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HEIR CORPSE ONE – Destination Domination (2026)
(10.062) Olaf (7,5/10) Death Metal
Label: Emanzipation Productions
VÖ: 06.05.2026
Stil: Death Metal
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Manchmal stolpert man über einen Bandnamen, bei dem man unwillkürlich schmunzelt – HEIR CORPSE ONE ist so ein Kandidat. Klingt wie ein sehr schlechter Erbschaftsfall mit offenem Sarg, passt aber erstaunlich gut zu dem, was Rogga Johansson und seine Mitstreiter hier abliefern. Und ja, jetzt ist Rogga endgültig komplett durchgedreht: Zwei Alben am selben Tag, PAGANIZER und das Teil hier. Ganz ehrlich – kann der Mann überhaupt noch zählen, bei wie vielen Bands er mitmischt? Ich würde wirklich gern mal mit ihm dieses Spiel spielen, bei dem man ihm wahllos Songs aus seiner eigenen Diskographie vorspielt und er erraten muss, bei welcher Band er da gerade selbst Gitarre spielt. Spoiler: Ich glaube, das würde länger dauern als Destination: Domination selbst.
Persönlich nehme ich HEIR CORPSE ONE als eine dieser typischen Rogga-Spielwiesen wahr: sympathisch, fleißig, stilistisch sauber eingehegt, aber selten der große Ausreißer nach oben. Gegründet 2020, mitten in einer Zeit, in der andere Leute Bananenbrot gebacken haben, beschlossen Rogga Johansson und Bassist Peter Svensson lieber, klassischen schwedischen Death Metal mit deutlicher Sunlight-Schlagseite zu züchten. Das Debüt erzählte bereits eine herrlich überzeichnete Zombie-Geschichte rund um reiche Pandemief flüchtlinge im Privatjet – ein Konzept, das irgendwo zwischen Splatterfilm und sozialer Fußnote pendelte. Die EPs danach wilderten im Cthulhu-Sumpf oder im reinen Gore-Gewühl. Destination: Domination setzt diese Saga nun fort und schraubt die Apokalypse noch ein paar Umdrehungen weiter.
Inhaltlich ist das alles herrlich pulpig: Untote Überlebende, eine groteske Mission Richtung Machtzentrum, verwüstete Farmen, Städte als Schlachtfelder und am Ende eine „Undead Nation“, in der der Tod endgültig das Kommando übernimmt. Textlich wird dabei kein literarischer Nobelpreis angestrebt, sondern klar das Genre bedient. Zeilen wie „humanity collapsing under the weight of the black infection“ oder das Bild einer Welt, in der „death claims absolute rule“, funktionieren genau deshalb, weil sie nicht subtil sein wollen, sondern wie eine rostige Axt ins Konzept einschlagen. Das passt, das trägt und verlangt auch gar nicht mehr Tiefgang, als ein gutes Death-Metal-Album liefern muss.
Musikalisch bewegen wir uns ziemlich genau dort, wo man es erwartet – und das ist Fluch und Segen zugleich. Das Riffing ist durchweg solide, sägt schwedisch, groovt ordentlich und riecht verdächtig nach altem Sunlight-Teppich. Vieles walzt im Midtempo, mit dieser angenehmen, leicht schleppenden Wucht, die eher an alte SIX FEET UNDER-Grooves erinnert als an hektisches Geballer. An anderer Stelle blitzt eine gewisse TORTURE KILLER-Kante auf: stumpf, direkt, ohne große Schnörkel. Das macht Spaß, geht gut ins Genick und funktioniert vor allem dann, wenn die Band das Tempo bewusst drosselt und den Groove arbeiten lässt.
Genau hier liegt aber auch das Problem von Destination: Domination. Die Songs sind kompetent, sauber komponiert und handwerklich über jeden Zweifel erhaben – nur bleibt erstaunlich wenig hängen. Es gibt kaum Riffs, bei denen man nach drei Durchläufen denkt: „Ah ja, das ist DER Song.“ Vielmehr rauscht das Album als geschlossenes Bollwerk durch, angenehm brutal, aber ohne wirkliche Wiedererkennungs-Anker. Das ist schwedisches Death-Metal-Mittelfeld im besten Sinne: absolut hörbar, absolut ehrlich, aber selten zwingend. Roggas Gesang pendelt gewohnt zwischen kehligem Gebrüll und knurriger Direktheit, ohne sich groß vom bekannten Schema zu entfernen. Auch die Produktion macht genau das, was sie soll: fett, dreckig genug, aber nicht völlig im Matsch versinkend.
Am Ende bleibt ein Album, das man niemandem schlechtreden kann, das aber auch keinen neuen Maßstab setzt. HEIR CORPSE ONE liefern mit Destination: Domination ein rundes, konsequentes Kapitel ihrer Zombie-Saga ab, das vor allem durch Groove, Konzept und routinierte Umsetzung punktet. Wer Rogga Johansson mag, bekommt genau das, was er erwartet – nicht mehr, nicht weniger. Und vielleicht ist genau das auch der größte Kritikpunkt: Überraschungen bleiben Mangelware.
Anspieltipps:
💀Undeath From Above
🔥Reaping Human Harvest
🎸Motordead

