SUOTANA – Ounas II (2025)
(9.785) Phillip (7,0/10) Melodic Death Metal

Label: Reaper Entertainment
VÖ: 29.08.2025
Stil: Melodic Death Metal
Hach, da wird man ganz wehmütig. Finnischer Melodic Death Metal, da fällt mir natürlich sofort DAS Aushängeschild und erweiterter Einstieg in den Death Metal schlechthin ein: Children of Bodom. Mit Abstrichen vielleicht noch Kalmah, aber mit denen bin ich nie so richtig warm geworden, auch Norther und insbesondere die Flitzefinger von Wintersun dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Wer Anfang der 2000er langhaarig unterwegs war um mit seinen Freunden in einer norddeutschen Kleinstadt ein paar Bier in sich reinzufeuern und nebenher ohrenbetäubenden Metal hören wollte, der kam an Children of Bodom nicht vorbei. Und schon in den ersten paar Sekunden -nach dem Introsong- werden die Parallelen zu Suotana offensichtlich und ich fühlte mich rund 20 Jahre zurückversetzt. Schiet och is dat lang her.

Der Gitarrensound, die Stimme, der Scream! Foreverland fetzt genau so los, wie es die eingangs erwähnten Landsleute nicht besser hätten machen können. Die Keyboards sind vielleicht eine Spur präsenter, der Sound insgesamt einen Hauch moderner, aber eher im Detail, nicht vordergründig. Recht schnell wechseln sich Keif- und Growlgesang ab, jeder darf mal ein wenig solo instrumentieren und Suotana finden ihre Nische im Mid- und Uptempobereich.
Dabei gönnen sie sich auch die ein oder andere frische Spielerei, wie etwas das erstklassige Solo in Winter Visions um die Zwei-Minuten-Marke herum. Im weiteren Verlauf wird dann auffällig, dass hier Seltsames vorgeht. Zwar sind die beiden Vokalisten hier im Death Metal-Register unterwegs, aber die Instrumente klingen viel zu fröhlich klimpernd. Im hochmelodischen Twilight Stream kommen sogar Chöre hinzu! Das ist doch eindeutig Power Metal mit Death Metal-Vocals! Oder Epic- Power- Melodic- Death Metal! Denn die Epik spielt bei Suotana mt naturbezogenen Texten eine herausragende Rolle, das möchte unbedingt erwähnt werden, ist es doch Teil zwei eines nach einem Fluss benannten Albums.
Passend zum Erscheinungsdatum von Ounas II und direkt hinein in die Personalienschlammschlacht bei Cradle Of Filth kommt dann 1473 Ounas daher, ein Song, unterstützt von deren Ex-CoF-Mitglied Zoë Marie Federoff-Šmerda. Ein zehnminütiges, zum Teil wahnsinnig schnelles Bombast-Epos mit einer unfassbaren Blastattacke. Zu diesem Zeitpunkt hatten mich Suotana mit den beiden vorangegangenen Songs bereits soweit niedergedudelt, dass es anfing, langweilig zu werden, denn so ehrlich muss man sein, so oder so ähnlich habe ich das alles schon einmal gehört. Was dann aber in diesem, nach einem Kometen benannten, Song auf mich niederprasselte, hatte dann doch wieder meine Aufmerksamkeit geweckt.
Zum Ende gibt es noch ein bisschen Heldenverehrung und -verneigung mit einer Coverversion, die wenig Überaschung birgt, aber gut umgesetzt ist. Menschen mit einem Softspot für die in der Einleitung erwähnten Finnencombos sollten hier unbedingt zuschlagen. Ounas II ist abwechslungsreich, zugänglich und eingängig. Mir persönlich ist es zu viel (technisch atemberaubendes) Geklimper und fröhlich klingende Folkloristik in Hochgeschwindigkeit, mir fehlt der Groove. Wer allerdings momentan in einer jugendlichen Metal-Kennlernphase steckt und vielleicht gerne mit seinen Kumpels ein paar Halbe kippen will, hat heutzutage ein überbordendes Angebot zur Auswahl, ob Suotana da so einschlagen können wie bei uns damals Children of Bodom wage ich zu bezweifeln.
Anspieltipps:
💥 1473 Ounas
🌨 Winter Visions
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. The Flood (In Memoriam)
2. Foreverland
3. Winter Visions
4. Twilight Stream
5. The Crowned King of Ancient Forest
6. 1473 Ounas
7. Hatebreeder (Children of Bodom- Cover)