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KAI HANSEN – Born with a Hammer (2026)

(10.438) Olaf (3,0/10) Heavy Metal


Label: earMUSIC
VÖ: 18.09.2026
Stil: Heavy Metal






Eins vorweg: Ich mag wirklich alle Musiker, die sich auf diesem Album zusammenfinden. Kai Hansens Kompositionen aus seiner Zeit bei HELLOWEEN gehören für mich zum Besten, was der europäische Heavy Metal hervorgebracht hat, und auch GAMMA RAY standen bei mir nie im Verdacht, musikalische Platzverschwendung zu betreiben. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf Born With A Hammer. Umso bitterer das Ergebnis: Diese Platte ist tot … totlangweilig, tot…al uninspiriert und über weite Strecken totproduziert. Wenn das Album einen Puls besitzt, braucht das Messgerät dringend neue Batterien.

Kai Hansen ist eine Institution. Der gebürtige Hamburger hat als Mitbegründer von HELLOWEEN und Kopf von GAMMA RAY den europäischen Power Metal entscheidend geprägt. Ohne ihn wären ganze Festivals vermutlich nie entstanden und zahlreiche Gitarristen müssten sich einen anderen Grund suchen, mit gespreizten Beinen auf Monitorboxen zu stehen. Songs wie Ride The Sky, Future World, March Of Time oder I Want Out klingen bis heute, als hätten sie gerade erst die Stalltür eingetreten.

Und nun das.

Bereits das gar scheußliche Cover schreit so laut nach künstlicher Intelligenz, dass irgendwo in Patagonien ein Lama erschrocken den Kopf hebt. Natürlich soll man eine Platte nicht nach ihrer Verpackung beurteilen. Hier kündigt diese den Inhalt allerdings erstaunlich ehrlich an: glatt, künstlich und seelenlos, als habe ein Toaster nach drei Prompts seine Vorstellung von Heavy Metal ausgespuckt.

Der Pressetext verspricht ein rohes, energiegeladenes und rebellisches Album. Roh ist hier höchstens mein Nervenkostüm nach dem dritten Durchlauf. Rebellisch ist allenfalls die Weigerung der Songs, interessant zu werden. Dabei liest sich die Besetzung fantastisch: Eike Freese, Alexander Dietz von HEAVEN SHALL BURN, Tim Hansen von INDUCTION und zugleich Sohnemann des Hauptprotagonisten und Dan Wilding von CARCASS sind beteiligt. Das ist ungefähr so, als würden ein Sternekoch, ein Metzgermeister und ein preisgekrönter Bäcker gemeinsam antreten – und am Ende Knäckebrot ohne Belag servieren.

Handwerklich sitzt selbstverständlich alles. Die Produktion ist so sauber, dass man darauf operieren könnte, und so glatt wie ein Babypopo. Nur besitzt sie eben auch genauso viele Ecken und Kanten. Selbst beim Barfußhören besteht keinerlei Verletzungsgefahr.

Feeding The Beast eröffnet das Album mit einem schweren Riff, großem Refrain und der unverkennbaren Stimme des Meisters. Die angekündigten messerscharfen Gitarren entpuppen sich jedoch als Plastikbesteck vom Kindergeburtstag: Es sieht brauchbar aus, schneidet aber nicht. Welcome To Life trägt anschließend einen ziemlich optimistischen Titel für ein Album, das musikalisch bereits auf der Pathologie liegt. Einige typische Hansen-Melodien blitzen auf, werden von der sterilen Produktion jedoch umgehend eingefangen, sediert und zugedeckt.

Mit Don’t Care und I.D.G.A.F. wird die Scheißegal-Haltung gleich doppelt ausgerufen. Rebellion durch Großbuchstaben – Punkrock kann so einfach sein. Leider klingt das weniger nach erhobenem Mittelfinger als nach einem höflich formulierten Beschwerdebrief, der anschließend laminiert und ordnungsgemäß abgeheftet wurde. I.D.G.A.F. besitzt immerhin einen auffälligen Sechzigerjahre-Gitarrenansatz, wirkt mit seinen synthetischen Spielereien jedoch, als hätten sich die KINKS und Jan Hammer nachts in einem Elektronikmarkt verirrt.

Wait And See schlägt eine kantigere, leicht industrielle Richtung ein und wird schnell zum persönlichen Arbeitsauftrag: warten und sehen, ob vielleicht noch etwas Spannendes passiert. Es passiert nichts. Irgendwann sieht man tatsächlich etwas – die nächste Titelnummer im Display.

Auch End Of The Road, Triple Trouble, Invaders und Wonderland liefern einzelne brauchbare Riffs und Melodien, aber keinen Grund, die Sauerstoffzufuhr wieder hochzufahren. Triple Trouble verursacht ungefähr so viel Ärger wie drei Rentner vor einem geschlossenen Baumarkt, Invaders marschiert ein, findet niemanden zu Hause und geht wieder. Und bei Wonderland wundert man sich hauptsächlich darüber, wie einem Mann mit Hansens Vergangenheit diesmal so wenig Zündendes einfallen konnte.

Born With A Hammer ist kein musikalischer Totalschaden – dafür sind alle Beteiligten viel zu gute Musiker. Fast schlimmer: Es ist eine professionelle, blitzsaubere und vollkommen unnütze Belanglosigkeit. Der Hammer wurde zwar mitgeliefert, besteht jedoch aus aufblasbarem Kunststoff. Man kann ihn sich mehrfach auf den Kopf schlagen, ohne etwas zu spüren. Leider gilt das auch für die Musik. Hansen ist also mit einem Hammer geboren. Gummihammer? Plastikhammer? Quietschhammer vom Rummelplatz? Ich weiß es nicht. Die Platte jedenfalls ist vieles, aber beileibe kein Hammer.


Bewertung: 3,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Feeding the Beast
02.Welcome to Life 
03. I don’t care at all
04. Wait and see
05. I.D.G.A.F.
06. Born with a Hammer
07. End of the Road
08. Triple Trouble
09. Invaders
10. Wonderland




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