Lange Haare waren Einstellungskriterium

Es ist gar nicht so lange her, da philosophierte ich mit Chris über die Berliner Szene, die in unseren Augen ziemlich brach lag. Für eine solche Millionenstadt ist die Dichte an guten Metalbands geradezu ein Witz und nicht gerade förderlich für den oft gepriesenen Lokalpatriotismus. Daher freute es mich umso mehr, als plötzlich diverse CDs von Berliner Combos auf meinen Schreibtisch flatterten und unsere These ziemlich ad absurdum führte.Voltron, Orphanhate und vor allem Declamatory, die ich a) vorher noch nicht einmal namentlich kannte und b) von den drei benannten Bands in meinen Augen die größte Chance haben, sich im Haifischbecken „Musikindustrie“ durchzusetzen. Ok, in Bezug auf die Reviews landete der Fünfer „nur“ auf Platz 3, doch nach einem fulminanten Auftritt bei ihrer Record Release Party im Berliner Eastend, bei dem die Jungs so ziemlich amtlich die Menge in den Boden stampfte, erkannte man die Professionalität und Ernsthaftigkeit der Band, weiter zu gehen und Grenzen auszuloten. Gerade die im Vorprogramm aufgetretenen Bands mussten dies schmerzlich erfahren, denn Declamatory machten ausnahmslos keine Gefangenen und ließen den Rest mehr als alt aussehen. Ich jedenfalls kam schnell zu dem Schluss, dass die Jungs live eine Macht sind und wenn diese Power auch 1:1 aufs nächste Album übertragen werden kann, der steilen Karriere nichts mehr im Wege steht. Viel Stoff also, um mit den Jungs mal ein kleines Schwätzchen zu halten und auch das Album „Human remains“ aus Bandsicht zu durchleuchten und somit setzte ich mich mit Sänger Robert Scholich, Drummer Eric Klieme und Gitarrist Sebastian Fischer zusammen und plauderte drauf los…
Stellt Euch doch bitte der breiten Masse einfach mal kurz vor…

Robert: Ich bin der Sänger und zusammen mit Toni das einzig verbliebende Gründungsmitglied von Declamatory. Ich mach das jetzt seit 12 Jahren, seit der zehnten Klasse, wo wir uns im Rahmen eines Schulprojektes etwas aussuchen sollten und wir uns für eine Band entschieden haben…

Es hätte also auch ein Ballet-Ensemble bei herauskommen können…

(Großes Gelächter). Robert: Eher nicht, das macht ja auch nicht ganz so viel Spaß…

Sebastian: Ich bin Basti, einer von zwei Gitarristen bei Declamatory und bin relativ neu in der Band und erst 2009 dazu gestoßen. Ich habe vorher schon zusammen mit Eric in einer Band gespielt und als dann der Bedarf an einem guten und gutaussehenden Gitarristen da war, habe ich zugeschlagen (Gelächter).

Robert: Und lange Haare waren ein Einstellungskriterium.

Eric: Ich bin der Neuste und sitze seit 2011 hinterm Schlagzeug und „Human remains“ einzuspielen war meine erste Aufgabe für die Band. Man kannte sich allerdings schon vorher durch diverse Bandbekanntschaften und somit war der Einstieg nicht weiter schwer.


Seit Eurer Bandgründung im Jahre 2000 sind satte 12 Jahre ins Land gegangen bevor ihr die Welt mit Eurem wirklich beeindruckenden Debüt „Human remains“ beglücken konntet. Das sind ja schon fast Aerosmith Verhältnisse…

Robert: Dazu muss man allerdings sagen, dass wir über die ganzen Jahre auch schon Demos und EP’s unter den Hand veröffentlicht haben…

Unter der Hand? Also auf dem Schwarzmarkt?

(Gelächter) Robert: Sozusagen. Es ist halt schwer, heutzutage Plattenlabels von dir und deiner Musik zu begeistern.

Doch nun seit gestern offiziell mit Eurem ersten Album „Human remains“ ausgestattet und heute die Release Show. Nervös? Eric, Du siehst jedenfalls so aus.

Eric: Natürlich bin ich etwas nervös. Ich glaube aber, dass das einfach dazugehört, um die Spannung hoch zu halten.

Sebastian: Wir wollen uns heute präsentieren, den Leuten gefallen und Eindruck hinterlassen. Wir haben lange geprobt, sind heiß und wollen raus, um live zu spielen. Wir wollen unser Zeug loswerden (Gelächter).


Ich jedenfalls muss ehrlich gestehen, dass ich vor dem heutigen Abend von Euch noch nie was gehört hatte, doch fast Jeder mit dem ich sprach, kannte zumindest Euren Namen…

Robert: Wir haben ja auch schon einige Konzerte gespielt und uns versucht, ins Gedächtnis der Leute einzubrennen. Ich freue mich darüber wenn ich höre, dass man uns kennt…oder zumindest mal von uns gehört hat (lacht).

Mit solch einem starken Erstling sollte das doch eigentlich kein Problem sein, vor allem mit dem interessanten Konzept, welches hinter dem Album steht. Erzähl mal…

Robert: Da ich dafür verantwortlich bin, muss ich jetzt wohl Stellung beziehen. Ich erzähle Geschichten über die Menschen in vielleicht 50 Jahren, nachdem die Klimakatastrophe gesiegt und die Welt in seiner ursprünglichen Form zusammengebrochen ist. Da es ja dort immer noch Menschen geben wird, habe ich mir einen Konflikt zwischen denen, die immer noch in den Städten wohnen und sich der alten Technologie bemächtigen wollen und den anderen, die die Städte verließen und in einer wahren Völkerwanderung von einem Ort zum anderen ziehen ausgedacht. Das hier Konflikte vorprogrammiert sind, ist ja wohl klar. Die Städter sind hier die „Crystal gods“, die sich gegen die Beutezüge der „Raiders“ behaupten müssen.

Und dieses Konzept soll sich auf mehrere Alben übertragen, hab ich gelesen…

Robert: Da war von drei Alben die Rede, es könnten aber auch mehr werden. Ideen habe ich genug, die Texte sind allerdings noch nicht geschrieben.

Eric: Auf jeden Fall stehen wir alle komplett hinter dem Konzept, da auch die visuelle Umsetzung auf der Bühne passend und stimmig ausgefallen ist.

Sebastian: Wir haben uns vor der Platte hingesetzt und lange darüber diskutiert, was wir dem Hörer wirklich bieten wollen und standen total auf die Geschichte, welche sich über die nächsten Jahre wie ein roter Faden fortsetzen wird. Und die Leute in unseren Kosmos mitzunehmen ist schon extrem spannend, der sich auch auf die visuelle Aufarbeitung live oder in Flyern niederschlagen wird und uns in den Augen der Fans vielleicht „attraktiver“ macht.
Und bei Euch wird noch selber vertrieben?

Robert: Momentan werden wir die CD auf Konzerten verkaufen und natürlich in unseremOnline Shop(der wirklich mehr als empfehlenswert ist-Olaf). Auf jeden Fall ist erst einmal die Livepräsenz von entscheidender Bedeutung. Wir wollen spielen…

Und das kann schwierig werden, da der Markt ja ziemlich zugemüllt ist und viele Venues ja schon seit langem ausgebucht sind.

Robert: Wobei wir als Berliner Band scheinbar bessere Karten haben, denn bislang hat das immer ganz prima funktioniert.

Wie seid Ihr überhaupt an diese fette und druckvolle Produktion geraten? Ich schrieb ja was von wegen „Dark tranquillity meets In flames“…

Robert: Was ich persönlich nicht ganz nachvollziehen kann, da diese Bands absolut gar nicht auf meinem Zettel stehen. Ich habe In Flames bei der „Whoracle“ noch gehört, doch alles was danach kam, ging irgendwie gar nicht mehr.

Sebastian: Bei mir ist es eher umgekehrt. Ich finde die neuen Sachen der beiden Bands durchaus ansprechend und gut, konnte allerdings anfangs mit Deinem im Review angestellten Vergleich auch nicht allzu viel anfangen, kann aber mittlerweile den Vergleich ganz gut nachvollziehen, der sich durch die fette Produktion sicherlich ableiten lässt. Und wenn man uns wirklich zukünftig mit diesen Bands in einen Topf wirft, kann ich gut damit leben und wir haben alles erreicht (grins).

Robert: Interessant war Dein Vergleich auf jeden Fall, man muss ja den Leuten irgendeinen Anhalt geben damit sie sich vorstellen können, um was es sich letztendlich handelt. Ich bin eher der Thrasher und kein Melo-Deather, da gehen aber die Bandmeinungen eh in unterschiedliche Richtungen (Gelächter).
Einer meiner wenigen Kritikpunkte, der allerdings die Note ein klein wenig nach unten drückte, waren die cleanen Gesangspassagen, die in meinen Augen ziemlich unpassend eingefügt wurden…

Robert: Was ich durchaus nachvollziehen kann, denn solche Passagen sind immer kontrovers. Es gibt viele Leute die sagen, dass gerade das unseren Sound ausmacht. Ich persönlich finde diesen Gesang gut, denn dadurch bringen wir noch eine ganze Menge an Abwechslungsreichtum in unseren Sound mit ein. Außerdem habe ich keinen Bock, ein ganzes Konzert lang nur rumzubrüllen (lacht). Außerdem erreichen wir dadurch vielleicht auch Leute, die ansonsten solch eine Mucke gar nicht erst hören würden. Ich nehme Deine Kritik aber an und verspreche, kontinuierlich daran zu arbeiten, dass es zukünftig besser wird, hahaha.

Wie sind Eure weiteren Pläne für die nahe Zukunft?

Robert: Wir müssen natürlich gucken und abwarten, wie das weitere Presseecho ausfallen wird, wie sich die Scheibe verkaufen wird und überhaupt die Reaktionen sind. Auf jeden Fall werden wir im Dezember schon damit anfangen, neue Songs zu schreiben und die Geschichte fortzuführen. Die neue Scheibe soll spätestens Anfang 2014 rauskommen. Und live wollen wir spielen…

Ist Euch ein finanzieller Erfolg wichtig?

Robert: Mir nicht. Es ist heutzutage eh enorm schwierig, mit der Art von Musik, wie wir sie spielen, einen finanziellen Erfolg zu erzielen. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass wir damit reich werden könnten.

Sebastian: Wir haben einfach Bock, live zu spielen und wenn eine Band wieDestruction fragen würden, ob wir sie auf Tour begleiten würden? Sofort!

Robert: Da muss aber dann die Kohle stimmen (Gelächter).

Sebastian: Wenn damit irgendwann mal Geld zu verdienen ist, reinvestieren wir das meiste eh in unsere Musik. Wir wollen uns unsere Unabhängigkeit bewahren, was allerdings nicht heißen soll, dass wir nicht offen für Anfragen seitens Veranstaltern oder Plattenfirmen sind, ganz im Gegenteil. Aber im Endeffekt wollen wir uns nicht in einem Knebelvertrag irgendeiner Company wiederfinden, sondern weiterhin das machen, was uns als Geeignetsten erscheint.

Eric: Dem habe ich Nichts hinzuzufügen (Gelächter).

Robert: Enthusiasmus und Idealismus pur. Ich möchte irgendwann mal auf mein Leben zurückblicken und sagen können: Seht her, dass ist etwas, was ich geschaffen habe, was meinen Gedanken entsprungen ist. Das ist mein Ziel, dem ich mit dem Album schon ein großes Stück näher gekommen bin.

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