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WORM – Necroplace (2026)
(10.065) Olaf (8,5/10) Blackened Doom Death Metal
Label: Century Media
VÖ: 13.02.2026
Stil: Blackened Doom Death Metal
Gefühlt 321 Bands mit dem gleichen Namen – WORM gehört definitiv zu den Kandidaten, bei denen man sich erst einmal durch endlose Metal-Archives-Listen, Bandcamp-Profile und Spotify-Leichen klicken muss, bis man endlich die richtige Kreatur gefunden hat. Aber irgendwann war sie da: diese WORM, ursprünglich aus Florida, inzwischen im frostigen Quebec beheimatet. Und ganz ehrlich: Meine erste Reaktion war weniger musikalischer Natur als vielmehr geografisch. Wie man freiwillig von Miami-Temperaturen in kanadische Winter umzieht, wird mir ein Rätsel bleiben. Ich hasse Winter. Aber vielleicht braucht diese Art von Musik genau diese Kälte, dieses Erstarren, dieses ewige Zwielicht zwischen Leben und Tod.
Vier Jahre nach Foreverglade melden sich WORM mit Necropalace zurück – und zwar nicht leise, nicht vorsichtig, sondern mit dem selbstbewussten Anspruch, ein eigenes dunkles Reich zu errichten. Das Album ist das erste Lebenszeichen auf neuem Label, entstanden in Portland, Oregon, mit viel Liebe zum Detail, über Nächte hinweg gefeilt, geschliffen, verdichtet, bis diese eigentümliche Mischung aus morbider Pracht und lähmender Schwärze vollständig eingefangen war. Schon die Grundidee, ein abgeschlossenes, in sich stehendes Klangreich zu erschaffen, zieht sich wie ein schwarzer Faden durch die gesamte Spielzeit. Das Album wirkt weniger wie eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher wie ein langer Gang durch eine verfallene, kalte Halle aus Samt, Staub und vergessenen Ritualen.
Stilistisch ist das Ganze allerdings eine kleine Mogelpackung – zumindest für jene, die beim Stichwort „Death Doom“ reflexartig sabbernd aufspringen. Ja, Doom-Elemente sind vorhanden, aber sie sind eher schemenhaft, wie Schatten an der Wand. Wer erwartet hat, dass WORM den Weg von Foreverglade konsequent weitergehen, wird sich verwundert die Augen reiben. Necropalace klingt in weiten Teilen deutlich schwärzer, symphonischer, fast schon majestätisch-bedrohlich. Teilweise fühlt man sich unweigerlich an Dimmu Borgir zu Puritanical Euphoric Misanthropia-Zeiten erinnert, dazu diese leicht verschrobene, theatralische Boshaftigkeit, wie man sie von Carach Angren kennt. Düster, atmosphärisch, schwarz bis ins Mark. Doom? Nur punktuell, eher als Gefühl denn als Riff.
Was WORM hier abliefern, ist ein Album voller Pathos, okkulter Kälte und bewusst überzeichneter Dramatik. Phantom Slaughter keift, beschwört und verflucht mit einer Stimme, die mehr zeremonielle Bedrohung als klassischer Gesang ist, während Wroth Septentrion an den Gitarren eine Klangarchitektur errichtet, die gleichermaßen erdrückend wie faszinierend wirkt. Die Produktion ist klar, druckvoll, aber niemals steril – alles atmet diese feierliche Finsternis, die man entweder liebt oder genervt wegklickt.
Textlich bewegt sich Necropalace konsequent in einem Kosmos aus Verfall, inneren Wunden und nächtlicher Obsession. Da ist von Hallen des Weinens die Rede, von Nächten mit Zähnen, von Träumen, die eher Drachengeburten gleichen als Erlösung. Besonders hängen bleibt das Bild einer Welt, in der körperliche Wunden heilen mögen, seelische Narben jedoch für immer bleiben – ein Motiv, das sich unterschwellig durch mehrere Stücke zieht und dem Album trotz aller Überhöhung eine seltsam melancholische Note verleiht.
Allerdings – und hier kommt der leicht erhobene Zeigefinger – sind WORM nicht immer Meister der Selbstbeschränkung. Diese ausufernden Songlängen jenseits der Zehn-Minuten-Marke sind Geschmackssache, und meiner ist es nur bedingt. Gerade bei Stücken, die sich über zwölf oder gar vierzehn Minuten erstrecken, verzettelt sich die Band stellenweise. Motive werden ausgewalzt, Stimmungen zelebriert, Schleifen gedreht, die nicht immer notwendig gewesen wären. Der Hörgenuss leidet dadurch minimal, auch wenn das Niveau durchgehend hoch bleibt. Stark ist das alles ohne Frage – nur hätte ein wenig mehr Disziplin dem Album hier und da gutgetan.
Ein Wort noch zum Artwork: So sehr ich musikalisch mitgehen kann, optisch stolpere ich gewaltig. Das Cover ist – und ich formuliere es bewusst hart – totaler Quark. Mit diesem Bild hätte man selbst in den Achtzigern keinen Blumentopf gewonnen. Schade, denn die Musik schreit eigentlich nach etwas Zeitlosem, Düsterem, Erhabenem. Stattdessen wirkt das Artwork eher wie ein Fremdkörper, der dem Album nicht gerecht wird.
Am Ende bleibt Necropalace ein Album, das fordert, das nicht nebenbei konsumiert werden will und das mit jedem Durchgang neue Details offenbart – auch wenn man zwischendurch mal den Wunsch verspürt, jemand hätte die Schere angesetzt. WORM haben sich weit von ihren früheren Doom-Wurzeln entfernt, vielleicht weiter als manch einer erwartet oder erhofft hat. Aber sie haben dafür ein eigenes, schwarzes Monument errichtet, das irgendwo zwischen symphonischem Black Metal, okkulter Theatralik und frostiger Atmosphäre steht. Nicht perfekt, nicht kompromisslos, aber verdammt eindrucksvoll.
Necropalace ist kein Album für Genre-Puristen mit Scheuklappen, sondern für jene, die bereit sind, sich in einer dunklen, überladenen, manchmal zu großen Klangwelt zu verlieren. WORM liefern kein leicht verdauliches Mahl, sondern ein opulentes, schweres Festbankett – mit ein paar zu vielen Gängen, aber verdammt intensiven Aromen.
Anspieltipps:
🔥Necropalace
💀Dragon Dreams
🎸The Infernal Masquerade
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Gates to the Shadowzone
02. Necroplace
03. Halls of Weeping
04. The Night has Fangs
05. Dragon Dreams
06. Blackheart
07. The infernal Masquerade (feat.Marty Friedman)

