SEPULTURA | OBSCURA | GOATWHORE | FIT FOR AN AUTOPSY

06.03.2018 - Berlin @ Columbia Theater

Da guckste aus dem Fenster und erblickst Schnee. Diese eklige, weiße Masse, der sich in dicken Wänden vor meiner Terrasse ergoss und so gar nicht brasilianisches Flair aufkommen lassen wollte. Doch was soll's, schließlich hat man ja einen Bildungsauftrag und eine Chronistenpflicht zu erfüllen und den unwiderlegbaren Beweis zu erbringen, dass die unter den Namen Sepultura agierende Combo die echten Bewahrer des Erbes dieses Thrash Giganten aus Südamerika sind und nicht die beiden Cavalera Brüder, die sich mit ihrer erneut lustlosen Vorstellung Ende letzten Jahres für mich endgültig ins Abseits katapultierten. Also, ab in die Moonboots, den dicken Schal umgewickelt und ab in Richtung nördlichsten Rand Tempelhofs.

Pünktlich um Viertel vor sieben, oder in Berliner Fachjargon dreiviertel Sieben, einstiegen die New Jersey Deathcoreler von Fit for an autopsy der Unterwelt und langweilten mich zu Tode. Es gibt schon einige Bands aus dem Genre, die ich mir notgedrungen anhören kann und denen ich sogar eine Daseinsberechtigung attestiere, doch das hier Dargebotene animierte doch mehr dazu, den Hopfenhaushalt im Gleichgewicht zu halten und den Nikotinpegel für das noch Kommende leicht zu erhöhen. Ehrlich, ich habe es versucht, doch diese sinnfreie Aneinanderreihung von Breakdowns, Hyperspeed Geknüppel und an Pauschalurlaub erinnernde Animationsversuche seitens des Frontbollos, stießen bei mir auf wenig Gegenliebe. Zur Ehrenrettung muss allerdings erwähnt werden, dass einiges Jungvolk voll auf die Band abgingen und mit wilden Kung-Fu Einlagen und einen Tanz, der eher an ein eierlegendes Huhn erinnerte, der wilden Horde von der Ostküste ihren Tribut zollten. Dennoch...ich finde Katzenbilder auf Facebook spannender.

Es wurde also dringend Zeit, sich die völlig verklebten Gehörgänge ordentlich durchspülen zu lassen, was mit einer solchen Walze wie Goatwhore ein ziemlich leichtes Unterfangen sein würde. Und Holla die Waldfee, die Bande zog mich vollkommen von den Socken und zerfickte das Columbia Theater nach allen Regeln der Kunst. Ich war so im Geschehen vertieft das ich gar nicht merkte, dass Frontbarde Louis seinen Part im Sitzen vollzog und nach dem Gig mit Krücken herausgeleitet wurde. Was nun exakt vorgefallen war, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, doch selbst auf einem Case entspannt fläzend versprühte der "Sitzriese" immer noch mehr Power, als so manch andere Band ohne nennenswerte Handicaps oder eingeschränkten Aktionsradius. Musikalisch spulten die Jungs aus New Orleans ein abwechslungsreiches Programm herunter, die alles beinhaltete, was den typischen Goatwhore Sound ausmacht: Oldschooliger Heavy Metal, mit einer fetten NWOBHM Schlagseite, Thrash Parts, die einem das Genick in Falten legte, brutalste Death Metal Riffsalven und keifende Black Metal Finsternis. Ich kenne kaum eine andere Band, die solch ein großes Repertoire ihr Eigen nennt und dabei immer noch authentisch und brachial rüberkommt. Das Publikum feierte jedenfalls jede einzelne Riffsalve des letzten übriggebliebene Gründungsmitglied Sammy Duet gnadenlos ab und bescherte Goatwhore einen Sieg auf ganzer Linie… und mir einen neuen und äußerst schicken Pin an meiner Lederkutte.

Das Obscura bei einigen Teilen der Redaktion nicht unbedingt zum engeren Favoritenkreis gehören, sollte dem aufmerksamen Leser unseres Magazins geläufig sein…und dennoch wollte ich der Truppe um Multi-Talent Steffen Kummerer eine weitere Chance geben, mich zumindest live mitzunehmen. Und es geschah tatsächlich ein kleines Wunder, denn die Meute aus der bajuwarischen Landeshauptstadt konnte mich wider Erwartens wirklich überzeugen, obwohl ich nach wie vor der Auffassung bin, dass die musikalische Zusammenstellung im Billing eher suboptimal war. Das Publikum zeigte nicht ganz so viel Einsatz wie zuvor bei Goatwhore, zollte dennoch dem technischen Todesstahl, der wirklich technisch hervorragend intoniert wurde, nach jedem Song mit aufbrandendem Beifall mehr als nur den üblichen Höflichkeits-Respekt. Es machte definitiv Spaß, Obscura bei der Arbeit zuzusehen und obwohl ich nicht zum Die-Hard-Fan mutieren werde, fand ich das Ganze wirklich mehr als ansprechend.

Setlist
Ten sepiroth
Ocean gateways
Akroasis
The anticosmic overload
Ode to the sun
Centric flow
Nach dem in meinen Augen eher desaströsen Auftritt der Cavalera Brüder Ende November im Huxleys, lag es nun an den „echten“ Sepultura zu beweisen, wie man einige Klassiker richtig intoniert. Doch wer nun erwartet hatte, dass man sich hauptsächlich auf ein oldschool Set beschränken würde, was ich im Vorfeld von einigen Anwesenden zu hören bekam, wurde enttäuscht, denn das Hauptaugenmerk lag natürlich auf dem aktuellen „Phantom messiah“ Album, welches dennoch mit unglaublich viel Schmackes und Inbrunst dargeboten wurde. Dreck Green, mit einem echt geilen Shirt bekleidet, gab Vollgas und bewies eindrucksvoll, warum er mit seiner Rampensau Attitüde seit nunmehr 20 Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil Sepulturas ist, obwohl ihm immer noch der Makel des „neuen“ anheftet. Und das zu Unrecht, denn im Gegensatz zum völlig ausgelauchten Max schafft es die Eiche immer wieder, mit seinem bellenden Gesang und seiner imposanten Gestalt die Leute mitzunehmen.

Natürlich durften einige Klassiker nicht fehlen und verständlicherweise drehten die Leute bei „Territory“, „Desperate cry“, „Inner self“ oder „Refuse/Resist“ komplett frei, bejubelten aber ebenso neuere Granaten der Marke „Phantom self“ oder „Resistant parasites“, die nicht minder schlecht aus den Boxen dröhnten. Von der Fitness her merkte man einem Andreas Kisser oder Paolo Jr., obwohl er mit seinem nunmehr grauen Wollmop auf dem Kopf eher wie Luise Koschinsky aussieht, die Jahre zu keinem Zeitpunkt an und getrieben von einem Monsterbeat des völlig ausartenden Eloy Casagrande, trumpften die Brasilianer mächtig auf und hinterließen verbrannte Erde.

Nachdem mit dem ebenfalls überragenden „Arise“ der reguläre Set beschlossen wurde, gab es mit „Slave new world“ und den beiden unverzichtbaren „Ratamahatta“ und „Roots blood roots“ den endgültigen Beweis, dass die Cavaleras mal kacken gehen und das Feld den einzig wahren Sepultura überlassen sollten die exakt wissen, wie man das große Erbe würdig zu verwalten hat. Im Endeffekt waren alle Anwesenden im proppevollen Columbia Theater mehr als zufrieden und auch die Altvorderen konnten sich beim Betrachten der Setlist und 6 hintereinander gespielten Klassikern ein Grinsen nicht mehr verkneifen. Das war großer Sport und eine mehr als schweißtreibende Angelegenheit, die so einige Nackenwirbel heftigs durcheinanderbrachten.
Setlist
I am the enemy
Phantom self
Kairos
Territory
Desperate cry
Sworn oath
Resistant parasites
Against
Choke
Boycott
Machine messiah
Iceberg dances
Inner self
Refuse/Resist
Arise
Slave new world
Ratamahatta
Roots bloody roots

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