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WHITE SKIES – Shouting at the Hurricane (2026)

(10.162) Olaf (8,0/10) AOR / Hardrock


Label: Metalopolis Records
VÖ: 27.03.2026
Stil: AOR / Hardrock







Manchmal reicht ein einziger Name, um die eigene innere Jukebox sofort auf Hochglanz zu polieren. In diesem Fall war es nicht nur der Name WHITE SKIES, sondern auch die Erinnerung daran, dass AOR – dieses oft belächelte, aber zutiefst ehrliche Genre – dank Bands wie Nestor wieder mit stolzgeschwellter Brust durch die Fußgängerzone marschiert. Und genau in diese Kerbe schlagen auch diese Briten, die zwar offiziell erst 2020 gegründet wurden, deren musikalischer Lebenslauf aber länger ist als so mancher Tourbus-Kilometerzähler.

Denn hier stehen keine Frischlinge am Start, sondern gestandene Szeneveteranen, die seit den Achtzigern im melodischen Hardrock unterwegs sind. Sänger Mick White hat seine Sporen bereits im Umfeld von SAMSON verdient, tourte mit Größen durch die Lande und bringt genau diese Erfahrung mit, die man diesem Album in jeder Sekunde anhört. Auch der Rest der Truppe liest sich wie ein Klassentreffen britischer Melodic-Rock-Geschichte – Musiker, die nicht mehr beweisen müssen, dass sie ihr Handwerk beherrschen, sondern einfach zeigen, dass sie es lieben.

Und genau das ist der entscheidende Punkt: „Shouting at the Hurricane“ klingt nicht nach einem kalkulierten Retro-Projekt, sondern nach einer Band, die Bock hat. Nach einer Band, die weiß, dass große Refrains nicht peinlich sind, sondern verdammt nochmal das Herzstück dieser Musik.

Schon früh wird klar, wohin die Reise geht: große Gesten, breite Gitarren, Keyboards, die sich wie warmer Sommerregen über alles legen, und Hooks, die sich schneller festsetzen als ein Ohrwurm auf Koffein. If This Is It (Get Ready) macht seinem Namen alle Ehre – das Ding ist kein vorsichtiges Herantasten, sondern ein freundlicher Schlag ins Gesicht, der sagt: „Na, hast du uns vermisst?“

Dabei ist das Album ein Paradebeispiel für das, was guten AOR ausmacht: Es ist eingängig, ohne banal zu sein. Es ist emotional, ohne ins Kitschgrab zu kippen – na gut, manchmal schon ein bisschen, aber genau das gehört dazu. Wer bei The Girl’s In Love oder So Sweet nicht zumindest kurz mit dem Gedanken spielt, die Sonnenbrille aufzusetzen und in Zeitlupe durch den Raum zu laufen, der hat entweder kein Herz oder zu viel Black Metal gehört.

Was besonders auffällt: die Balance. Die Band versteht es, zwischen Midtempo-Groovern und hymnischen Breitseiten zu wechseln, ohne dass es je langweilig wird. Money To Burn hat diesen leicht rotzigen Drive, während I Can’t Make This Alone eher auf die Tränendrüse zielt – und das erstaunlich gut, ohne in belanglose Radiopampe abzudriften.

Der Titeltrack Shouting at the Hurricane ist dann so etwas wie das emotionale Zentrum der Platte: groß, dramatisch, fast schon cineastisch. Genau die Sorte Song, bei der man sich fragt, warum solche Musik eigentlich irgendwann aus den Charts verschwunden ist. Und Those Days liefert dann die obligatorische Portion Nostalgie gleich mit – allerdings nicht als wehmütiger Rückblick, sondern eher als warmes Schulterklopfen.

Produktionstechnisch gibt es hier ebenfalls nichts zu meckern. Das Album klingt druckvoll, klar und trotzdem angenehm organisch. Keine sterile Hochglanzpolitur, sondern genau der richtige Mix aus Druck und Wärme. Man merkt, dass hier Leute am Werk waren, die wissen, wie diese Art von Musik klingen muss, damit sie wirkt. Und ja, natürlich ist das alles stellenweise cheesy. Aber ganz ehrlich: Wenn AOR nicht auch ein bisschen nach Haarspray, Sonnenuntergang und übertriebenem Pathos riecht, dann läuft etwas gewaltig falsch. Genau diese leicht überzuckerte Note macht den Charme aus – und WHITE SKIES dosieren sie genau richtig.

Das vielleicht größte Kompliment: Dieses Album funktioniert immer. Beim Autofahren, beim Bier auf dem Balkon, beim Aufräumen, beim Nichtstun. Es ist diese Art von Platte, die nicht fordert, sondern begleitet – und genau dadurch gewinnt. Kein Stress, kein Krampf, einfach gute Laune auf Knopfdruck. Am Ende steht ein Album, das nicht die Welt neu erfindet – aber sie für knapp 50 Minuten ein bisschen besser macht. Und manchmal ist genau das die größere Kunst.

Anspieltipps:
⚡If This Is It (Get Ready)
💸Money To Burn
🌪️Shouting at the Hurricane


Bewertung: 8,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. If this is it (Get ready)
02. 88 Crash
03. Money to burn
04. I can’t make this alone
05. The Girl’s in Love
06. Shouting at the Hurricane
07. Those Days
08. One Life
09. Righteous Zone
10. Control
11. So sweet
12. I kissed the Rain



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