberg mit den Arbeiten am nächsten Noctural Rites-Album fertig sind. Die beiden sind damit ebenso eingespannt wie Daniel (Sundbom, Gitarre – der Verf.) und ich aktuell wieder bei Persuader und deshalb muss eben dieses Unternehmen ein wenig zurückstecken. Dennoch wird es irgendwann mal auch ein neues Guillotine-Album geben, schließlich ist Material dafür schon jetzt in Hülle und Fülle vorhanden. Zu tun gab es aber dennoch immer schon genug. Ich selbst habe während der „Persuader-Pause“ bei Naglfar bei einigen Konzerten ausgeholfen, was nicht nur Spaß gemacht, sondern mich auch in Form gehalten hat. Emil (Norberg, Gitarre) und unser Sänger Jens Carlsson waren und sind übrigens mit Hingabe am Komponieren von neuem Material für Savage Circus, lassen sich aber auch nicht hetzen, sondern suchen momentan den optimalen Gitarrensound. Wie Du merkst, waren wir zwar nicht wirklich in den Medien präsent, sind aber auch keineswegs auf der faulen Haut gelegen!

Und irgendwann hat sich sogar noch der Wunsch nach diesem „Comeback-Album“ eingeschlichen. Ich denke, die Bezeichnung dafür ist durchaus berechtigt, oder?

„Comeback“ trifft absolut zu, denn viele Fans dürften uns längst für mausetot gehalten haben, haha. So richtig ins Rollen kam die Geschichte jedoch erst wieder, als wir allesamt unsere Privat soweit geregelt und eine Proberaum organisiert hatten. Erst danach war es wieder möglich konzentriert an der Band arbeiten zu können, wonach es nicht immer ausgesehen hatte. Ich persönlich wollte das Kapitel aber auf jeden Fall „offiziell“ abgeschlossen wissen, selbst wenn wir uns nicht dazu entschlossen hätten, mit Volldampf weiter zu machen. Doch sämtliche Gedanken an ein Ende der Band waren ohnehin bald verfolgen, denn die Ideen sind förmlich aus uns herausgesprudelt. Mit der Motivation kam auch der Glaube an die Sache zurück und auch die Zusammenarbeit mit unserem neuen Label hat uns weiter angespornt. Kurzum.
Wir sind wieder voll im Saft und hungrig!

Wann ungefähr habt ihr denn mit dem Komponieren und den Aufnahmen für “The Fiction Maze“ begonnen?

Also die ersten Songfragmente haben bereits einige Zeit auf dem Buckel, denn schon ein knappes Jahr nach der Veröffentlichung von “When Eden Burns“ hatten wir reichlich Ideen auf Lager, die wir auch entsprechend aufgezeichnet hatten. Zwar haben wir in der Zwischenzeit alles einigermaßen überarbeitet und umgeändert, die Basis von beispielsweise “Falling Faster“ ist aber dennoch schon vor Jahren gelegt worden. Manchmal dauert es eben seine Zeit, ehe sich die Klasse einer Idee voll erschließt und es sind oft eben die kleinsten Details die noch fehlen, damit ein Track zündet.

Gab es denn eine bestimmte Intention die Songs heftiger klingen zu lassen?

Nein, nicht unbedingt. Ich würde diese Entwicklung als natürlichen Prozess betrachten. Uns war jedoch von Beginn an klar, dass die Essenz von Persuader diese Mischung aus heftigen Riffs, feinen Melodien und prägnanten Chor-Gesängen ist und das konnten wir auch erneut umsetzen. Da Jens seinerseits die Meinung vertrat, sein Gesang würde einen erhöhten Beitrag an „Screams“ benötigen, haben wir ihn erst einmal machen lassen. Da uns das Ergebnis dann aber mehr als nur zufrieden stimmte, gab es keinerlei Grund nachträglich etwas zu ändern.

Der gute Mann scheint generell erst so richtig aus sich herausgehen zu können, seit er sich ausschließlich auf den Gesang konzentriert. Warum hat er die Gitarre denn eigentlich an den Nagel gehängt?
Das hat sich damals bei den Aufnahmen zu “When Eden Burns“ ergeben. Jens hatte nämlich große Zweifel, dass er der Anforderung weiterhin standhalten könnte, die immer komplexer werdenden Gitarrenparts zu spielen und gleichzeitig auch den Gesang einwandfrei hinzubekommen. Nach kurzer Überlegung brachten wir damals unseren alten Kumpel Daniel ins Spiel, der seit damals unser zweiter Gitarrist ist. Der Kerl ist eine echt Bereicherung für uns, vor allem auf der Bühne, auch wenn sich Jens mittlerweile manchmal ein wenig „verloren“ fühlt ohne Gitarre. Doch das wird sich alles geben, verändert werden muss jedenfalls das Line-Up nicht.

Logisch, denn auch im Studio scheint die Zusammenarbeit perfekt zu laufen - nachzuhören brandaktuell auf “The Fiction Maze“. Worin siehst Du denn die gravierendsten Unterschiede zu euren früheren Scheiben?

Nun ja, ich würde sagen, wir haben noch nie dermaßen vielschichtig und abwechslungsreich geklungen und das ohne dabei unsere früheren Werke komplett aus den Augen zu verlieren. Im Gegenteil, ich denke man kann sogar unsere Roots als Melodic Death Metal-Band besser denn je heraushören. Wir sind wirklich vollauf zufrieden mit dem Teil, und zwar in seinem gesamten Umfang, inklusive der knackigen Produktion. Es fühlte sich auch verdammt gut an, dass wir uns bei der Auswahl des Bonus-Tracks für die japanische Version von “The Fiction Maze“ nur schwer auf einen Track einigen konnten, denn alle Kandidaten hatten Qualität. Jetzt sind wir natürlich gespannt, wie das Album ankommen und aufgenommen wird. Jedenfalls bleibt nichts unversucht, dass sich die Scheibe auch verkauft, so wird es neben diversen anderen Formation auch eine Double-Picture-Disc zu kaufen geben. Vor allem auf den Sound der Vinyl-Edition darf man sich freuen, schließlich wurde das Teil dafür gesondert gemixt und klingt wahrlich mächtig!
Da wäre es doch auch an der Zeit das Album im Zuge einer Tournee vorstellig zu machen, oder?

Klar wär‘ das cool. Doch bevor wir uns diesbezüglich in Unkosten stürzen, werden wir noch ein wenig abwarten, wie das Album ankommt. Bislang ist uns zwar ausschließlich positives Feedback zu Ohren gekommen, ein wenig Geduld werden wir jedoch noch aufbringen müssen, bevor es an die Planung gehen kann. Dass wir wirklich gerne live spielen würden, und das nicht nur hier bei uns, sondern auch bei Euch in Mitteleuropa, steht dagegen außer Frage!

Nachvollziehbar. Welche Erfahrungen habt ihr denn habt ihr denn auf euren früheren Gigs und Tourneen sammeln können?

Nur gute. Ich kann mich sogar nach verdammt gut an die allererste Show von uns erinnern. Das war in den späten 90er Jahren und zwar zusammen mit diversen anderen Bands, wie beispielsweise Nocturnal Rites und Meshuggah und war ein voller Erfolg. Mit den Rites sind wir ohnehin über Guillotine seit jeher mehr oder weniger verwandt und zu Meshuggah blicken wir seit diesem Gig respektvoll auf, denn dermaßen brachial und dennoch perfekt und tight spielt keine andere Band! Ewig in Erinnerung bleiben wird mir auch unser erster Gig in Paris. Zum einen, weil wir uns nicht wirklich viel erwartet hatten und der Club sprichwörtlich durchgedreht ist und zum anderen, weil dort ein Typ im Club war, der danach Persuader-Briefmarken anfertigen hat lassen und uns diese danach zukommen hat lassen. Echt irre!

In der Tat. Ob euch noch einmal etwas dermaßen Skurriles widerfährt, bleibt zwar erst einmal abzuwarten, ich gehe aber davon aus, dass ihr zumindest den einen oder anderen Schritt für die Zukunft sehr wohl schon geplant habt?

Haha! Da man ja nie weiß, was kommt, kann man auf so etwas auch nicht wirklich setzen. So bleibt für uns vorerst also nichts anderes als abzuwarten, wobei wir aber vorwiegend den Live-Sektor im Auge behalten werden. Allerdings - und darauf bin ich sehr stolz – haben Emil und ich tatsächlich schon damit begonnen erste Ideen für ein weiteres Album auszuarbeiten. Es sollte sich also innerhalb der nächsten Dekade ausgehen erneut eine Persuader-Scheibe auf den Markt bringen zu können, haha!

Und wann auch immer diese erscheinen mag, eines ist fix: Solange man hochwertigen Stoff, wie er auf “The Fiction Maze“ enthalten ist, geliefert bekommt, kann es jederzeit sein, dass Persuader dem einen oder anderen Fan sogar eine Reihe Sondermarken wert sind!

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