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Live on Stage Review: De Mortem et Diabolum Vol. XI
05. & 06. Dezember 2025 – Berlin @ ORWOhaus
Das Jahr 2025 ist längst Geschichte. In einem für mich verhältnismäßig konzertarmen Jahr bedeutet das, auf die Highlights zurückzublicken und in Erinnerungen zu schwelgen. Ein absoluter Höhepunkt und sogleich der Abschied von den Bühnen 2025 war da wie so oft das De Mortem et Diabolum. Auch im elften Jahr zeigen Festivalchef Jan und sein Inner Circle, welch ein feines Gespür sie in Sachen Bandauswahl haben und wie gut sie ihr Publikum kennen. Urgesteine wie Tsjuder zünden da genauso wie neue Combos, wie zum Beispiel Ultima Necat.
TAG 1
Und so sind wir auch schon bei den Openern aus Dresden. Die drei Herren aus der sächsischen Landeshauptstadt durfte ich schon einmal als Support von Watain erleben und der damals stark hinterlassene Eindruck soll auch beim De Mortem bestätigte werden. Schwer und brachial, mal treibend und mal fast doomig zäh prügelt sich das Trio durch das kurze, aber sehr unterhaltsame Set. Gesondertes Gehör schenke ich Bassisten Ashbringer, der dem Sound mit seinem tiefen Kehlgesang eine besondere Atmosphäre und Note schenkt.
Ultima Necat liefern somit einen gelungenen Start ins Wochenende. Ursprünglich sollten diesen eigentlich Nyrst bringen, doch tauschten die beiden Bands noch recht kurzfristig den Slot. Nun aber also heißt es für die Männer aus Reykjavík, dem DMED mal wieder eine ordentliche Ladung isländischen Schwarzmetalls vor den Latz zu knallen. Sie sind einheitlich in zerfetzte, schwarze Lumpen gehüllt und geben sich akustisch ebenso so finster wie optisch. Die Gitarren sägen fies, lassen aber ebenso Raum für Melodien. Sänger Snæbjörn wechselt zwischen verschiedenen Stimmlagen und schreckt dabei auch nicht vor Klargesang zurück. Er bindet die Aufmerksamkeit des Publikums wohl am meisten, gleichwohl er von seinen Bandmitgliedern das passende Fundament bekommt.
Auf den Auftritt von Vorga hatte ich mich im Vorfeld schon besonders gefreut. Einerseits weil sie mir schon beim Party.San 2024 gefielen, andererseits da sie inzwischen auch immer wieder zu Hause oder unterwegs bei mir laufen und sie daher tatsächlich zu meinen meistgehörten Bands des kompletten Billings des De Mortem et Diabolum 2025 zählen.
Der Sci-Fi Black Metal der Baden-Württemberger bringt eine gewisse eigene Note und frischen Wind mit – und das funktioniert auch wunderbar live. Die Energie der Songs erreicht das Publikum in Sekunden und wem das noch nicht ausreicht, der darf sich zusätzlich an dem modernen Bühnenbild aus Lichtinstallationen ergötzen. Dies ist so eigenständig wie das Painting der Musiker. Vorga sind eben eigen, aber im positivsten Sinne. Ein bisschen Moderne hier, ein Blick über den Tellerrand da und eine Menge musikalisches Können überall. Das macht Spaß und überzeugt auf der Bühne des DMED ebenso wie auf Platte. Chapeau!
Deutlich weniger verspielt und modern präsentieren sich dann Omegaeternum. Die Franzosen mögen es klassisch und einfach nur finster. Ihr Sound ist geradezu dystopisch und mit entsprechender Ausstrahlung zeigen sie sich auch auf der Bühne. Mit einer mindestens ebenso garstigen Attitüde geben sich auch ArsGoatia. Die Salzburger bringen nicht nur einen Haufen Schädel auf die Bühne sondern auch eine ordentliche Ladung Hass und Wahnsinn. Diese Show wird keine Veranstaltung für seichte Gemüter und gefällt all jenen, die Black Metal dann am meisten genießen, wenn der Morgenstern kreist.
Nachdem nun also die Freunde der besonders ruppigen Kost bedient wurden, folgt ein Dreigestirn von Tiefe und Atmosphäre. Den Einstand liefern Sunken. Viel Gefühl, Schmerz und Melancholie treffen auf eindringliche Melodien, die von Gitarre genauso wie Bass umgesetzt werden, fußend auf treibenden Drums und über allem thront der klagende Gesang von Frontmann Martin Skyum Thomasen. Diese Show lädt zum Träumen ein – und ich lasse mich nur allzu gern davontragen.
Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so dichte Atmosphäre vermitteln auch Ellende dann. Die Truppe um Bandkopf L.G. trägt das bekannte, martialische Corpsepaint und geht einen Ticken aggressiver zu Werke, lässt aber ebenfalls die Melodien sprechen. Der Fokus liegt an diesem Abend auf kein einzelnes Album, sondern bietet einen Rundumschlag der Diskografie. Dabei halten mit „Wahrheit Teil II“ und „Zerfall“ auch zwei Songs des neuen, 2026er Albums „Zerfall“ Einzug ins Set. Mit dem Song „Abschied“ nehmen die Österreicher passend eben jenen und beenden ihre Show vor einem sichtlich zufriedenen Auditorium.
Den Abschluss dieses Gefühls-Trios bilden Austere. Allzu oft bekommt man hierzulande nicht die Chance, die Australier zu Gesicht zu bekommen. Allein daher freuen sich schon einige auf die Combo des entfernten Kontinents. Doch nicht nur ihre Herkunft macht sie zum kleinen Exoten des ersten Festivaltages. Optisch verkörpern sie nicht gerade den Look einer Extreme Metal Band, doch das soll nicht über ihre Performance hinwegtäuschen. Denn musikalisch setzen sie sich sogleich durch und finden Anklang beim Publikum. Die großen Melodien und der druckvolle Sound sind catchy und wissen einfach zu gefallen und mitzureißen. Die Gitarrenarbeit erinnert mich ein wenig an ihre Landsleute von Be’Lakor. Ja, im australischen Outback steckt noch mehr als Staub und gefährliche Tiere…
Apropos gefährlich, was die im Vorfeld von mir etwas unwürdig als „Rausschmeißer“ betitelten Abduction nun abfeuern, begeistert mich geradezu; trotz später Spielzeit. Denn als die Briten kurz nach 01:00 Uhr die Bühne betreten, sind meine Lebensgeister eigentlich schon etwas reduziert. Doch die extrem energetische Show der Truppe um den charismatischen Bandleader A|V gibt so dermaßen Gas, dass alle noch Anwesenden völlig durchgeschüttelt und wachgerüttelt werden. Abduction feuern aus allen Rohren, grooven aber auch oder streuen finstere, hypnotische Parts ein. Ja gut, sie bleiben der erwartete „Klaps auf den Popo“, doch bieten sie eben noch viel mehr – und damit eine echte Überraschung zum Ende des ersten Tages.
TAG 2
Nach drei Stunden Schlaf war die Nacht recht kurz, doch auch am zweiten Tag stehen reichlich interessante Bands auf der Agenda und so gilt es, keine Müdigkeit vorzuschützen. Also ab ans Frühstückbüffet, ein Spaziergang an der frischen Luft um richtig wach zu werden und zurück zum ORWOhaus!
Dort eröffnen heute Nail By Nail. Die Truppe formierte sich zwar erst 2023, besteht aber aus erfahrenen, versierten Musikern und brachte Mitte 2025 ihr Debüt „Embraced by Darkness“ auf den Markt. Dieses präsentieren sie heut in seiner Gänze, wobei lediglich die letzten zwei Songs in ihrer Reihenfolge getauscht wurden. Der Saal ist bereits trotz früher Stunde gut gefüllt und die Band dankt es dem ORWOhaus mit einer geballten Ladung Black Metal, der auch an todesmetallischer Wucht und einer angenehmen Räude nicht missen lässt. So ist dann auch der zweite Festivaltag amtlich eröffnet. Necronautical entführen das Auditorium dann anschließend zu einem Ritt durch die Untiefen der Meere. Das Set der Engländer wirkt in seiner Songauswahl etwas ruppiger als erwartet, wechselt dann aber doch häufig in epischere Regionen, was für gute Abwechslung und Spannung sorgt. Das Programm geht also solide weiter.
„Solide“ ist auch das Stichwort für ihre Landsleute Wode. Während ein paar gute Freunde von mir hier völlig steil gehen und schon jetzt von ihrer „Band des Wochenendes“ sprechen, fällt meine Begeisterung etwas gediegener aus. Nicht falsch verstehen, ich will die crustigen Black Deather aus Manchester sicherlich nicht kleinreden, denn zu unterhalten wissen sie allemal, doch meine Highlights des Tages werden erst noch folgen.
Denn schon die anschließenden The Omega Swarm überraschen und catchen mich deutlich mehr. Durch ihre vergleichsweise moderne und technisch anspruchsvolle Spielart stechen sie ein wenig aus dem Billing heraus. Die von Sulphur Aeon Gitarrist Torsten Horstmann gegründete Band backt definitiv keine kleinen Brötchen, wenn es darum geht, Facettenreichtum zu beweisen. Extremes Tempo, das vor allem von einem fantastischen Drummer geprägt ist, trifft auf große Melodiebögen, einen deftigen Bass und brutale, guturale Vocals. Garniert wird das alles mit ein paar gut gesetzten Samples und Keys, um noch mehr Dichte und Tiefe zu erzeugen. Hier steckt so viel Liebe zum Detail und Finesse drin, das es eine wahre Freude ist, hierzu den Kopf kreisen zu lassen und das Tanzbein zu schwingen. Ein Highspeed Arschtritt vom Feinsten – danke dafür!
Doch die wirklichen Exoten stehen noch aus: die weißrussisch-polnische Formation Dymna Lotva betritt sogleich die Bühne. Zu erwarten ist eine intensive, theatralische Show – und genau das bekommt das ORWOhaus auch! Während die drei Instrumentalisten sich langsam ans Publikum „heranspielen“, nimmt Sängerin Nokt im wahrsten Sinne des Wortes Anlauf und prescht aus dem Nichts auf die Bühne. Im einst weißen, Blut verschmierten Gewand tanzt und taumelt sie wie besessen über die Bühne. Wie von Schmerz, Leid und Wahnsinn getrieben schreit sie sich die Seele aus dem Leib, fällt zu Boden, performt dort liegend weiter und kämpft sich wieder auf. In Geberlaune präsentiert sich die Frontfrau zudem auch und verschenkt an das Publikum Accessoires wie ihre Ährenkrone oder den Galgen, der zuvor noch um ihrem Hals hing.
Das besungene Elend aus der Historie ihres Heimatlandes weiß das Quartett nur zu gut, in Musik und Bild darzustellen. Und nein, wer der Band aufgrund ihrer Herkunft etwas andichten möchte, der irrt. Schon die blau-gelben Bänder am Mikroständer sprechen eine andere Sprache. Aber zurück zum Gig: Dieser gilt für mich als emotionaler Höhepunkt des Tages und bekommt das Prädikat „besonders“ verliehen. Ach ja und mit einer schwarzen Tannenbaumkugel, die mit Bandlogo und Autogrammen verziert ist, liefern Dymna Lotva das ausgefallenste und perfekt in die Jahreszeit passende Merchandise.
Nach dieser aufwühlenden und teils berührenden Darbietung ist nun Zeit für lediglich ein Gefühl: Hass – denn Merrimack rufen zu einer verdammt fiesen Lehrstunde der Feindseligkeit. Die Zeichen stehen auf Angriff und der französische Fünfer geht entsprechend nach vorn. Und auch wenn man bei so einer Show natürlich keine Nettigkeiten erwartet, so ist die Kühle und Distanz zum Publikum fast schon ein Kritikpunkt meinerseits. Ich mag es eben, wenn ein wenig Interaktion stattfindet. Aber vielleicht wirkt die Kluft zwischen Band und Auditorium auch noch durch die vorangegangenen Shows so enorm. Sei’s drum, am Auftritt von Merrimack gibt es rein musikalisch nichts zu beanstanden. Der Sound ist rasiermesserscharf, drückt wie Sau und reißt alles in Stücke.
Doch wer denkt, dass nach diesem Geballer nun das letzte Wort der Boshaftigkeit bereits gesprochen und die Messe wohl gelesen sei, der hat die Urgesteine Tsjuder unterschätzt: Old School ja, alte Säcke? Mitnichten! Nag und Draugluin liefern genauso tight wie ihr vergleichsweise junger Drummer Emil Wiksten. Klassiker wie „Kill for Satan“ oder „Ghoul“ scheppern wie Anno dazumal und selbst als bei „Mouth of Madness“ eine Basssaite reißt und vorübergehend als Duett fungiert werden muss, wird einfach weiter Gas gegeben. Auch das Bathory Cover „Sacrifice“ findet Platz in der Setlist, sowie eine Zugabe, was für Tsjuder eine sehr ungewöhnliche Geste ist und ein paar der Veranstalter besonders ehrt und erfreut.
Da diese Heroen der 90er, die gewissermaßen schon als heutiger Headliner angesetzt waren, nicht als allerletztes spielen wollten, steht Thy Light die Ehre zu, dass De Mortem et Diabolum 2025 zu beschließen. Da die (einstigen) Brasilianer mit ihrem Depressive Black Metal eine sehr melancholische Endzeitstimmung zelebrieren, ist dies eigentlich ein sehr stimmungsvoller Ausklang des Festivals. Auch wenn die Herren aus Südamerika mich nicht völlig flashen, so genieße ich diese Beschallung dennoch ein wenig und stimme ich passend dazu schon langsam darauf ein, mich zu verabschieden…
Und wieder fällt es gar nicht so leicht, hinnehmen zu müssen, dass das DMED nun wieder einmal viel zu schnell verstrichen ist. Nach den vielen Jahren, die ich diese Veranstaltungsreihe nun schon begleiten darf, ist es mir eine Ehre, nein ein Privileg, hier so viele Menschen als Freunde bezeichnen zu dürfen. Dieses Festival besticht sicherlich immer wieder durch eine starke Bandauswahl, doch diese Crew, diese Freunde, die hier zu Werke gehen, sind abermals mein wahres Highlight und ich werde wohl nie müde werden, das bei jedem meiner De Mortem Berichte zu erwähnen – doch Ehre, wem Ehre gebührt!
Und so schwer der Abschied auch fällt, die Vorfreude auf die „Tochterveranstaltung“, die Walpurgisnacht 2026, ist gigantisch. Denn neben dem Wiedersehen mit diesen fantastischen Menschen warten so großartige Bands, dass mein dunkles Herz zu rasen beginnt: Unter anderem erwarten mich - und euch - dort Cult of Fire, die ich mir schon verdammt lange hier zu sehen wünsche, Agrypnie, Nornir, Servant, Outlaw und meine Lieblings-Ägyptologen Maat. Und auch das De Mortem et Diabolum 2026 wirft bereits seinen Schatten voraus und bestätigte bereits eine erste Band: Schammasch werden in einer exklusiven Show ihr Opus magnum „Triangle“ in seiner Gänze performen. Sichert euch eure Tickets am besten schon jetzt hier:
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