RIFFS UND SCHNAPS



Das Hamburger Sludge Trio The Moth begeistert bereits seit 2012 mit ihrem riffigen und wuchtigen Sound. Mit dem 2017er Batzen „Hysteria“ haben sie auch bei mir wieder reichlich Sympathien gesammelt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Nordnasen mich umfangreich plätten. Denn auch die beiden Vorgängerwerke „They Fall“ und „And Then Rise...“ überzeugten umfassend. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger bei der Kiezkapelle geworden, höchste Zeit mal zu schauen, wo der Lurch die Locken hat!

Na wie schauts aus? Gut in das neue Jahr gestolpert? Wie geht’s Euch?

Cécile: Jup, vielen Dank, Timo! Uns geht’s gut! Dir hoffentlich auch.

Klar alles easy peacy bei mir. Seit dem letzten Album „Hysteria“ sind nun bereits drei Jahre ins Land gezogen. Was hab ihr in der Zwischenzeit angestellt?

Cécile: Nach der „Hysteria“, die ja im November 2017 rausgekommen ist, haben wir es erstmal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Seit unsere Gründung Ende 2012 bis zu „Hysteria“ haben wir quasi ununterbrochen Gas gegeben, die Band war das Wichtigste für uns. Wir haben viel geprobt und gespielt, Shows und Tourneen gebucht Waren häufig unterwegs - von Wien bis Edinburgh - und haben in den 6 Jahren drei Platten rausgebracht. Das war schon der Hammer, hat uns aber auch ordentlich Energie gekostet. Wir mussten erstmal wieder auftanken.

Gibt es bereits Pläne für ein neues The Moth Album?

Cécile: Ja, wir haben dann so vor zwei Jahren wieder Fahrt aufgenommen und die Songs zu unserem vierten Album geschrieben. Die Voraufnahme dazu konnten wir noch Ende August einkloppen. Dann kam uns, wie allen anderen Bands auch, Corona in die Quere. Jetzt warten wir, bis sich die Lage etwas entspannt, um wieder das Proben aufnehmen zu können, das Album fertig zu machen und dann rauszuhauen.

Wie zufrieden seid ihr im Nachhinein mit dem letzten Album, wie waren die Reaktionen dazu?

Cécile: Wir feiern die Platte nach wie vor total ab, der Spirit ist einfach voll da. Aber wie wir schon vor dem Release erwartet hatten, hat „Hysteria“ ordentlich polarisiert. Selbst unser Label-Boss Chris (This Charming Man Records) meinte nur: „Das ist ja total kaputt, total asozial.“ Einige feiern den räudigen Sound total, andere dachten ihr Plattenspieler wär kaputt und haben nur mit dem Kopf geschüttelt. Aber das wichtigste ist, dass uns selbst gefällt, was wir raushauen.

Das Video zu „Empty Heart“ finde ich wirklich gelungen, gleicht einer spontanen Session in eurer Garage. Bei der Gelegenheit, erzählt uns doch ein paar nähere Details zu dem Song selbst und natürlich wie ihr die Idee für das schmucke Video umgesetzt habt.

Cécile: Tja, was soll man zu dem Song sagen... es war einer von denen, die zu Beginn so viele Riffs hatten, dass es eine ganze Weile gedauert, hat, bis sich die Struktur sortiert hatte. Der Videodreh hat natürlich total geschockt: Die Szenen im Speed-Boot sind auf der Dove-Elbe entstanden. Unser Kumpel Manson hatte zu der Zeit dieses alte Geschoss von 1982. Unser Drummer Curry  hatte die Idee einen auf Wasserski zu machen. Auf einem stinknormalen Surfbrett allerdings. Und tatsächlich hat das sofort geklappt, auch wenn er ein bisschen Entengrütze fressen musste. Manson hat dann immer schön Vollgas gegeben, obwohl dass da gar nicht erlaubt ist. Die anderen Szenen sind in der Autowerkstatt von unserem Buddy Max entstanden, wo wir auch unser erstes Konzert überhaupt gespielt hatten.

Den bratzigen und wuchtigen Sound eures letzten Albums finde ich schon ziemlich knorke, brett hart, ungeschönt und einfach dirty. Was war euch bei der Produktion des Albums selbst wichtig, und wo habt ihr es aufgenommen?

Cécile: Wir wollten wieder, wie bei unserer ersten Platte „They Fall“, live einspielen. Also im Sinne von alle in einem Raum, alles aus den Amps auf die Ohren und nicht über Kopfhörer. Wir haben dann Voraufnahmen mit unserem Freund José Lorenzo gemacht, in einem Proberaum-Keller auf St. Pauli. Da hatten wir auch schon die „They Fall“ aufgenommen. Als wir dann zusammensaßen und seinen ersten Entwurf gehört haben, sind wir schier ausgeflippt :D. Der Sound war so geil kantig und dadurch so aufregend, einfach Hammer. Den Termin für die „echten“ Aufnahmen hatten wir da aber schon stehen. Also haben wir die auch durchgezogen. Irgendwann war aber klar: Die Voraufnahmen sind DIE Aufnahmen. Schön ungeputzt.

Wie hart hat euch selbst die Corona Pandemie getroffen, was hattet ihr für 2020 bereits im Köcher, dass ihr wieder über Bord werfen musstet?

Cécile: Nicht sonderlich hart. Ohne Corona wäre die vierte Platte wohl inzwischen schon am Start. Das verzögert sich nun halt, aber das war's auch schon. Shows hatten wir keine geplant, wir wollten uns auf die Platte konzentrieren.

Ich finde auch eure Vorgängeralben „They Fall“ und „And Then Rise“ überaus gelungen, die Alben leben von einer satten Sludge Metal Wucht, dabei möchte ich das Songwriting als angenehm lebhaft und erfrischend bezeichnen. Dabei die Frage, wie entstehen bei euch die Songs. Hattet ihr für „Hysteria“ eine gesonderte Zielsetzung? Was denkst Du ist euch darauf besonders gelungen?

Cécile: Wir hatten keine besondere Zielsetzung. Wichtig ist uns immer nur, dass wir die Songs geil finden. Wir haben schon Songs verworfen, die schön catchy waren und bestimmt sehr gut angekommen wären, aber auf die wir halt keinen Bock hatten. Wie die Songs entstehen? Freden und ich kommen mit Riffs an und dann wird geschubst und ausprobiert, bis wir es alle gut finden. Das alles passiert komplett intuitiv, aus dem Bauch heraus. Musiktheoretisches Gesabbel gibt’s bei uns nicht. Da haben wir auch keine Ahnung von.

Wie gewährleistet ihr das hohe Qualitätsmaß eurer Alben? Wie findet die Songauswahl dafür statt?

Cécile: Vielen Dank! Wie vorhin beschrieben: In dem wir wirklich nur Riffs gelten lassen, die wir wirklich geil finden. So lala-Riffs kommen nicht weit.

Als ihr 2012 The Moth gegründet habt, was war eure Idee dahinter? Und wie habt ihr euch zusammengefunden? Was war eurer größter Antrieb, gibt es besondere Ideengeber?

Cécile: Freden und ich haben vor The Moth schon in einer anderen Band zusammengespielt: Bangkok Cash. Freden saß da an den Drums, ich wie immer am Bass. So drei Jahre nach Auflösung dieser Band haben wir am Tresen gesessen und so etwas beschnackt... Dann haben wir angestoßen und unsere neue Band besiegelt, die zu dem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte. Freden hat erst noch Schlagzeug gespielt und es dümpelte etwas vor sich hin. Aber dann hat er sich wieder die Gitarre geschnappt und plötzlich lief es wie geschmiert. Unsere Riffs und Ideen haben sich irgendwie super ergänzt. Der Riffschmied war wieder am Stizzel, und The Moth geboren.

Wir haben die Songs zu unserer ersten LP „They Fall“ geschrieben und uns dann mit vielen Cola-Rum Mut angetrunken und an die Mikrofone gestellt. Das war für uns beide Neuland. So kam dann auch der zweistimmige Gesang zustande. Mit Tiffy, unserem ersten Drummer, haben wir dann jemand fähiges fürs Schlagzeug gefunden, um auf die Bühne losgelassen zu werden.

Was war euer bis heute eindrucksvollster Auftritt, gerade in diesem mit Liveauftritten rar gesäten Jahr denk man doch gern an besondere Auftritte zurück! Oder?

Freden: Ich glaube einer der Auftritte der am coolsten war, war beim Stoned from the underground – wir hatten kaum gepennt, die Nacht davor einen richtigen Scheiß-Gig in irgendeiner Abbruchhütte gehabt, und hatten uns im Prinzip mitten in der Nacht auf den Weg gemacht, um dann in Erfurt schön nachmittags im überhitzten, proppenvollen Stinkezelt zu spielen, das war einfach Hammer!

Eure letzten beiden Alben sind bei dem kultigen Szene-Label This Charming Man Records erschienen, wie läuft die Zusammenarbeit? Gibt es Pläne für eine weitere Outputs?

Freden: Die Zusammenarbeit ist immer entspannt mit Chris (Labelboss) und er ist bei uns auch musikalisch immer alles mitgegangen - wobei sich ihm beim ersten Hören der letzten Platte glaube ich die Fußnägel aufgerollt haben... aber dann hat er es dann doch zu schätzen gewusst, dieses Rohe und Derbe, von unserem dritten Album.

Erzählt uns ein wenig über euer Leben auf St.Pauli, was macht ihr beruflich und in welchen Bars im Kiez pichelt ihr gerne einen?

Freden: St. Pauli kennen wir natürlich wie unsere Westentasche und wir haben zuletzt gerne im Nachthafen gepichelt, da wird einfach geile Mucke aufgelegt und der Weg an der Bar ist so schmal, dass es immer schön schmusig wird, wenn man sich durch den Laden bewegt. Beruflich sieht es so aus, dass Cécile als Fotografin arbeitet und ein tolles Fotostudio auf St. Pauli hat. Also, wenn du mal ansprechende Aktfotos machen willst, Bewerbungsfotos oder ein Portrait von deinem Wauzi, dann musst du mal zu ihr.. Unser Drummer Chris lässt sich gerade als schamanischer Naturheiler ausbilden und ich arbeite mit straffälligen jungen Leuten, als Sozialarbeiter sozusagen.

Was erwartet ihr von diesem neuen Jahr, was sind eure Wünsche, oder gar Träume?

Freden: Wir haben die Hoffnung, dass wir unser Album vernünftig abschließen und rausbringen, und mal wieder live spielen können. Mittlerweile ist man so ausgehungert, dass es schon fast egal ist, ob in einem 12qm-Club vor sieben Leuten oder auf einem fetten Festival.

Welche Sludge Metal Alben haben euch besonders imponiert. Ich könnte euch die portugiesischen Earth Drive empfehlen. Welche Alben hat ihr 2020 besonders gern aufgelegt?

Freden: Ich habe gerade meinen Plattenspieler repariert und arbeite mich durch die Plattensammlung von meinem Vater und Onkel, deshalb muss ich da passen. Aber deinen Tipp höre ich mir gerne mal an.

Falls euch jemand mal für einen Gig buchen möchte, was muss er euch dafür bieten, und last but not least...kann man eure Alben bei euch noch käuflich erwerben? Auf der Bandcamp Page ist ja einiges vergriffen, wann gibt’s es da gerade an Shirts etc. mal Nachschub?

Freden: Klar, die kannst bei uns direkt auf Bandcamp oder bei unserem Label online bestellen. Shirts, gibt es auch noch, allerdings kein neues Motiv. Ich denke das machen wir, wenn wir das nächste Album rausballern. Wenn uns jemand buchen will, dann brauchen wir auf jeden Fall Schnaps, um die Viren abzutöten!

Nun wünsche ich Euch alles Gute, hoffe man sieht sich dann wann mal auf einer Show! Stay clean! Cheeers aus B-Town Ghost City!

Freden: Danke dir für dein Interview, hat Spaß gemacht! Bis bald hoffentlich!


TIMO

Interviewpartner: Cécile (Bass & Vocals) und Freden (Gitarre & Vocals)


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