Hört man im Zusammenhang mit elektrisch verzerrter Beatmusik den Namen JAKOB KRANZ hat man wahrscheinlich nicht gleich ein Bild von dem Kerl vor Augen. Wohl eher eine Stimme, denn Jakob moderiert jeden Donnerstag „Stahlwerk“ auf Radio Fritz beim rbb und versorgt die geneigte Hörerschaft mit aktueller Hartwurst - Musik. Dabei beweist er jedes Mal stilistische Offenheit sowie musikalisches Weitdenken. Da der sympathische Berliner scheinbar Hummeln im Hintern hat, genügt dies natürlich nicht. Er moderierte diverse Radioformate, organisierte die legendären Stahlwerk – Partys und verdingt sich obendrein noch als rasender Reporter und kritzelte für den Metal Hammer und das Rock Hard. Seit 2014 ist er Gründungsmitglied und Redakteur beim Deaf Forever – Magazin. In seiner bisherigen Laufbahn quetschte er alle möglichen Stars und Sternchen nach allen Regeln der Kunst aus. Bei solch geballter Ladung Stromgitarrenkompetenz wird es endlich mal Zeit den Spieß umzudrehen um ihn einige Löcher in den Bauch zu fragen.

Hi Jakob, ich kann mir irgendwie nicht die absolute Journalisten – NoGo – Frage verkneifen– wie bist Du eigentlich zum Heavy Metal gekommen?

Gar nicht, Heavy Metal kam zu mir. Und zwar in Form eines Konzertberichts von einer AC/DC-Show, abgedruckt im Teenager-Fachmagazin «Pop Rocky», welches über wenig legale Wege in mein Ost-Berliner Kinderzimmer gelangte. Musik faszinierte mich schon immer und habe mich seit frühester Kindheit damit beschäftigt. Am Anfang waren der Plattenschrank meiner Eltern und die Songs von Rias 2 und AFN aus dem Westradio. Ich habe schnell gemerkt, dass Gitarrenmusik mir immer dann zusagte, wenn die Riffs laut und verzerrt waren.

Der Weg vom Radio-Rock der Achtziger (ZZ Top, Bryan Adams, Queen, Van Halen) zu AC/DC war also nicht weit. Und als ich erkannte, dass das was ich mochte «Hard Rock» bzw «Heavy Metal» hiess, konnte ich gezielter nach neuer Musik suchen. Im DDR-Jugendradio gab es die Sendung «Tendenz Hard bis Heavy», dort traten Motörhead und Thrash Metal in mein Leben und ab dann gab es kein Zurück mehr. Wobei ich mich nie auf einem Stil ausgeruht habe. Vom Thrash Metal ging es zum Hardcore, dann kam extremer Metal, parallel aber Prog und Doom. Ich wollte mich nie auf ein Genre festlegen. Ob 30er Jahre Blues, 40er Jahre Jazz, 50er Jahre Rock´n Roll, 60er Psychedelic, 70er Hard Rock und Soul, in meinem Plattenschrank findet sich fast alles, außer EDM und Raggamuffin.

Ich weiß ja dass Du schon als kleiner Steppke beim Radio tätig warst und später auch Synchron gesprochen hast. Hat man da nicht als Knirps eher den Berufswunsch Feuerwehrmann oder Astronaut zu werden? Bei Dir scheinen ja die Weichen recht früh gestellt gewesen zu sein.

Mein einer Großvater war Heizer auf einer Dampflok, der andere Musikwissenschaftler und Pianist. Insofern lag meine Leidenschaft sowohl für motorisierte Mechanik also auch für Musik in der Familie. Mit 6 oder 7 Jahren, ich war krank und konnte nicht zur Schule gehen, lag ich zu Hause auf der Couch und hörte gelangweilt zum 400. Mal den „Traumzauberbaum“. Irgendwann fragte ich meine Eltern, ob wir auch Rockmusik zu Hause hätten. Etwas irritiert drückten sie mir, wahrscheinlich willkürlich und zufällig, „Heiß wie Schnee“ von den Puhdys in die Hand. Ab dem Moment waren Märchenplatten Kinderkram, und ich wollte mehr Rock. Und da Klaus Scharfschwerdt (damals frisch eingestiegener Drummer der Puhdys) der jüngste in der Band war, dachte ich, ich könnte ja der nächste Trommler der Band werden. Also nahm ich (erfolglos) Schlagzeugunterricht.

Parallel dazu weckte mein Vater mein Interesse für Texte, nur um mir die öden Gedicht-Vorträge im Deutsch-Unterricht schmackhaft zu machen. Ich fand Spaß daran und gewann in Folge jeden Rezitatoren-Wettstreit in der Schule. Irgendwann „entdeckte“ mich das Kinder-Radio, ich bekam eine Sprecherausbildung und wurde Teil vom Hörspiel-Ensemble vom Rundfunk und vom Synchron-Team beim Kinderfernsehen. Nach dem Stimmbruch war es damit vorbei, das Interesse für Radio aber blieb. 1988 habe ich bei DT64 ein Schülerpraktikum gemacht und seitdem hat mich Radio nie wieder losgelassen. Der Mauerfall wirbelte alles durcheinander. Eher zufällig versuchte ich mit Mitte Zwanzig mein Glück als Praktikant bei Radio Fritz. Ich war eigentlich schon zu alt und hatte auch kein journalistisches Studium oder Volontariat vorzuweisen...das ist jetzt 16 Jahre her.


Du hast ja im September 2001 die Sendung von deinem Vorgänger und jetzigen Musikchef Aditya Sharma übernommen. Wie war es damals für Dich dieses Erbe anzutreten? Die Sendung hat ja schließlich eine lange Tradition, einst hervorgegangen aus der DDR – Kultsendung „Tendenz hard bis heavy“ mit Matthias Hopke.

...und Jens Molle! Die Sendungen der beiden haben mich musikalisch sozialisiert, deshalb war und ist es bis heute für mich eine große Ehre, die Tradition von harter Musik beim Jugendradio fortzuführen. Das Stahlwerk ist viel mehr als „nur“ eine Radiosendung, es ist Plattform, Treffpunkt und Netzwerk zugleich. Das Stahlwerk besteht, unter verschiedenen Namen, seit 1987 und wird dieses Jahr 30. Ich denke es ist nicht vermessen von einer Institution zu sprechen, die bis heute in der öffentlich-rechtlichen Radiolandschaft einmalig ist. Die Sendung ist für viele Hörer ein fester Bestandteil im Tagesablauf und bekommt enorm viel Hörerpost, die ich immer persönlich beantworte. Und natürlich war ich aufgeregt vor der ersten Sendung. Lampenfieber gehört dazu. Wenn es vor der Show nicht kribbelt, wird die Arbeit zur Routine und ich kann es sein lassen.

Mittlerweile hast du ja vielleicht so an die 800 Sendungen auf dem Buckel. Kannst Du dich noch an deine erste erinnern? Existiert eventuell noch eine Playlist von diesem Tag?

Wenn wir alle anderen Fritz-Sendungen zusammennehmen sind es….Tausende! Mit über 800 Interviews... Wahnsinn! Klar kann ich mich an meine erste Sendung erinnern. Der Kollege Aditya Sharma besuchte seine Familie in New York, es war der 11. September 2001. All Flüge aus New York wurden gestrichen, Adi kam nicht rechtzeitig zur nächsten Sendung zurück nach Deutschland. Also bat mich der damalige Fritz-Chefredakteur Konrad Kuhnt, spontan einzuspringen. „Kranz, du hast doch Ahnung von Krachmusik. Mach mal!“, sagte er. In meine erste offizielle Sendung hatte ich meine Freunde, die Beatsteaks eingeladen, die damals in der Fritz-Musikredaktion noch auf Ablehnung stießen. Zu Punkrock, zu klein, zu speziell, sagte man mir.

Im Stahlwerk präsentierst du ja regelmäßig illustre Studiogäste zum Interview. Welches Gäste waren bis dato die interessantesten für Dich?

Das ist schwer zu beantworten, denn alle Gäste sind interessant – sonst würde ich sie nicht einladen. Manchmal ist es enttäuschend, wenn man mit jemanden ins Gespräch kommt dessen Musik man sehr schätzt, der sich dann aber als menschliche Luftpumpe entpuppt. Sowas passiert. Interessant wird es immer, wenn aus den Interviews echte Gespräche werden. Man merkt schnell, ob der Interviewte nur Standard-Floskeln auf Lager hat oder wirklich etwas erzählt. Deshalb versuche ich alle Interviewpartner, soweit es irgend möglich ist, live einzuladen. Die Atmosphäre ist lockerer als bei offiziellen Presse-Terminen, wo jeder Journalist 15 Minuten für seine Fragen bekommt und für die Hörer ist die Chance, den Gast im Gespräch zu erleben viel spannender als nur kurze Statements vorgesetzt zu bekommen. Außerdem kann man die Stars bei uns im neuen Kreuzberger Studio auch live treffen, der Zugang zur Baumhausbar ist ja öffentlich. Insofern ist für mich der Live-Aspekt der Sendung, trotz aller Möglichkeiten von Streaming, einer der wichtigsten.

Welcher Gast fehlt dir noch auf Deiner to do - Liste?
Ich würde gern mit Brian Johnson über seine Leidenschaft zu Rennwagen sprechen, leider war dazu nie Gelegenheit. Rush-Drummer Neil Peart ist eine große Inspiration, allerdings gibt er aus nachvollziehbaren persönlichen Gründen kaum Interviews. Ronnie James Dio sagte das bereits bestätigte Interview bei seinem letzten Konzert in Berlin wenige Stunden wegen seines schlechten Gesundheitszustandes vorher ab. Drei Tage später spielten Heaven And Hell in Wacken, das war sein letzter Auftritt. Ansonsten ist meine Wunschliste endlos und ändert sich ständig, denn jeder hat eine spannende Geschichte zu erzählen und jede Woche entstehen neue Bands, von denen wir mehr zu dem woher? warum? wohin? erfahren wollen.

Auch als Schreiberling bist Du ja viel in der Weltgeschichte unterwegs. Da erlebt man ja auch so einiges. Welche Story war in dieser Hinsicht Dein persönliches Highlight?

Inspirierend waren alle Gespräche mit Lemmy Kilmister. Ich mochte seinen Humor und seinen Stil. Er war immer höflich, zuvorkommend und gleichzeitig als Gesprächspartner sehr fordernd. Wenn du keine guten Fragen gestellt hast, gab es auch keine guten Antworten und das Gespräch war in wenigen Minuten vorbei. Andererseits konnte es auch mal wesentlich länger als geplant gehen.

Überraschend war eine Geschichte für den Metal Hammer. Ich sollte eine Homestory über Volbeat in Kopenhagen schreiben. Die Band war zwischen zwei langen Touren für wenige Tage zu Hause. Wir wollten uns im Proberaum der Band treffen, doch in der Nacht vor dem Termin gab es ein Unwetter und das Gebäude stand unter Wasser. Also sind wir spontan in einen Plattenladen gegangen. Dort hingen lauter alte King Diamond-Scheiben an den Wänden, der Besitzer kam mir irgendwie bekannt vor. Es war Michael Denner, der Gitarrist von Mercyful Fate. Wir kamen spontan ins Gespräch und sind bis heute in Kontakt.


Du hast ja nicht nur die großen Stars vorm Mikro gehabt. Du hegst ja auch eine intensive Leidenschaft zum lokalen Underground und bietest jungen Bands eine große Plattform. Welche Bands haben Deiner Meinung nach das Potential the next big thing zu werden?

Da muss ich leider desillusioniert sagen: es gibt kein next „big“ thing mehr, die Zeit der Superstars ist vorbei. Es wird keine Band mehr den Status von Iron Maiden, Kiss oder Metallica erreichen, dazu ist das Business zu schnelllebig geworden. Labels können oder wollen es sich kaum noch leisten, eine Band über mehrere Jahre aufzubauen. Ebenso ist es für Musiker schwierig ungestört einen Sound und Stil zu entwickeln, wenn jeder neue Furz sofort im Netz breitgetreten und diskutiert wird. Von den nicht vorhandenen Einnahmen ganz zu schweigen. Studio, Equipment, Reisen, Artwork, auch die Bockwurst an der Tanke muss irgendwie bezahlt werden. Doch beim Künstler bleibt, trotz Millionen Klicks im Netz, kaum was hängen. Auf die Euphorie der ersten zwei Platten folgt schnell die Ernüchterung, dass das Geschäft brutal und hart und, nunja, ein Geschäft ist.

Klar ist es heute viel leichter seine Musik bekannt zu machen, dafür ist es aber um so schwerer eine beständige Karriere aufzubauen. Zum Glück ist der Untergrund voll mit talentierten Kapellen, die nicht müde werden ihren Traum zu leben. Derzeit passiert zB im Untergrund mehr als je zuvor, seien es Demos, Festivals oder Fanzines. Aber next „big“ thing? Welche Halbwertzeit haben denn die heutigen „Superstars“? Ich finde es wichtiger, dass es eine ausgewogene Mischung aus Groß und Klein gibt. Ohne den Mainstream hätte der Untergrund keinen Grund zur Rebellion und ohne den Untergrund wäre der Mainstream eine langweilige Seifenblase aus Marketing-Plänen, gesponsorten Mega-„Events“ und „Greatest Hits“-Compilations.

Mit schlappen 42 Jahren hast Du doch sicherlich beruflich noch Träume, Visionen und vielleicht noch nicht alles erreicht? Wie siehst Du die nächsten Jahre, wie könnte es mit Jakob Kranz weitergehen? Käme eventuell die Weltherrschaft in Frage? (da muss ich einhaken, Herr Schrod. Die wollen wir doch erringen? Olaf)

Weltherrschaft...vielleicht sollten wir wirklich ein paar Rock´n Roller zusammentrommeln und den grassierenden Irrsinn in dieser Welt beenden. Gitarren statt Knarren, hat schon Udo Lindenberg zu Erich Honecker gesagt! Beruflich bin ich da, wo ich sein will: ich betreibe sowohl das Stahlwerk als auch die Schreiberei semi-professionell nebenbei. Ich wollte nie wirtschaftlich von meiner Leidenschaft abhängig sein. Wenn das passiert wird man angreifbar und schreibt vielleicht für ein paar Cent Honorar oder eine Promo-CD über Themen, hinter denen man eigentlich nicht steht. Wenn man seine Ideale nicht verraten will, ist es als Musikjournalist ebenso schwierig eine Familie zu ernähren, ebenso wie als Musiker. Deshalb gehe ich zufrieden einem regulären Dayjob nach. Und wenn andere nach Feierabend zur Playstation, zum Sport oder in die Kneipe gehen, klemme ich mich hinter Mikrofon oder Tastatur und rede oder schreibe über die beste Musik der Welt, die ich vielleicht in diesem Augenblick gerade erst entdeckt habe.

Mein Anspruch an mich selbst ist, dass ich mindestens eine Band pro Monat neu entdecken will, die mich völlig umhaut und von der ich sofort alle Platten, Demos und Shirts kaufen will. Wenn das nicht mehr der Fall ist, dann kann ich mich satt und zufrieden in meine Höhle zurückziehen und niemandem mehr auf die Nerven gehen. Zum Glück ist das immer noch nicht der Fall. Alleine in diesem Januar 2017 sind schon vier neue Bands auf meinem Radar aufgetaucht! Welche? Das hört ihr im nächsten Stahlwerk!


Jakob, ich danke dir, dass Du Dir Zeit für diesen spontanen Interview – Quicki genommen hast. Es war mir ein inneres Blumenpflücken. Somit verabschiede ich mich und gebe die letzten Worte an Dich weiter. Bleib wie Du bist, vor allen immer schön frech!

Quickies mit Dir sind mir die liebsten, Schrod! Schuldest du mir eigentlich noch ein Eiterooge?

Wenn dem so ist, werde ich meine Schuld beim diesjährigen Party San Open Air zu begleichen wissen. Wer jetzt noch mehr über das Treiben des Herrn Jakob Kranz erfahren möchte, hier noch ein paar sachdienliche Hinweise.

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