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EMBRYONIC AUTOPSY – Rise of the Mutated (2026)

(10.281) Olaf (8,6/10) Death Metal


Label: Massacre Records
VÖ: 05.06.2026
Stil: Death Metal






Wenn man sich nachts um halb zwei mit einer Flasche Bier, viel zu lauter Anlage und morbider Neugier durch die Diskografie von EMBRYONIC AUTOPSY fräst, dann merkt man relativ schnell: Diese Band will niemanden bekehren. Die wollen Köpfe rollen sehen. Gedärme. Mutation. Körperflüssigkeiten in Aggregatzuständen, die normalerweise selbst Pathologen nervös machen. Und genau deshalb funktioniert dieser Wahnsinn so verdammt gut.

Die Truppe aus den USA schließt mit Rise Of The Mutated ihre Trilogie ab, die bereits mit Prophecies Of The Conjoined begann und über Origins Of The Deformed weiter eskalierte. Inhaltlich wird hier endgültig alles von außerirdischer Genetik, deformierter Evolution und biologischem Horror überrollt, bis selbst H.R. Giger vermutlich angewidert den Raum verlassen würde. Aber das Entscheidende ist: Hinter all dem Splatter steckt tatsächlich Substanz. Keine dumpfe Brutalo-Kirmes für Goregrind-Aufkleber auf Schultoiletten, sondern ein Album mit Struktur, Atmosphäre und erstaunlich cleverem Songwriting.

Saufett produziert. Wirklich. Das Ding klingt, als hätte man einen Panzer mit menschlichen Knochen gedämmt und anschließend in einem Schlachthaus aufgenommen. Jeder Blastbeat sitzt wie ein Vorschlaghammer auf die Nasenscheidewand, die Gitarren sägen sich durch Fleisch und Hirnmasse, während der Bass angenehm widerlich vor sich hin fault. Gleichzeitig bleibt alles transparent genug, um die vielen kleinen Details überhaupt wahrnehmen zu können. Gerade das macht den Unterschied zwischen stumpfem Geballer und richtig starkem Brutal Death Metal aus.

Dazu kommt Tim King. Was für ein unfassbares Organ. Da wird gegurgelt, gegrowlt, gebrüllt, gefaucht und teilweise geklungen, als würde ein sterbender Dämon rückwärts durch einen Industriehäcksler gezogen werden. Und trotzdem wirkt das nie eindimensional. Gerade Fans alter Six Feet Under oder klassischer Cannibal Corpse-Momente dürften hier sabbernd im Wohnzimmer sitzen wie Kinder vor der Metzgerei-Auslage. Für Liebhaber dieser Schule ist Rise Of The Mutated ein famoser Leichenschmaus.

Musikalisch walzt das Album zunächst alles nieder, was nicht bei drei im Autopsietisch verschwunden ist. Die Geschwindigkeit ist absurd hoch, aber nie sinnlos. Bathing In Entrails oder Zombified Infants Of Roswell treten sofort die Tür ein und zeigen, dass Scott Roberts genau verstanden hat, wie man Oldschool-Brutalität mit moderner Präzision kombiniert, ohne steril zu klingen. Dieses Album lebt. Es fault. Es atmet toxische Gase. Genau so muss das.

Dabei gefallen mir besonders diese leicht filmischen Momente, in denen die Platte kurz Atmosphäre aufbaut, bevor wieder sämtliche Därme aus dem Fenster fliegen. Gerade textlich entstehen immer wieder herrlich groteske Bilder. Wenn von „genetic rebirth“, deformierten Königen oder der Übernahme durch mutierte Hybridwesen die Rede ist, hat das fast etwas apokalyptisch Opernhaftes. Natürlich alles mit literweise Eiter übergossen, versteht sich.

Überhaupt steckt erstaunlich viel Dynamik in diesem Album. Die Platte ist eben nicht nur Dauerfeuer. Im Mittelteil schwächelt das Ganze zwar minimal. Nicht schlimm, aber zwischen all den Hochgeschwindigkeitszerlegungen schleichen sich ein, zwei Momente ein, die etwas weniger zwingend wirken. Da fehlt kurz dieses absolute Killer-Riff, dieser eine irrsinnige Moment, bei dem man automatisch die Bierflasche festhält und die Nachbarn hassen lernt. Aber selbst diese „schwächeren“ Minuten liegen noch deutlich über dem Durchschnitt dessen, was heutzutage unter Brutal Death Metal veröffentlicht wird.

Und dann kommt dieses Finale. Rise Of The Mutated (The Newborn Kings) ist für die Verhältnisse von EMBRYONIC AUTOPSY beinahe schon opernhaft angelegt. Natürlich immer noch brutal wie ein Vorschlaghammer auf einen Brustkorb, aber gleichzeitig mit einer merkwürdig progressiven Schlagseite, die dem Album zum Ende hin noch einmal eine völlig andere Dimension verleiht. Die Band nimmt sich Raum, arbeitet mit Atmosphäre, Spannungsbögen und deutlich mehr Struktur. Genau dadurch wirkt das Finale nicht wie irgendein letzter Song, sondern tatsächlich wie der Abschluss einer größeren Geschichte. 

Besonders stark ist außerdem, wie organisch sich die Gastbeiträge einfügen. James Murphy liefert genau jene Leads, die sofort diesen klassischen Death-Metal-Geist beschwören, während Terrance Hobbs ohnehin klingt, als hätte er die Definition von „zerstörerisches Riffing“ persönlich erfunden. Trotzdem bleibt das Album jederzeit ein Werk von EMBRYONIC AUTOPSY und verliert sich nie in Namedropping oder Szene-Nostalgie.

Was ebenfalls hängen bleibt: Trotz aller Brutalität besitzt das Material Groove. Richtig widerlichen, schleppenden, knochensägenden Groove. Immer wieder tauchen Passagen auf, die nicht nur zum Headbangen einladen, sondern förmlich den kompletten Nacken enteignen. Gerade deshalb funktioniert die Platte auch über die reine Extrem-Metal-Zielgruppe hinaus erstaunlich gut. Wer mit klassischem US-Death-Metal sozialisiert wurde, dürfte hier ohnehin sofort zuhause sein.

Gefällt mir verdammt gut, dieses Monster. Nicht perfekt, dafür zu leicht schwankend im Mittelteil. Aber Killer ist das Teil allemal. Vor allem, weil die Band es schafft, bei aller technischen Gewalt niemals den eigentlichen Song zu vergessen. Das hier ist keine olympische Fingerübung für Griffbrett-Akrobaten, sondern ein monströses Death-Metal-Album mit Charakter, Atmosphäre und tonnenweise Gedärm.

Am Ende bleibt ein Album, das klingt wie eine außerirdische Autopsie auf VHS-Kassette, gefunden in einem verstrahlten Keller irgendwo zwischen Tampa und Area 51. Brutal, schleimig, herrlich geschmacklos und gleichzeitig erstaunlich ausgearbeitet. Genau jene Sorte Platte, die man nachts viel zu laut hört und morgens mit Nackenschmerzen bereut. Oder eben auch nicht.

ANSPIELTIPS:
🔥Bathing In Entrails
💀Stab, Kill, Consume
🧬Rise Of The Mutated (The Newborn Kings)


Bewertung: 8,6 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Bathing in Entrails
02. Zombified Infants of Roswell
03. Feasting upon the rotten Uterus
04. Aborted within the Aztec Temple
05. Beheading the infertile Surrogate
06. Burst Ovarian Cyst
07. Stab, kill, consume
08. Drenched in corrosice Semen
09. Bloated in Pus
10. Rise of the Mutated (The newborn Kings) 




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