Die Rofa lebt!

Unter diesem Motto trafen sich am Samstag, dem 21. September 2019 auf dem Ludwigsburger Rathausplatz Rockfabrikfans aller Couleur ein, um für den Erhalt dieser Institution zu demonstrieren. Götz Arnscheid hatte im Vorfeld alles organisiert, eine Facebookseite gestartet und mit den Behörden alles klar gemacht. Da wir im Nachbarort wohnen, war es für uns klar, dass wir uns auch dort einfinden. 1600 Leute hatten sich angemeldet. Es sollten fast doppelt so viele werden…. Nun aber erst einmal zum Hintergrund dieser Geschichte.

Seitdem die RoFa gegründet wurde, galt der Mietvertrag immer nur für fünf Jahre, und wurde dann immer um weitere fünf Jahre verlängert. Diesmal jedoch lässt der Eigner des Komplexes, ein gewisser Max Maier, den Vertrag auslaufen. Er hat nur über seine Anwälte mitgeteilt, dass der Mietvertrag zum Ende des Kalenderjahres ausläuft, nicht verlängert wird, und das Gebäude geräumt und rückgebaut wird. Über Gründe und eventuelle Vorhaben wurde und wird nichts bekannt gegeben. Herr Maier reagierte bisher auf keine versuchte Kontaktaufnahme seitens der Betreiber der Rockfabrik, und hüllt sich weiterhin in Schweigen. Um nun etwas auf diese Problematik aufmerksam zu machen, hat Götz diese Kundgebung und die anschließende Demo organisiert.
Wir kamen etwas früher in der Stadt an, da der Bus bei uns am Wochenende nur sporadisch fährt. Also sind wir erst einmal im nahegelegenen Irish Pub eingekehrt und haben mit einem kühlen Glas Cider die Dreiviertelstunde überbrückt. Überall sah man schon erkennbare Teilnehmer der Veranstaltung, die mit selbstgefertigten Plakaten und Schildern zum Versammlungsort strebten. Auch die Wettergötter waren auf unserer Seite, denn vom strahlendblauen Himmel brannte die Spätsommersonne. Als wir dann auch vor Ort einrückten, waren schon etliche Leute da. Und es war ein erstaunlicher Mix, der sich da eingefunden hatte. Da stand Punk neben Kuttenträger, Hardrocker neben Steampunker, Black Metaller neben Gothic. Da sah man das Frank Zappa-Shirt neben dem Metallica-Leibchen, Napalm Death neben Manowar, Possessed (det war icke) neben Iron Maiden. Auch altersmäßig war es weit gefächert. Vom Neugeborenen bis zum Rentner waren alle Altersgruppen da, um die Relevanz der Rockfabrik für viele Generationen aufzuzeigen. Drei Damen waren mit einem Schild angerückt, das besagte „3 Generations for ROFA“. Oma, Mutter und Tochter! Und wenn ich dachte, mich mit meinem Gehstock dorthin zu begeben, wäre eine Meisterleistung, wurde ich doch bald eines Besseren belehrt. Rollstuhlfahrer waren da, Leute, die mit zwei Krücken gehen mussten, Blinde. Was auch wenig verwundert, war Inklusion doch immer gelebte Realität in der Rofa, schon lange, bevor das Thema aufkam. Oft wurden ganze Wagenladung behinderter Menschen in die RoFa gekarrt, wo sie zusammen mit allen anderen feierten, tanzten und Luftgitarre spielten. Niemand wurde blöd angeschaut oder dumm angemacht. Du bist Rock-Fan? Willkommen zuhause!

Mittlerweile hatte sich der Rathausplatz ganz gut gefüllt, und die mannigfaltigsten Gestalten waren zu sehen. Einer kam im Blues Brothers -Outfit, ein anderer trug eine Angus-Young-mäßige Schuluniform. Den Vogel abgeschossen hat allerdings Bernhard Zink, der sich in eine Gene „The Demon“ Simmons- Kluft geworfen hatte, komplett mit Gesichtsbemalung, Showgitarre und Plateausohlen. Du meine Güte!
Die Kundgebung wurde vom DJ Eddy Freiberger eröffnet, der seine Rede mit den filmreifen Worten „Heilige Scheiße!“ begann, allen Anwesenden für ihr Kommen dankte, und auch die Bitte äußerte, sich ordentlich zu benehmen, keinen Müll zu hinterlassen und die Show lautstark, aber geordnet ablaufen zu lassen. Als nächster Redner schwang sich Götz Arnscheid selbst auf das Podium, und stellte den ganzen Sachverhalt noch einmal in allen bekannten Punkten dar.

Als nächster enterte Hasche das Rednerpult, und, Mannomann, der Gute war so fertig, dass er während seiner ganzen Rede mit den Tränen kämpfen musste. Klarer konnte man den emotionalen Aspekt dieser Geschichte nicht darstellen, und auch ich stand kurz davor, ein Tränchen hinter meiner Sonnenbrille verstecken zu müssen.

Es traten noch weitere Redner vor das Mikro, unter anderem Achim Merath, der seit Jahrzehnten die Rockfabrik mit seinen genialen Gemälden und Skulpturen verschönert hatte. Ihm muss sicher besonders das Herz bluten, wenn er daran denkt, dass seine geilen Meisterwerke bald von der Bildfläche verschwinden könnten. Aber er rief die Leute auf, falls die RoFa doch ihre Pforten schließen sollte, nicht aufzugeben, nach vorn zu sehen, vielleicht eine neue Location zu finden, und neu anzufangen.

Für die RoFa machen sich aber auch Musiker stark, wie zum Beispiel die Scorpions, Doro Pesch , Lordi und, natürlich, Atrocity. Deren Mastermind Alex Krull erzählte dann auch noch über die Zusammenhänge seiner Band mit der Rockdisko, und dass Atrocity und RoFa zusammengehören wie Pech und Schwefel.

Da niemand so richtig über die Gründe Bescheid weiß, warum die RoFa dichtgemacht werden soll, sind natürlich auch etliche Gerüchte im Umlauf. Der Begriff Wirtschaftliche Gentrifizierung machte die Runde, und dass Herr Maier den Gebäudekomplex an Firmen wie Bosch oder Porsche vermieten will. Zu diesem Thema meldete sich der nächste Redner, Ralph Schertler, der in der Nachbarschaft der RoFa bei Bosch arbeitet. Er hat eine werksinterne Facebook-Seite ins Leben gerufen, um in seiner Firma für den Erhalt der Rockfabrik zu werben, denn, wie er sagte, bei Bosch wird das Thema Work-Life-Balance großgeschrieben. Und dazu gehört auch der Besuch der Rofa. Er deutete an, auch bei den Porsche-Mitarbeitern dafür zu werben, ähnlich aktiv zu werden.
Dann kam auch noch Gene Simmons auf die Bühne. Also nicht deeer Gene Simmons, sondern „unserer“. Er arbeitet hauptberuflich als Schreinermeister, und besucht sonst im Clownsoutfit Kinderkliniken. Auch Martin Kesici meldete sich zu Wort, er, der nun extra nach Ludwigsburg ziehen wollte. Und nun macht die RoFa dicht? „Das geht gaaaar nicht!“ Immer wieder kamen Begriffe wie „Familie“, „Zuhause“ oder „Zweites Wohnzimmer“ in den Reden vor.

Nach der Kundgebung zog der Pulk von 2- bis 3000 Rockfans geschlossen durch die Innenstadt Ludwigsburgs in Richtung Rockfabrik. Torsten „John Belushi“ Krüger hatte auf einem Kinderbuggy eine Soundmaschine, und begleitete den Zug mit Queen und AC/DC. Sprechchöre skandierten „Rofa, Rofa, Rofa“ und „Die Rofa lebt!“. Ganz ohne Müll ging es dann doch nicht ab, denn die leeren Behältnisse der Getränke, die die Demonstranten mitbrachten, stapelten sich dann doch bei den Mülleimern. Sehr zur Freude von zwei Flaschensammlern, denen der große Durst der Rockfans schnelle Beute bescherte. Haben wir also auch noch etwas Gutes getan.

Dann kam der Demonstrationszug an der Rockfabrik an, und die RoFanatiker enterten sogleich das Parkdeck des nebenanliegenden Kauflands. Wir mussten noch eine Weile warten, da wir vor dem Zeitplan waren, aber irgendwann öffneten sich die Tore der Rockfabrik, und die fast 3000 Demonstranten strömten ins Innere. Zur Feier des Tages gab es freien Eintritt, und auch reduzierte Getränkepreise bis 22. 00 Uhr. Natürlich dauerte es eine Weile, bis alle drin waren, obwohl die RoFa-Leute sogar die Konzertausgänge öffneten. Irgendwann waren dann auch wir drin, der Laden war proppevoll, und zu den Klängen von „Cowboys from Hell“ suchten wir uns einen Platz, und meine Holde ging die erste Runde Bier holen. Hierbei muss ich auch die unmenschliche Arbeit des Schankpersonals erwähnen, die wirklich 200 Prozent gaben, um die durstigen Massen mit Getränken zu versorgen. Und es dauerte auch nur einen Bruchteil einer Minute, um zu erkennen, was die Redner vorhin mit „Familie“ und „Zuhause“ meinten. Man kann Monate nicht in der Rockfabrik gewesen sein, tritt man ein, ist es, als wäre man nie weg gewesen. Und alle feierten, als gäbe es kein Morgen. Die Tanzfläche war ständig voll, was um diese Uhrzeit normalerweise nicht der Fall ist. Und wie immer, war man wie eine große Familie. Kein Stress, keine Pöbelei, keine Ressentiments. Und während ich das schreibe, muss ich schon wieder mit den Tränen kämpfen. Alter, und das wollen sie uns wegnehmen! Die Schweine!
Doch auch der DJ war wohl etwas von den Socken, da er kurz hintereinander zweimal Iron Maidens „Fear Of The Dark“ spielte. Aber vielleicht war es unterschwellig auch wirklich die Angst vor dem Moment, wenn die Lichter in der RoFa ausgehen. Allen Beteiligten ist klar, dass diese Aktion nichts an den Machenschaften des Herrn Maier ändern wird. Dafür spricht die totale Kommunikationsverweigerung eine zu klare Sprache. Aber wir haben gezeigt, dass die RoFa lebt. Denn die RoFa ist nicht einfach nur eine Rockdisko. Die RoFa sind wir. Und solange wir leben, lebt auch die Rockfabrik. Und wenn es nur noch in unseren Herzen ist. Und ich heul schon wieder. Das zum Thema harter Metaller……


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