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KREATOR – Krushers of the World (2026)

(10.025) Olaf (9,0/10) Thrash Metal


Label: Nuclear Blast
VÖ: 16.01.2026
Stil: Thrash Metal






Ich habe Kreator nie als bloße Band gehört, sondern immer als eine Art Konstante. Wie ein alter Freund, mit dem man nicht täglich spricht, aber von dem man weiß, dass er da ist. Essen, Ruhrgebiet, Proberaum, Weltschmerz, Wut, Disziplin, Willen. Kreator waren nie die Coolsten, nie die Mysteriösesten, nie die Intellektuellsten – aber immer die, die gearbeitet haben. Die sich hochgezogen haben aus dem Nichts. Und genau deshalb messe ich neue Alben dieser Band nicht an Trends oder Erwartungen, sondern an einem simplen Maßstab: Glaubt man ihnen noch jedes einzelne Wort, jeden Schlag, jedes Riff? Bei Krushers of the World ist die Antwort klarer, als ich es selbst erwartet hätte.

2025 war für Kreator ein Jahr der Rückschau. Buch, Kinofilm, prominente Weggefährten, Anekdoten, Schulterklopfen. All das hätte leicht in Selbstzufriedenheit enden können. In einem Album, das sich sonntags geschniegelt gibt und montags wieder ins Regal stellt. Stattdessen wirkt Krushers of the World wie das genaue Gegenteil: ein Album, das aus dieser Rückschau Energie zieht. Nicht wehmütig, nicht nostalgisch, sondern fast trotzig. So, als hätten Mille & Co. sich selbst noch einmal bewiesen wollen, dass sie diesen Weg nicht nur gegangen sind – sondern ihn immer noch gehen können.

Musikalisch ist das kein Neuanfang und will es auch gar nicht sein. Aber es ist ein Album mit klarer Kante. Die Songs wirken fokussierter, direkter, weniger verspielt als zuletzt. Riffs werden nicht ausformuliert, sondern abgefeuert. Tempiwechsel sind kein Selbstzweck, sondern dramaturgisches Mittel. Ventor spielt mit einer Aggressivität, die nicht nostalgisch wirkt, sondern körperlich. Sami Yli-Sirniös Leads sind majestätisch, ohne sich aufzudrängen. Und Frédéric Leclercq bekommt endlich den Raum, den diese Musik braucht, um nicht nur schnell, sondern schwer zu sein.

Die Produktion ist dabei ein zentraler Faktor. Jens Bogren liefert hier keinen modernen Thrash-Hochglanz, sondern eine Mischung aus Brutalität und Transparenz, die selten so gut funktioniert hat. Alles ist laut, alles ist präsent, aber nichts steht sich im Weg. Der Bass drückt, die Gitarren sägen, das Schlagzeug wirkt physisch. Hate über alles war gut produziert – Krushers of the World ist dominant produziert. Das Album klingt nicht wie ein Statement, es ist eines.

Textlich bleibt Mille Petrozza seinem Kern treu, aber mit einer neuen Klarheit. Loyalität ist hier kein romantisches Ideal, sondern Verpflichtung. Gewalt kein Selbstzweck, sondern Spiegel. Zusammenhalt kein Schlagwort, sondern Überlebensstrategie. Zeilen über Blut, Treue und Standhaftigkeit wirken nicht wie alte Thrash-Floskeln, sondern wie bewusst gesetzte Markierungen. Besonders gegen Ende des Albums verdichtet sich diese Haltung zu einer fast schon hymnischen Konsequenz. Loyal to the Grave ist plakativ, ja – aber auf eine Weise, die funktioniert, weil sie ehrlich gemeint ist. Nicht clever, nicht ironisch, sondern direkt.

Der atmosphärische Ausreißer und gleichzeitig emotionale Kernpunkt des Albums ist Tränenpalast. Keine Ostalgie, kein Bahnhof Friedrichstraße, sondern eine düstere Hommage an Argentos Suspiria. Der Song atmet Horror, Beklemmung und eine fast filmische Spannung. Die Gastvocals von Britta Görtz fügen sich nicht als Feature ein, sondern als Verstärkung der Grundstimmung. Hier zeigt sich, wie gut Kreator Atmosphäre können, wenn sie wollen – ohne ihre Identität zu verlieren.

Und dann ist da Psychotic Imperator. Dieser Song ist der Prüfstein des Albums. Brutal, kompromisslos, auf den Punkt. Kein Ballast, kein Beiwerk. Das ist der Moment, in dem man unweigerlich an Enemy of God denkt – nicht aus Nostalgie, sondern weil hier dieselbe Entschlossenheit spürbar ist. Genau dieser Track beantwortet die Frage, ob Kreator diesen Modus noch beherrschen. Sie tun es. Ohne Zweifel. Auch visuell passt alles ins Gesamtbild. Das Artwork ist kein einfacher Rückgriff auf alte Motive, sondern eine intelligente Neuinterpretation. Bekannte Schriftzüge, okkulte Symbolik, Detailverliebtheit – ein Cover, das man nicht nur anschaut, sondern liest. Genau wie das Album selbst.

Am Ende bleibt für mich kein Zweifel: Krushers of the World ist kein Alterswerk, kein Pflichtalbum, kein routinierter Eintrag in der Diskografie. Es ist ein Album, das zeigt, wie viel Kraft in einer Band steckt, die ihre Geschichte kennt, aber nicht von ihr erdrückt wird. Sind Kreator zurück? Vielleicht waren sie nie weg. Aber mein eigenes Feuer war kleiner geworden. Dieses Album hat es neu entfacht. Und das ist mehr, als man nach all den Jahren erwarten durfte.

Anspieltipps:
🔥Psychotic Imperator
🔥Tränenpalast
🔥Blood of Our Blood
🔥Krushers of the World


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Seven Serpents
02. Satanic Anarchy
03. Krushers of the World
04. Tränenpalast (feat.Britta Goertz)
05. Barbarian
06. Blood of our Blood
07. Combatants
08. Psychotic Imperator
09. Deathscream
10. Loyal to the Grave



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