Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (02/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

Wir hörten früher gerne

So fing alles an

CD-Reviews E-G

EXODUS - Goliath (2026)

(10.155) Olaf (4,0/10) Thrash Metal


Label: Napalm Records
VÖ: 20.03.2026
Stil: Thrash Metal






Als die Nachricht kam, dass EXODUS mit Rob Dukes zurückkehren, war ich alles andere als elektrisiert. Eher das Gegenteil. Ich konnte mit Dukes noch nie wirklich etwas anfangen, und die Aussicht, ihn wieder am Mikro zu hören, hat bei mir eher Stirnrunzeln als Vorfreude ausgelöst. Vielleicht auch genau deshalb war die Erwartungshaltung seltsam ambivalent: Skepsis auf der einen Seite, die naive Hoffnung auf ein musikalisches Erdbeben auf der anderen. Immerhin reden wir hier von einer der wichtigsten Thrash-Bands dieses Planeten. Ein Albumtitel wie Goliath lässt ja auch wenig Raum für Bescheidenheit. Das schreit nach Zerstörung, nach Gewicht, nach einem Werk, das sich wie ein Presslufthammer durch die Schädeldecke arbeitet.

Nach mehreren Durchläufen bleibt davon leider nicht viel übrig. Eher ein laues Lüftchen, das sich verzweifelt Mühe gibt, wie ein Orkan zu wirken.

Ich bin die-hard-EXODUS-Fan, und ja, ich bin Team Zetro – das wird sich auch nicht mehr ändern. Umso mehr habe ich versucht, dieses Album fair zu hören und meine persönliche Abneigung gegenüber Dukes außen vor zu lassen. Und genau hier kommt die vielleicht größte Überraschung: An den Vocals liegt es tatsächlich nicht. Ich hätte es gerne darauf geschoben, das wäre bequem gewesen. Aber nein – Dukes macht seine Sache ordentlich. Teilweise sogar richtig gut. Bissig, präsent, aggressiv genug, um dem Material zumindest etwas Leben einzuhauchen.

Das Problem sitzt ganz woanders. Und leider genau da, wo es bei EXODUS niemals sitzen dürfte: Das Songwriting ist einer solchen Legende schlicht unwürdig.

Gary Holt und Lee Altus – eigentlich eine Institution für sich, das Thrash-Pendant zu Duos wie Tipton/Downing oder Smith/Murray – liefern hier Riffs ab, die so dermaßen inspirationslos, saftlos und erschütternd langweilig sind, dass man sich ernsthaft fragt, wie das durch sämtliche Instanzen der Band gehen konnte, ohne dass irgendjemand einmal auf den Tisch gehauen hat. Da fehlt es an Biss, an Wiedererkennungswert, an dieser unnachahmlichen Mischung aus Aggression und Groove, die EXODUS einst ausgezeichnet hat. Stattdessen plätschern viele Ideen vor sich hin, wirken wie Skizzen, die man vergessen hat auszuarbeiten.

Die Produktion hingegen ist absolut in Ordnung. Fett, druckvoll, sauber – genau so, wie man es sich wünscht. Tom Hunting und Jack Gibson profitieren davon enorm. Gerade die Rhythmusfraktion liefert ab wie ein Uhrwerk auf Steroiden. Hunting prügelt sich mit gewohnter Präzision und Wucht durch die Songs, Gibson sorgt für das nötige Fundament. Wenn es auf diesem Album so etwas wie Lichtblicke gibt, dann kommen sie aus genau dieser Ecke.

Aber selbst die beste Produktion kann nicht kaschieren, wenn die Substanz fehlt.

Was mich besonders frustriert: Man hört, dass die Band etwas wollte. Mehr Vielfalt, mehr Dynamik, mehr Zusammenarbeit. Gastbeiträge, unterschiedliche Einflüsse, größere Spannbreite. Das alles klingt auf dem Papier ambitioniert und spannend. In der Umsetzung wirkt es jedoch oft wie Stückwerk. Einzelne Ideen blitzen kurz auf, verpuffen aber genauso schnell wieder, weil sie nicht in wirklich starke Songs eingebettet sind. Der Titeltrack Goliath ist dabei der traurige Höhepunkt – oder besser gesagt: Tiefpunkt. Ein Song, der eigentlich alles niederwalzen müsste, stattdessen aber in einer kaum zu überbietenden Ödnis versandet. So unerquicklich langatmig, so spannungsarm, dass man mehrfach gedanklich aussteigt und sich fragt, ob das jetzt wirklich dieselbe Band ist, die einst Bonded By Blood oder Tempo Of The Damned geschrieben hat.

Auch Promise You This hinterlässt einen mehr als faden Beigeschmack. Der Refrain ist so nah an Slave to the Grind von Skid Row, dass man sich unweigerlich fragt, ob hier jemand zu oft in alten Playlists unterwegs war. Das ist kein subtiler Einfluss, das ist ein Vorschlaghammer mit Fremdmaterial. Es heißt so oft: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wenn ich dieses Sprichwort auf das neue Album von EXODUS anwende, können wir uns auf eine Zeit zwischen Mai und September einstellen, bei der Schneestürme und minus fünfzehn Grad herrschen. Einzelne halbwegs brauchbare Momente ändern nichts daran, dass der Großteil dieses Albums erschreckend kalt lässt.

Und genau das ist vielleicht das größte Problem: Gleichgültigkeit. Nicht Wut, nicht Entsetzen, nicht einmal echtes Kopfschütteln nach dem dritten Durchlauf. Sondern dieses unangenehme Gefühl, dass einen die Musik einfach nicht packt. Dass sie durchläuft, ohne Spuren zu hinterlassen. Ich nenne Euch auf Zuruf fünf Bands, die aktuell bessere Thrash-Alben veröffentlichen als diese Legende – und das tut weh, das überhaupt schreiben zu müssen. Das Cover fügt sich dazu leider nahtlos ins Gesamtbild ein: grotesk schlimm. Kein Charme, keine Ironie, kein Kultfaktor. Einfach nur… unerquicklich.

Ich wollte ursprünglich ein Track-by-Track-Review schreiben, aber das hätte sich schnell wie eine Dauerschleife gelesen: gleiche Kritik, gleiche Ernüchterung, gleiche verpasste Chancen. Und irgendwann muss man sich auch eingestehen, dass es nichts bringt, jeden einzelnen Song auseinanderzunehmen, wenn das Grundproblem überall dasselbe ist. Aber noch einmal zur Ehrenrettung: Tom Hunting und Jack Gibson sind über jeden Zweifel erhaben, und ja – selbst Dukes macht einen besseren Job, als ich erwartet hätte. Aber wenn bei EXODUS ausgerechnet die Gitarren versagen, dann bricht das Fundament weg. Und genau das passiert hier.

In meinen Augen ist Goliath ein Totalausfall. Nicht, weil alles schlecht wäre – sondern weil das Entscheidende fehlt. Die Songs. Die Ideen. Der Hunger. Das Feuer. Ich werde die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben. Andere Legenden haben auch schwache Phasen überstanden. Aber dieses Album gehört für mich definitiv zu den Tiefpunkten der Bandgeschichte. Am Ende bleibt ein Album, das viel will, ordentlich klingt, aber nichts hinterlässt – und für eine Band wie EXODUS ist genau das die größte Niederlage.

Dennoch wird sich das Teil verkaufen wie Hulle, was der Band natürlich zu gönnen ist. Ich hingegen ziehe mich enttäuscht zurück, lege die alten Klassiker dieser Band auf und erinnere mich an Zeiten, wo ich alles von Exodus blind gekauft hätte.


Bewertung: 4,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. 3111
02. Hostis Humani
03. The Changing Me
04. Promise you this
05. Goliath
06. Beyond the Event Horizon
07. 2 Minutes Hate
08. Violence Works
09. Summon of the God unknown
10. The dirtiest of the Dozen 



SOCIAL MEDIA

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist