CD-Reviews W-Z

WUCAN – Heretic Tongues (2022)

(7.792) Patrick (8,5/10) Magic Hardrock from The Krauts


Label: Sonic Attack Records
VÖ: 20.05.2022
Stil: Magic Hardrock from The Krauts

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Was hat mir denn der Chef da wieder in den Ordner gepackt? Liegt da doch ein Album einer Band, von der ich noch nie etwas gehört hatte. Gut, dieser Umstand allein muss prinzipiell nichts Schlechtes bedeuten, aber nach einem ersten Blick verfügt dieses musikalische Produkt zu allem Überfluss noch über ein Cover, bzw. ein Bandlogo, welches auf Okkult Rock oder ähnlich gelagerte Mucke hindeutet. Na großartig, das ist ja genau mein Ding! Eine kurze Facebook Recherche bestätigte meine schrecklichen Befürchtungen, denn WUCAN aus Dresden spielen laut eigener Aussage „Magic Hardrock From The Krauts“, sehen auf Bandfotos aus wie die Reinkarnation der 70er und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, steht bei der Formation auch noch eine Dame am Mikro.

Um evtl. aufkommende Missverständnisse gleich auszumerzen, ich habe weder etwas gegen „Rock“, noch weniger gegen „Hard Rock“ und schon gar nichts gegen Frauen, aber mit dieser ganzen „Retro-Occult-Rock Welle“ konnte ich bisher mal so überhaupt nichts anfangen und sogenannte „Female Fronted Bands“ stehen auf meiner Geschmackspyramide auch nicht gerade ganz oben. Aber egal...hilft ja nix.

Entsprechend zögernd legte ich „Heretic Tongues“ in den Player, doch bereits die ersten Sekunden des Openers „Kill The King“, ließen sämtliche Zweifel verblassen und in der Nichtigkeit verschwinden. Ich war augenblicklich und im Angesicht der aufkeimenden Begeisterung über das gerade Gehörte, meinen dunkelsten Befürchtungen zuwider, verständlicherweise sehr verwirrt. Was für´n geiler Scheiß ist das denn bitte? Knackiger, gut nach vorne preschender und im positiven Sinne altbacken klingender (Hard) Rock, zudem sich eine herrlich gespielte Querflöte gesellt, die sofort Parallelen zu den göttlichen JETHRO TULL durchscheinen lässt. Dann erhebt Sängerin Francis Tobolsky, welche auch die E-Gitarre und die eben erwähnte Flöte bedient, die Stimme und auch diese Tatsache weiß mich sofort zu begeistern. Was für eine fantastische, abwechslungsreiche und sehr dynamische Gesangsdarbietung. Was für ein starker Song!

Nicht minder schwächer geht es mit dem folgenden Highlight „Don´t Break The Oath“ weiter. Mit den Heavy Metal Titanen MERCYFUL FATE hat das Ganze, entgegen dem erwartungsschwangerem Titel zwar absolut nichts zu tun, dennoch lebt der Song von seinem lockeren Drive, dem eindringlichem und recht heavy klingendem Gitarrenspiel und dem sofort im Hirn bleibenden Refrain. Auf die Flöte wird hier erstmal verzichtet, doch kehrt diese im dritten Song „Fette Deutsche“ auf eindrucksvolle Art und Weise zurück in den Bandsound. Wie der Titel schon andeutet, wird dieser Song in Deutscher Lyrik dargeboten, was anfangs erstmal etwas ungewohnt und leicht komisch wirkt. Seltsamerweise funktioniert aber auch dieses Unterfangen erstaunlich gut und so geht dieser Track ebenfalls schwer eingängig und mit einem gewaltigen Stimmspektrum seitens der Frontdame, die hier auch noch ein Theremin zu bändigen vermag, ohne Umwege direkt ins Ohr.

Mittlerweile frage ich mich ernsthaft, was denn mit mir passiert sein muss, denn meine ursprüngliche Skepsis ist mittlerweile purer Begeisterung für das eben gehörte gewichen und so nistet sich das zart beginnende „Far And Beyond“ ebenfalls ohne Umweg in der grauen Masse ein und wird dort sicherlich noch für einige Zeit verweilen. Dominiert hier grundsätzlich der rockige Anteil im Arrangement, so kommt das folgende und fast gleich betitelte „Far And Beyond (Until We Meet Again)“ dann ein wenig „funkiger“ daher, was sich vor allem in der Gitarrenarbeit bemerkbar macht und so verleiht die Band dem Song einen leichten „Disco“ Touch. Ungewöhnlich, anders, aber immer auf allerhöchstem Niveau und einfach unglaublich gut.

Auf die Coverversion der KLAUS RENFT COMBOZwischen Liebe und Zorn“ hätte ich persönlich allerdings gut und gerne verzichten können. Viele würden wohl höchstwahrscheinlich gar nicht merken, dass sich hier ein Cover aufs Album geschlichen hat und gerade deshalb fügt sich der Song recht unauffällig in den Sound ein, aber speziell die stellenweise komisch verzerrten Vocals treffen hier nicht ganz meinen Geschmack und stören etwas den Fluss beim Hören, aber auch das ist letztendlich wohl nur Geschmackssache.

Entschädigung dafür gibt’s dann im zwölfeinhalbminütigen Rausschmeißer „Physical Boundaries“, bei dem sich die Dresdener Kapelle nochmal auf all ihre Stärken besinnt, diese zu einer großartigen Einheit bündelt und einen extrem kunstvollen, wenn auch weniger eingängigen und nicht so leicht verdaulichen, aber irrsinnig intensiven Albumabschluss geschaffen hat.

WUCAN haben mit „Heretic Tongues“ ein wunderbar stimmiges und für mich wahrlich überraschendes Album abgeliefert, welches mich entgegen allen bösen Befürchtungen völlig abgeholt hat und beim Hören unheimlich viel Spaß und Gute Laune verbreitet und gerade diese Tatsache macht unmissverständlich klar, dass es sich manchmal wirklich lohnen kann, wenn man seinen z.T. engstirnig beschränkten Horizont ein wenig erweitert und ab und an mal über den allseits bekannten Tellerrand hinausblickt. Ich bin jedenfalls schwer gespannt, was uns diese Band in Zukunft noch präsentieren wird. Geiles Ding. Kaufen!

Anspieltipps: „Kill The King“ und „Don´t Break The Oath“


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Kill The King
02. Don´t Break The Oath
03. Fette Deutsche
04. Far And Beyond
05. Far And Beyond (Until We Meet Again)
06. Zwischen Liebe und Zorn
07. Physical Boundaries



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