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Live on Stage Preview: Protzen Open Air 2026
vom 18. bis 20.06.2026
Wenn sich irgendwo zwischen märkischem Kiefernwald, Staub und Hopfenduft wieder die Tore zum Protzen Open Air öffnen, dann weiß man: Der Sommer meint es ernst. Und 2026? Das riecht schon jetzt nach einem dieser legendären Jahre, bei denen man hinterher mit einem breiten Grinsen und leicht steifem Nacken behauptet, „alles gesehen“ zu haben – obwohl das bei diesem Billing eigentlich unmöglich ist.
Ich lehne mich nicht nur aus dem Fenster, ich springe mit Anlauf: Für mich persönlich ist das Line-up 2026 eines der stärksten, das Protzen je auf die Beine gestellt hat. Und das will bei der Historie dieses Festivals schon etwas heißen. Wir hatten es ja bereits in unserem kleinen Vorbericht bei Zephyr’s Odem anklingen lassen, als die Running Order veröffentlicht wurde – aber je länger man sich mit den Namen beschäftigt, desto klarer wird: Hier wurde nicht einfach gebucht, hier wurde mit Herzblut kuratiert. Kein Leerlauf, keine Kompromisse, sondern ein durchgehend stimmiges Gesamtbild, das dich von der ersten bis zur letzten Band beschäftigt hält.
Donnerstag ist dabei längst mehr als nur Anreisetag – es ist der offizielle Startschuss. Während andere Festivals sich noch sammeln, legt Protzen schon los. Im Hangar geht es direkt zur Sache, und mit Bands wie Blutgott, Stillbirth und Traitor wird hier keine lauwarme Einstimmung serviert, sondern ein handfester Auftakt, der klarstellt, wohin die Reise geht: Vollgas ab Minute eins. Spätestens wenn dann noch die Hangar-Party bis in die Nacht läuft, ist klar – wer hier erst Freitag „richtig anfängt“, hat das Konzept nicht verstanden.
Freitag übernimmt dann die Rolle des perfekten Eskalationsbeschleunigers. Der Tag, an dem sich das Gelände endgültig füllt und der Puls langsam in den roten Bereich wandert. Auf der Mainstage sorgt unter anderem Pro-Pain für diese unnachgiebige Hardcore-Kante, während Baest mit ihrem druckvollen Death Metal zeigen, warum sie längst kein Geheimtipp mehr sind. Wenn dann noch The Spirit ihre kalte, hypnotische Atmosphäre über den Acker legen, wird aus einem Festivalabend schnell ein intensiver Trip zwischen Dunkelheit und Ekstase.
Und während man sich freitags noch einredet, man würde es „ruhig angehen lassen“, kreisen die Gedanken natürlich längst um den Samstagmorgen. Ja, genau: Frühschoppen. Dieses wunderbare Relikt aus besseren Zeiten hat hier Kultstatus erreicht und ist so fest im Ablauf verankert wie Bier im Becher. 2026 übernehmen diese ehrenvolle Aufgabe Der Münzer und seine Mannen – und das bedeutet nichts Geringeres als ein kollektives Aufwecken mit Dudelsack, Riffgewalt und einer gehörigen Portion Mitgrölfaktor. Zwischen 10 und 12 Uhr wird hier nicht vorsichtig in den Tag gestartet, sondern direkt in den Feiermodus geschaltet: bekannte Melodien, irgendwo zwischen Lagerfeuer und In-Extremo-Vibe, treffen auf treibenden Hardrock, während die Becher erhoben werden, als gäbe es keine Uhrzeit mehr. Das wird kein Frühschoppen – das wird ein Ritual.
Der Samstag selbst setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Wenn Rotting Christ den späten Slot übernehmen, wird der Acker zur düsteren Messe, während Avulsed vorher schon mit brachialem Old-School-Death alles kurz und klein walzen. Und irgendwo dazwischen liefern Bands wie F.K.Ü. den perfekten Soundtrack für verschwitzte Shirts, Staub in der Lunge und dieses unbeschreibliche Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Was das Protzen Open Air am Ende aber wirklich ausmacht, ist nicht nur dieses unfassbar starke Billing. Es ist dieses Gefühl von Echtheit. Kein Hochglanz, kein überinszenierter Firlefanz, sondern ehrliche Musik, ehrliche Leute und ein Wochenende, das sich anfühlt wie ein großes, leicht chaotisches Familientreffen mit verzerrten Gitarren.
2026 bringt all das auf den Punkt: ein Line-up zum Niederknien, ein Frühschoppen mit Kultstatus und eine Atmosphäre, die man nicht erklären kann – man muss sie erleben. Oder anders gesagt: Kutte einpacken, Bier kaltstellen und sich darauf einstellen, dass dieses Wochenende Spuren hinterlässt. Und zwar genau die richtigen.

