CRYPTWORM – Infectious Pathological Waste (2026)
(10.166) Phillip (7,5/10) Death Metal
Label: Me Saco Un Ojo Records
VÖ: 27.03.2026
Stil: Death Metal
Direkt rein! Volles Mett voraus! Wozu braucht man Intros oder Einleitungen, wenn man Riffs hat? Genau! Garnicht! So denken sicherlich auch Cryptworm auf ihrer nunmehr dritten Langspielrille. Wozu langsam und bedrohlich Atmosphäre aufbauen, wenn man seine Opfer, also die Hörerschaft, auch direkt in einen Klärgrube treten kann?
Die Bristol Boys um Wahl-Brite Tibor Hanyi setzen mit Infectious Pathological Waste konsequent ihren Streifzug durch die ablebensmetallische Kanalisation fort und denken gar nicht erst daran im Songwriting etwas zu ändern. Schließlich lief es bis hier hin ganz flüssig, sodass genug Zeit und Aufmerksamkeit übrigblieb, um am Sound selbst zu basteln. Denn hier liegt die große Entwicklung im Vergleich zu den Vorgänger- Alben.
Die komplette Instrumentalfraktion agiert mit wesentlich mehr Dampf auf den Kesseln, klingen um ein Vielfaches klarer als noch bisher. Jeder einzelne Snare-Schlag rüttelt an der Gehörknöchelchenkette, jede Kickdrum ist ein stumpfer Schlag in die Magengrube. Die Gitarren klingen sauber und akzentuiert, druckvoll und wunderbar erhaben schweben sie über dem Fundament des Schlagwerks, sauber umrahmt vom knorrigen und knarzigen Bass. Es könnte alles so schön sein.
Doch die Vocals sind es, die mir hier ein wenig in die glibberige Suppe spucken. Selbstverständlich sind die nach wie vor im Regal für Toilettenspülungsgeäusche zu verorten, das muss ja auch so, aber stechen sie im Mix so unangenehm hervor, dass man denken könnte, da ist jemand am Regler ausgerutscht. Genau den Tick zu laut, der es mir tatsächlich erschwert, auf die sehr geilen Riffs zu achten. Ich würde sogar so weit gehen, dass starke Tracks wie Maimed and Gutted oder Embedded with Parasitic Larvae damit bis zu einem gewissen Grad fast ruiniert werden. Für jeden Song benötigte ich einen neuen Anlauf, um mich an den Mix zu gewöhnen und das kann ja schlecht beabsichtigt sein.
Natürlich ist mir der Text nebensächlich, ein Blick auf die Songtitel ist da selbsterklärend, allerdings wären ein paar Nuancen in der Phrasierung doch ganz nett gewesen, so verkommt die stimmliche Leistung irgendwann zur anstrengenden Begleiterscheinung, die sich in den Songs aufdrängt wie der seltsame Onkel mit „kontroversen“ „Meinungen“ bei Familienfesten. Unpassend und eigentlich müsste er es besser wissen.
Aber genug davon, denn die Songs an sich knallen amtlich in die Faulgrube, auch wenn sie im Kern ähnlich klingen. So fällt es mir natürlich schwer hier Favoriten zu benennen. So haben die Songs dann doch häufig dort einen ultrakreativen Gitarrenpart, hier einen maximal zermalmenden Groove (Gastrointestinal Seepage zum Beispiel) oder überraschenden Basslauf versteckt, für die es sich lohnt, das Album immer wieder anzuhören. Ich gebe aber zu, dass ich für diese Erkenntnis auch ein paar Anläufe benötigte, aber dafür hat sich das gelohnt!
Anspieltipps:
⚒ Maimed and Gutted
🦟 Embedded with Parasitic Larvae
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Gallons of Molten Hominal Goo
02. Maimed and Gutted
03. Drowning in Purulent Excrementia
04. Infectious Pathological Waste
05. Embedded with Parasitic Larvae
06. Emanations of Corporeal Pyosis
07. Gastrointestinal Seepage
08. Encephalic Feast

