Label: No Cut/SPV
VÖ: 21.04.2017
Stil: Screamo/Emocore
„Oh je, was soll ich denn mit Emocore?“ Dachte ich so, als ich unbedarfter Weise in die Debüt Platte der 4 Hamburger Jungs von Die Heart reinhörte. Umso erstaunter stellte ich bei Lesen des Infos fest, dass sich Die Heart gerne als Hardcore-Punk Kapelle verstehen – hä?!
Nehmen wir gleich mal die ersten zwei Songs „Roots“ und „All for one“ unter die Lupe. Das sind waschechte Emocore Songs mit vorrangigem Screamo Geschrei. Beide Stile haben definitiv was mit Punk oder Hardcore zu tun, sind aber nicht umsonst eigene Stilbeschreibungen geworden. Das Gitarrenspiel und auch die Arrangements der Songs klingen mehr melodramatisch, denn rein punkrockig, wozu der Schrei-Gesang von Schreihals Niels zwar gut dazu passt, aber eben auch nichts mit reinen Hardcore Shouts zu tun hat. Hin und wieder mischen sich noch gesprochene Parts dazu oder es wird Death Metal like gegrowled.
Die Mischung aus mal zügig gespielteren Songs und reduziertem Emocore zieht sich so durch die ganze Platte durch. Was mir fehlt sich herausstechende Hooklines, die sich in die Gehörgänge fräsen. Das müsste nicht durch cleane Vocals passieren, die auf „Stay Heart“ auch nicht vorkommen, was durchaus zu begrüßen ist. Gerade Bands wie Bring Me The Horizon oder Suicide Silence zeigen es, wie man mit brachialer Härte und guten Hooks auch in den Charts landen kann. Wie man diese Platte jedoch mit Sick Of It All oder Terror vergleichen kann, ist mir wirklich ein Rätsel! Ich würde das den Jungs nicht erzählen, bei einem eventuellen aufeinandertreffen. Das könnte böse enden.
Enden tut die Platte mit dem Song „Jolie“, der sogar mal deutschen Sprechgesang enthält, was noch mal kurz aufhorchen lässt.
„Stay Heart“ klingt soweit gut produziert, hat genug Härte um nicht verweichlicht zu klingen und dürfte somit dem ein oder anderen Emocoreler und Screamo-Liebhaber durchaus gefallen. Was fehlt zu den Großen des Genres sind jedoch in erinnerungsbleibenden Hooklines, die auch die jungen Kids auf den Plan holen. Dann steckt einer erfolgreicheren Karriere sicher nichts mehr um Wege, denn die Basis stimmt grundsätzlich.
Bewertung: 6,0 von 10 Punkten
Tracklist:
01. Intro
02. Roots
03. All for one
04. Beer & ziggs
05. Life turns to fear
06. Against us
07. Rise or fall
08. Between the days
09. Keep away
10. Stronger than ever
11. I hate you
12. Purgatory
13. Jolie

