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WARKINGS - Armageddon (2025)
(9.686) Olaf (9,0/10) Heavy Metal

Label: Napalm Records
VÖ: 04.07.2025
Stil: Heavy/Power Metal
Es gibt sie, diese Alben, bei denen man schon beim ersten Durchlauf denkt: „Na also, geht doch!“ Und während man rhythmisch mit dem Fuß wippt, sich der Refrain ins Hirn gräbt wie eine Axt ins Heidenhaupt und man heimlich „Circle! Of! Witches!“ im Büro vor sich hin brummt, dämmert einem: Ich bin dem WARKINGS-Virus endgültig verfallen.
Dabei ist das gar nicht so überraschend, denn die als Römer, Spartaner, Kreuzritter, Berserker und Zauberin getarnten Recken gehören zwar optisch in die Rüstkammer von History Channel meets LARP-Con, musikalisch aber schnurstracks in die Oberliga des modernen Power Metals. Seit 2018 treibt diese heldenhafte Schar aus dem fiktiven Reich Valhalla Inc. ihr Unwesen und liefert mittlerweile mit Armageddon ihr fünftes Studioalbum ab – und das mit einer Entschlossenheit, als hätten sie gerade erst das Schwert aus dem Stein gezogen.
Ja, ich weiß, die Metalpolizei wird mich für diese Lobhudelei ans Kreuz nageln, aber wer mit ein bisschen Grips und Recherchegeist gesegnet ist, weiß, dass WARKINGS keine zusammengecastete Trash-Truppe wie All for Metal sind, sondern aus gestandenen Musikern bestehen, die jahrzehntelang hart am Brot der Bedeutungslosigkeit genagt haben. Jetzt endlich klappt’s mit Ruhm, Ehre und ordentlich Airplay. Und das sei ihnen von Herzen gegönnt – Masken hin oder her.
Armageddon bietet genau das, was man erwartet – nein, was man sich wünscht: fette Gitarren, ein druckvoller Sound, hymnische Refrains und natürlich wieder mal ein arschvoll Ohrwürmer. Der Titeltrack Armageddon versetzt uns ins Jahr 793 nach Lindisfarne, wo Wikinger mit blanker Axt das Christentum mit der Realität konfrontieren. Die Textzeile „Let the fire rain from the sky!“ lässt keinen Zweifel daran, dass der Soundtrack zur Apokalypse hier mit donnernder Überzeugung dargeboten wird. Und wenn der Berserker brüllt, als ob er selbst das Kloster niederbrennt, möchte man am liebsten den nächsten Altar umwerfen.
Auch Genghis Khan macht keine Gefangenen – unterstützt von den Mannen von Orden Ogan reiten WARKINGS wie eine Reiterhorde der Verdammnis durch die Steppe. Das Tempo, der Groove, die martialische Choreografie im Refrain: episch bis zum Anschlag. Man glaubt fast, die Pferdehufe selbst zu hören, so bildgewaltig wird hier orchestriert.

In Hangman’s Night geht es düsterer zu. Der Untergang der Tempelritter wird mit der Hilfe von Dominum's Dr. Dead in Szene gesetzt – schleppend, unheilvoll, beinahe gespenstisch. „In chains we pray, in flames we die“ – selten war Leid so catchy.
Natürlich darf auch Stahl auf Stahl nicht fehlen, die deutschsprachige Kollaboration mit Subway to Sally, bei der Mittelalter-Metal und bombastischer Pathos Arm in Arm über das Schlachtfeld walzen. Ja, Stahl auf Stahl war auch beim letzten S.t.S.-Album präsent, aber hier funktioniert es sogar noch besser, denn WARKINGS geben dem Ganzen mehr Schwert als Spielmann und somit ist dieser Song eine logische Ergänzung zur fantastischen Tracklist des Albums.
Und dann ist da natürlich Morgana’s Incantation, bei dem unsere liebste Zauberin zeigt, dass sie nicht nur optisch, sondern auch stimmlich die perfekte Ergänzung für diese heldenhafte Truppe ist. Ihre Stimme passt bei vielen Songs wie Arsch auf Eimer, egal ob als dämonischer Kontrapunkt oder als verführerisch-bedrohliches Echo der Verdammnis.
Die Lyrics generell folgen konsequent dem Pfad des epischen Geschichtsunterrichts mit Fantasy-Attitüde. Ob Lindisfarne, die Varangoi, Götterdämmerung oder Hexenzirkel – hier wird keine Sekunde an banalem Smalltalk verschwendet. Stattdessen: „Brothers in steel, sisters in flame, we ride to the end, no one to blame“. Wer da nicht mitgrölt, hat entweder keinen Sinn für Pathos oder leidet unter akuter Euphorieunfähigkeit.
Dass der Gig auf dem Rock Harz das Infield zum Brodeln brachte, wundert da niemanden. Spielfreude pur, stählerner Bombast und diese seltene Magie, wenn eine Band weiß, was sie tut – und es einfach durchzieht, als hinge ihr Leben davon ab. Was für eine Show, was für ein Album.
WARKINGS liefern mit Armageddon ihr vielleicht ausgereiftestes, auf jeden Fall aber ihr unterhaltsamstes Album ab. Es wird polarisieren, es wird belächelt, es wird gefeiert – und das ist gut so. Denn wer nicht ganz so engstirnig ist, wird an dieser apokalyptischen Schlachtplatte verdammt viel Spaß haben. Ich jedenfalls mag diese Band, ihre Musik und gönne jedem dieser Musiker von Herzen den verdienten Erfolg. Und wenn das alles nur ein großes Rollenspiel ist? Dann ist es zumindest eines mit verdammt gutem Soundtrack. AHU!
Anspieltipps:
🔥Armageddon
💀Hangman’s Night
🎸Circle of Witches
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. To Lindisfarne…
02. Armageddon
03. Genghis Khan (feat.Orden Ogan)
04. Kingdom come
05. Morgana’s Incantation
06. Circle of Witches
07. Kings of Ragnarök
08. Call to Arms
09. Troops of Immortality
10. Nightfall
11. Hangman’s Night (feat.Dominum)
12. Varangoi
13. here comes the Rain
14. Stahl auf Stahl (feat.Subway to Sally)