ENSLAVED | IMPERIUM DEKADENZ | HERETOIR

11.11.2017 – Berlin @ Musik & Frieden

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit waren Konzerte in der Regel eine nachtschaffende Angelegenheit. Mit Verklingen des letzten Tons schlug es nicht selten 1 Uhr nächtens oder später. Der Blick auf die Uhr und das Abwägen zwischen catch-the-last-train und dem Ausharren bis zuletzt bei der wenig verführerischen Aussicht, mit dem Nachtbus stundenlang durch die Gegend zu zockeln bis ins heimische Gemach, fiel zumeist dann doch zugunsten des Nachtbusses aus, gehörte jedoch irgendwie dazu. Klingende Ohren und klingende Kälte auch unter der Woche!

Nun, mittlerweile fangen Konzerte sogar am Wochenende früher an als die Kindergeburtstage in meiner Grundschule und die Nachtbusse sind traurig, weil sie so wenig zu tun haben. Pech, wer da lange arbeiten muss. Mal sind die wohlhabenden herangezogenen Mieter schuld, mal die Party, die unbedingt danach pünktlich im besenreinen Club stattfinden muss. „Dann musst Du halt früher kommen oder früher die Arbeit beenden. Wir haben alle nicht ewig Zeit...“

Ich erinnere mich nicht mehr genau aber auch im Musik & Frieden waren zur Einlasszeit gegen 19 Uhr noch nicht allzu viele Männeken auf der Matte. Um gar keine Entspannung bei kühlem Biere und kribbelnde Anspannung aufkommen zu lassen, enterten kurze Zeit nach Öffnung gleich Heretoir aus Bayern die Bühne und gaben eine nicht mal halbstündige Visitenkarte ab, bei der mancher Besucher (der schon das Privileg hatte, da sein zu können) ob der kurzen Spielzeit nicht so recht wusste, wie er das Gehörte nun so einzuordnen hat. Irgendwie eine Mischung aus Black Metal (wenig), Shoegaze und ruhigen Momenten (viel). Mich hat die Band in den ruhigen Momenten manchmal an Katatonia oder Anathema erinnert. Die Ausbrüche waren eher spärlich gesät. Alles in allem eine atmosphärisch gelungene Nummer, die aber bei derartig dichter und sich langsam aufbauender Musik viel zu kurz ausfiel, um ein endgültiges Fazit ziehen zu können.

Nach kurzer Pause erschienen die Schwaben Imperium Dekadenz auf der Bühne, die mit ihrem Album „Dämmerung der Szenarien“ (2007) mindestens einen deutschen Black-Metal Klassiker verbuchen können. Die Band gab dem mittlerweile angewachsenen Publikum genau das, was man erwarten konnte. Guten soliden Black Metal der alten Schule, der weder zu schrill, noch zu kreischend, noch zu theatralisch daherkam. Ich kenne mich mit dem restlichen Oeuvre der Band zu wenig aus, um Vergleiche anstellen zu können. Jedenfalls wirkte die Band, die mittlerweile 5 Alben veröffentlicht hat, sehr souverän und erfahren und bot einen erfrischend unverkrampften Gig ohne viel Firlefanz. Einfach 40 Minuten schönes Gebretter, wie man es sich besonders nach den ruhigen Momenten von Heretoir geradezu herbeisehnte.

Ca. 20.30 Uhr waren dann schon beide Vorbands verbraten. Viele Zuschauer kamen jetzt erst und waren bass erstaunt, entsetzt und auch verärgert, da das Konzert kurzfristig noch vorverlegt wurde und viele nunmehr „nur“ noch in den Genuss der Hauptband kommen sollten. Ein Trend, der hoffentlich baldigst gestoppt wird. Wenn der Hauptact gegen 20.45 Uhr auf die Bühne kommt, stimmen die Verhältnisse für meine Begriffe nicht mehr.

Auf Enslaved durfte man insofern gespannt sein, da nicht nur ein neuer Mann an den Keys und dem Gesang seine Premiere gab, sondern auch weil das neue Album wieder experimenteller ausgefallen ist. Um es kurz zu machen: Die Band präsentierte sich für meine Augen erfrischt, motiviert und in Hochform. Dreh-und Angelpunkt Grutle lockerte die Atmosphäre stets durch kleine Witze, Neckerein oder feine Ironie auf. Gitarrist Ice Dale war wie stets (natürlich mit freigelegtem Oberkörper) der aktivste der Musiker und poste zuweilen herrlich ab. Wie schlug sich also nun Neuzugang Hakon Vinje, der mit seiner Band Seven Impale 2014 ein klasse Album zwischen Prog und Jazz veröffentlicht hat?! Stimmlich fehlt ihm für meine Begriffe live noch etwas die Kraft und der Charme des Vorgängers Herbrand Larsen auch wenn seine Stimme objektiv sogar die angenehmere ist. Nichtsdetotrotz war auch sein Auftritt überdurchschnittlich an diesem Abend, da die Fähigkeiten am Keyboard wirklich extravagant sind, was insbesondere bei den dargebotenen frischen Songs „Sorm Son“ und „Sacred Horse“ zur Geltung kam. Soundtechnisch war alles im Lot, was bei Enslaved nicht immer der Fall ist. Da habe ich auch schon viel Soundbrei anderswo gehört (wofür natürlich nicht immer die Band verantwortlich ist).

Neben 3 Songs von der neuen Platte boten Enslaved Material aus allen Phasen der Band, „Vetrarnott“ von dem Debüt „Vikingligr Veldi“ über „Convoys to nothingness“ vom zu wenig beachteten Album „Monumension“ bis zu „One Thousand years of rain“ vom Vorgängeralbum „In Times“.

Der einzige Makel des Auftritts der Norweger war (wie nicht anders zu erwarten) die zu kurz bemessene Spielzeit (nicht vergessen: es musste ja kurz nach 22 Uhr alles besenrein für die Disco sein...) und so wurde mit „Isa“ auch nur eine Zugabe geboten, welches einen kurzen aber mit einigen Highlights gespickten Konzertabend besiegelte.

Storm Son
Roots of the Mountain
The River´s Mouth
Convoys to nothingness
One thousand years of rain
Sacred Horse
Isa

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