BELPHEGOR | ENTHRONED| NERVO CHAOS | NORKH

04.10.2017 - Berlin @ SO36

Ungewohnte Klänge im ansonsten eher im Hardcore und Punk Bereich beheimateten Kreuzberger Club, der ab und an auch für saftige Thrash und Todesbleiklänge seine Bühne zur Verfügung stellt. Black Metal allerdings sollte für mich heute eine Premiere im SO36 sein, in dem ein paar Tage später die Hip-Hop Legende Onyx ihre Visitenkarte abgeben werden, was beweist, wie breitgefächert das Angebot dieser Berliner Legend ist. An diesem Abend sollten allerdings die schwarzmetallischen Klänge die Oberhand behalten, bei dem die österreichischen Hohenpriester von Belphegor das Event als Headliner bestreiten würden. Ich war aufgrund meiner letztjährigen, nicht gerade positiven Erfahrungen mit Helmut und seinen Mannen mehr als skeptisch, was den heutigen Auftritt anbelangte und vor allem sah ich der Tatsache, dass insgesamt 5 Bands spielen sollten, mit recht gemischten Gefühlen entgegen. Da aber kurzfristig die Norweger von Nordjevel ihre Teilnahme an diesem Event ohne Angabe von Gründen cancelten, sollten lediglich 4 Bands für einen berauschenden Abend sorgen, was in meinen Augen auch vollkommen ausreichen sollte.

Warum zum Teufel (passend zum Abend) hielt man aber stur am Beginn um 18:30 fest? Man hätte ja durch diesen Ausfall die Spielzeit ein klein wenig nach hinten verlegen können, denn dadurch verpasste ich den Auftritt der Lokalmatadore von Norkh fast gänzlich und konnte lediglich deren letzten Track als Beweis dafür nehmen, dass das Berliner Trio durchaus eine Bereicherung der hiesigen Hartwurstszene darstellt. Muss ich mal im Auge behalten sollte, was anhand der recht häufigen Auftritte in der bundesdeutschen Hauptstadt kein größeres Problem darstellen sollte. Witzig war definitiv der Kollege im Raucherbereich, der mir Stein und Bein schwor, dass die eben gesehene Band DEFINITIV Nervo Chaos gewesen sein MUSS und selbst mein Argument, dass die Jungs so gar nicht südamerikanisch aussahen und statt portugiesisch fast fließend deutsch sprachen, ließ der Gutste nicht gelten.
Als dann aber die Angesprochenen die Bühne enterten war klar, wer in dem vorangegangenen Streitgespräch die Oberhand behielt. Die Bande aus Sao Paulo legte jedenfalls von Beginn an ein ungeheures Tempo vor und konnten mich vom ersten Takt an komplett überzeugen. Dennoch stellte ich mich während des hier Dargebotenen immer häufiger die Frage, wie der rabenschwarz angehauchte Todesblei der Brasilianer klingen würde, hätten sie einen vernünftigen Schlagwerker am Start, denn das Arbeitszeugnis von Edu enthielt hier lediglich ein "Mangelhaft". Der Rest von Nervo Chaos, allen voran die stets diabolisch posende Gitarristin Cherrry, lieferten mehr als ordentlich ab, was ihnen nach jedem Song mehr als den üblichen Höflichkeitsapplaus einbrachte. War ein starkes Stück Mucke und wenn man dem mit einem arschvoll Tourdaten vollgepackten Backprint ihres Shirts Glauben schenken durfte, kann der Vierer weltweit auf eine recht stattliche Anzahl an Followern bauen. Mich jedenfalls dürfen sie gerne in diese Gemeinschaft hinzufügen.
Ich gebe es unumwunden zu und halte mit meiner Meinung auch nicht hinter dem Berg: Black Metal ist nicht unbedingt meine bevorzugte Musikrichtung. War es noch nie, wird es auch zukünftig nicht werden und dennoch gibt es einige Bands aus diesem Sektor, denen ich gerne meine Aufmerksamkeit schenken. Eine davon waren und sind die Belgier von Enthroned, die mich erstmals bei einem Gig vor vielleicht 11 Jahren begeisterten und auch an diesem Abend sich bleibend in mein Gedächtnis prügelten. Unglaublich präsent, hellwach und mit einer unbändigen Spielfreude gab das Quintett von der ersten bis zur letzten Sekunde Kniegas und begeisterte das vielleicht zu einem Drittel gefüllte SO36 vollends. Zuweilen erinnert mich diese sinistre Truppe mehr als wohlwollen an deren von mir ebenso hoch eingeschätzten Kollegen von Naglfar, vor allem in den langsameren Passagen, die der Brutalität der Belgier noch mehr Nachdruck verleihen. Sah das anwesende Fußvolk ebenso und feierte die Jungs aus dem Pommesländle gnadenlos ab. Ein Kollege hielt sogar während des gesamten Gigs eine belgische Fahne in die Höhe…Respekt Keule, mir wären irgendwann die Arme abgefault. Ein Gig, der nach passender Obertrikotage schrie und mehr als nachhaltig war.
Um eine Fußball-Metapher zu bemühen: Belgien führte zur Halbzeit knapp mit 1:0 und obwohl Österreich nun nicht unbedingt zu den Großen in der Welt des runden Leders gehört, konnten wir uns auf eine zweite Halbzeit freuen, obwohl Belphegor bei mir im Jahr zuvor knapp dem Abstieg entronnen war. Also Aufstellung eingenommen und Anpfiff zu den letzten 45 Minuten. Wobei…war schon ein klein wenig länger, doch wie gesagt…Metapher.

Als nach einem diabolischen (was denn sonst?) Intro Helmut Lehner und seine Kompadres die Bühne betraten, fiel zugleich das saubere Gesamtbild auf. Zwei überdimensionale Kreuze des Südens, Schädel, Skelette (nicht die aus dem Bio-Raum Deiner Schule) und eine nihilistisch aufgelegte Band, die das volle Programm fuhr und untermalt von einem brutalen Sound jedem der Anwesenden den Kopf abhakte. Nur dieser eklige Weihrauch, mit dem Belphegor schon bei ihren letztjährigen Gastspielen den einen oder anderen Veranstalter nicht nur zu Hustenanfällen reizte, ging mir anfangs ziemlich auf die Ketten. Doch das hier Gesehene machte alles vergeben und vergessen und zeigte dramatisch, wie gut die Truppe im nunmehr 25.Jahr ihres Bestehens immer noch drauf ist. Was mir sehr positiv auffiel waren einerseits Helmuts gedrosselte Ansagen (kein andauerndes GERRRRMANIAAAAA) und die etwas spärliche Bühnenperformance, die allerdings das Ganze noch einen Tick diabolischer machte, als es sowieso schon war.

Serpent, Live Gitarrist Impaler und vor allem Drummer Simon Schilling waren in absoluter Höchstform und ballerten alles nieder, was nicht bei 3 auf einem umgedrehten Kreuz war. Lediglich die Setlist wies einige eklatante Lücken auf. Wo zur Hölle (muss an dieser Stelle erlaubt sein) war „Bondage Gost Zombie“? Ebenfalls hoffe ich bis zum letzten Gig in der Karriere Belphegors noch darauf, endlich mal „Bluhtsturm erotika“ live erleben zu dürfen. Dafür werde ich auch gerne mal ein Schwein opfern…oder Sonntagfrüh eine Packung Bacon. Wie dem auch sei…die Jungs aus den Alpen zeigten an diesem Abend eine absolut grandiose, apokalyptische Darbietung, die entsprechend vom Publikum honoriert wurde, wobei die manchmal anhaltende Stille zwischen den Songs mehr der Dramaturgie geschuldet war, statt eines mangelnden Enthusiasmus jedes Einzelnen im SO36. Dennoch…eine Zugabe war ein bissken dünne, schmälerte den überragenden Gesamteindruck dieses infernalischen Massakers aber keineswegs. Tja…somit gewann Österreich die zweite Halbzeit und siegte letzten Endes auch in dieser Höhe verdient mit 4:1 gegen die sich tapfer wehrenden Belgier.

Sanctus diaboli confidimus
Bleeding salvation
The devil's son
Swinefever-Regent of pigs
Totenbeschwörer
Conjuring the dead
Stigma diabolicum
Totenkult-Exegesis of deterioration
Lucifer incestus
Baphomet
Diaboli virtus in lumbar est

Social Media

Album des Monats

Album der Woche

Album des Jahres

The new breed

P P P

Z.O.F.F. 2020

alter Z.O.F.F.

On Tour

VERLOSUNGEN

ZO SONGCHECK

V.I.P.

Schrod's...

wo wir sind

Der Patch

Join the Army

Damit das klar ist