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EYE OF PURGATORY - Darkborne (2026)
(10.081) Olaf (8,0/10) Death Metal
Label: Apostasy Records
VÖ: 13.02.2026
Stil: Death Metal
Manchmal stolpert man über ein Album, das nicht erst freundlich anklopft, sondern dir die Tür aus den Angeln tritt, den Flur verdunkelt und dann auch noch höflich fragt, ob du’s lieber in Moll oder „Sargdeckel-klappert-im-Nebel“-Dur hättest. EYE OF PURGATORY machen auf Darkborne genau diesen Job – und zwar so konsequent, dass ich bei Rogga Johansson langsam ernsthaft die Frage stellen muss: Schläft der Mann eigentlich auch mal? Dritte Rogga-Platte innerhalb einer Woche bei mir – ich bin kurz davor, ihm eine Schlafmaske und einen Kamillentee zu schicken.
Was hier passiert, ist im Kern schwedischer Death Metal mit ordentlich organischem Gewicht – nicht dieses sterile „wir haben alle Spuren geschniegelt, bis der Dreck beleidigt gegangen ist“, sondern ein Sound, der nach feuchtem Mauerwerk, kaltem Metall und dieser ganz speziellen Melancholie riecht, die nur aus dem Norden kommen kann. Darkborne ist atmosphärisch und klanglich herrlich düster – und überhaupt: Das Album ist dicht wie Harald Juhnke zu seinen besten Zeiten.
Das Spannende: EYE OF PURGATORY sind dabei keine reine Nostalgie-Nummer. Klar, die Basis ist klassisch – aber die Band (schwedisch-amerikanisches Trio, gegründet 2018 in Gamleby) hat längst ihr eigenes Ding draus gemacht: Rogga an Gitarre/Gesang, dazu Taylor Nordberg und Jeramie Kling, die auf dem Papier schon wie ein kleiner „Was-willst-du-eigentlich-noch-mehr?“-Kader wirken. Aus dem einstigen Studioprojekt (Debüt The Rotting Enigma 2018) wurde spätestens mit The Lighthouse (2021) eine richtige Band-Entität – und Darkborne ist nun das nächste Kapitel dieser Linie.
Die Platte lebt von zwei Dingen, die sie bemerkenswert gut austariert: Druck und Schatten. Da knallt’s immer noch so heftig wie eine Rechte von Mike Tyson – aber eben nicht stumpf. Immer wieder ziehen sich Keyboards als wiederkehrendes Merkmal durch die Songs und geben den Todesblei-Hymnen diese Schwere und Melancholie, die dich nicht ausbremst, sondern tiefer reinzieht. Das ist kein „Keyboard-Teppich zum Kuscheln“, sondern eher Nebelmaschine im Mausoleum: Du siehst weniger, aber du fühlst mehr.
Und dann ist da dieses Konzept, das Darkborne direkt an The Lighthouse andockt: verfluchtes Dorf, Schrecken, Fortsetzungsgeschichte – also nicht „Random-Gemetzel-Generator“, sondern ein zusammenhängender dunkler Film im Kopf. Das passt auch deshalb so gut, weil die Songs nicht einfach nur Riff-Salven abfeuern, sondern eine Atmosphäre halten, die wie kalter Atem im Nacken bleibt. Man merkt: Hier soll nicht nur „oldschool“ sein – hier soll Stimmung passieren.
Highlight? Ja, und zwar ohne langes Rumgedruckse: Mit The rotting Temple hat man sogar einen richtigen Hit am Start. Catchy Melodie, schöne dezente Keyboards und sogar Blastbeats in der Mitte… ein richtiges Todesblei-Kleinod. Genau so schreibt man einen Song, der im Ohr bleibt, ohne sich anzubiedern. Der Trick liegt in dieser unterschwelligen Eingängigkeit: Du kannst dazu nicken, du kannst dazu grinsen – und währenddessen zieht dir der Track trotzdem die Gardinen zu.
Überhaupt wirkt Darkborne wie ein Album, das „mehr von allem“ will, ohne in Überladung zu kippen: mehr Eingängigkeit, mehr Härte, mehr Details – und trotzdem bleibt das Ganze kompakt und fokussiert. Neun Songs, keine ausufernde Spielzeit, dafür ein Flow, der dich von Anfang bis Ende in dieser dunklen, nassen Gruft hält. Das Artwork von Dan Goldsworthy sitzt da wie der Deckel auf dem Sarg: melancholisch, bedrohlich, elegant – und exakt die visuelle Übersetzung dessen, was musikalisch passiert.
Darkborne für mich genau das Album, das man auflegt, wenn man Bock auf Schwedentod hat, aber eben nicht nur auf „Kettensägen-Riff und Feierabend“. Hier ist Substanz drin, Atmosphäre, eine latente Traurigkeit – und trotzdem genug Wucht, um dir die Zähne wieder gerade zu rütteln. Wenn Rogga wirklich nie schläft, dann wenigstens mit gutem Grund: EYE OF PURGATORY liefern ein finsteres, kompaktes Death-Metal-Stück, das mehr ist als nur Szene-Fleißarbeit. Das ist ein Album, das dich packt, einwickelt und dann langsam in die Dunkelheit zieht – und du sagst dabei auch noch „Danke, war gemütlich.“
Anspieltipps:
🔥The rotting Temple
💀Formless Figures dance
🎸The Darkborn
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Darkborne
02. When the Beacon turns black
03. The rotting Temple
04. Bodyjumper
05. The Slithering
06. Unbound Flesh
07. Formless Figures dance
08. The Best of them bleed
09. The dark Departure

