Live on Stage Report – SUMMER BREEZE 2025
vom 12. bis 16.08.2025 – Dinkelsbühl
TAG 2 - Mittwoch, 13.08.2026
Ausschlafen, denn es geht erst Mittags mit dem offiziellen Opening des Infields los. Satz mit X. Ausschlafen is nicht, wenn die senile Bettflucht einsetzt. Machen wir das Beste daraus und gehen den anderen gleich morgens aufn Sack. Mukke, Kaffee, Bildmaterial sichern. Die sukzessiv anreisenden Campbewohner einweisen und dann ist auch schon Opening-Zeit. Die Einführung der RFID-Bänder zahlte sich jetzt aus. Als immense Verbesserung ist das Drehkreuz an der Mainstage zu bewerten. Top. Das erspart einem immens Zeit und man muss mit dem ganzen Kamera-Geraffel nicht mehr um das ganze Infield rumlaufen. Auf dem Weg zur T-Stage haben wir uns kurz eine Kaltschale to go im VIP/Pressebereich geholt, der gegenüber 2025 leicht umstrukturiert wurde.
Same procedure as every year Miss Sophie, die Blas(t)music Illenschwang eröffnet offiziell das Summer Breeze 2025. Der Stern oben hatte kein Einsehen und es war bereits jetzt wieder nur heiß. Daher verzichteten wohl die Musiker auf den üblichen Einmarsch über den Ground, sondern liefen regulär auf die Bühne. Bevor Mister Akkordeon / Gesang Friedrich Lotter seine Arbeit aufnahm bekam er erstmal stilgerecht eine mit Patches versehene Blasmusik Illenschwang-Summer Breeze vom Dirigenten überreicht. Was die Crowd natürlich ausgiebig gefeiert hat.
Bei Songs wie „Bei uns in Tirol“ oder „Böhmischer Traum“ kamen die Metalheads langsam aber sicher auf Betriebstemperatur. Doch beileibe nicht in dem Ausmaß wie wir es aus den letzten Jahren gewohnt waren, was sicherlich der Hitze geschuldet war. Trotzdem, das Infield war proppenvoll und es bildeten sich vereinzelte Circlepits, aber eher in Rollatorgeschwindigkeit.
Kaltschale in den Kopp und nach einer kurzen Pause im Schatten hieß es Krieg an der Mainstage. Weise Schutzaanzüge, Klobürsten, fliegende Klopapierrollen. It´s dancing time. Das Infield war gestopft voll, jeder wollte sich den nun folgenden Wahnsinn anschauen. Die Könige der Scheisshausmusik Sanifair, Gutalax. Die Eskalation nahm unter ddem Intro von „Ghostbusters“ seinen lauf und eine Truppe Schutzanzugträger enterte mit säckeweiseie Klopapierrollen bewaffnet die Bühne. Feuer frei. Die Medienverteter gerieten dann ganz schnell zwischen die Fronten und feuerten ebenfalls ddiee Klopapierrollen hin und her. Schluss mit lustig, wir sind hier um ernsthafte Songs auf die 12 zu bekommen.
Die Tschechen hatten inzwischen auch die Bühne betreten und fingen an. „Assmeralda“ „Buttman“, „Robocock“, „Shitbusters“ und natürlich „Diarrhero“. Die Crowd ging dementsprechend ab und die Grabenschlampen bekamen gleich ordentlich was zu tun. Crowdsurfer auf Toi-Toi-Lumas oder Mülltonnen mit menschlichen Inhalt. Jesus bist du es? Die Grabenschlampen hatten auch wieder keine Skrupel den Deckel zu zu machen und sauber die Mülltonne mit dem C-Rohrschlauch zu wässern. Die Crowd und Gutalax hinterließen ein Werk der Zerstörung und für den Klopapierverbrauch hätte man 2020 einen Shitstorm vor dem Herrn kassiert.
Ab ging der Reigen mit der Pendelei zwischen den 3 „Hauptbühnen“. Man braucht sich gar nicht der Utopie hingeben, alle Bands irgendwie zu sehen, vor allem wenn noch welche auf der Campsite-Stage mit dabei sein sollten. Das Kilometerfressen allein nur beim Pendeln zwischen Main- und T-Stage macht einen auf Dauer fertig, ohne dass der Kaltschalenkonsum oder die drückende Hitze mit einkalkuliert sind. Da hilft nur noch, in den Beast-Modus zu schalten und selbige auf der T-Stage abzufeiern.
Wir hatten ja die Special-Show von BAEST am Dienstag auf der Campsite „verpasst“, somit konnten wir uns auch nur die Songs des Mittwochs-Sets reinziehen. BAEST pflügten sich durch ihre Diskografie und hatten natürlich auch Songs des aktuellen Albums Colossal auf der Setlist. Eine saubere Death-Metal-Massage mit Stormbringer, King for a Day und Colossus. Sänger Simon Olsen befeuerte die Crowd unablässig und forderte immer größere Circle Pits. Der Erfolg bei den Temperaturen war na ja. Egal, schön auf die 12, so kann es weitergehen.
Während der Rest Richtung Mainstage abmarschierte, um sich den Metalcore von August Burns Red reinzuziehen, wechselten wir von Dänemarks Beast nach Belgien. Ist das noch Death oder ist das jetzt Deathcore? Die Grenzen verschwimmen da ein bisschen. Das Vierergeschwader um den Aborted-Sänger Sven de Caluwé bringt die Stage ordentlich zum Beben. Willkommen bei der Prügelei von Coffin Feeder. Die Interaktion und das Antreiben der Crowd sind einfach nur herrlich. Coffin Feeder haben so viel Energie, vor allem Sven de Caluwé, der wirkt, als habe man ihm eine LiFePO in den Allerwertesten geschoben. Duracellhase deluxe. Liebes Summer Breeze, bitte beim nächsten Mal Coffin Feeder auf die T-Stage, die Spielwiese der Zerstörung ist da größer.
Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht. Der Weg zur T-Stage war kurz, denn jetzt sollte das schnelle schottische Laufkommando um James McBain, seines Zeichens Mastermind von HELLRIPPER, ran. Es gibt keine Gimmicks, keine ToiTois, keine Beatdowns, nur infernalische Geschwindigkeit. HELLRIPPER übernimmt die T-Stage und hämmert einem Blackened Thrash-/Speed Metal entgegen. „All hail the Goat“. James fragt öfters nach, ob sie langsamer oder doch schneller machen sollten. Der Crowd ist das trotz der Hitze sichtlich egal. Speed it up, MFs. Hab ich mich auf die Buben gefreut. Sie waren am Baden in Blut schon überragend gut, aber heuer auf der T-Stage am Breeze nochmals eine Stufe aggressiver, präziser, vernichtender. Stillstand kennen HELLRIPPER nicht. All gas, no brakes mit Demdike (In League with the Devil), Bastard of Hades oder Black Arts & Alchemy.
Wir wollten uns ja eigentlich The Halo Effect auf der Mainstage anschauen und fotografieren, aber nach einem kurzen Plausch mit einem Vertreter des Pressteams fanden wir gemeinsam heraus, dass selbst für The Halo Effect von Hr. Stanne ein Headliner-Fotopass benötigt wurde. Kurzfristige Änderung. Für keine andere Band des gesamten Summer Breeze mit diesem Zeit-Slot wurde dieser benötigt. Schade.
Off topic: Ich mecker jetzt mal kurz. Wir Medienvertreter nennen diesen speziellen Fotopass auch „Hab-dich-lieb-Pass“. Über die Zuteilung und Anzahl der vergebenen HDL-Pässe (inkl. normaler Fotopässe) wundern wir uns eigentlich immer. Klar ist der Platz direkt vor der Bühne endlich und man muss die Anzahl begrenzen. Aber da siehst du z. T. den ganzen Tag die Inhaber der HDLs nicht, und sie schneien für zwei Bands rein. Oder meine Lieblingsgruppe: die Influencer. Diese werden benötigt, keine Frage. Live-Content, direktes Stimmungsbild. Go for it. Es gilt aber für alle: Die Physik gewinnt immer, und wenn man keinen richtigen optischen Zoom hat, kommt nur digitale Grütze von der 20 m+ entfernten Bühne. Hab euch lieb, Bussi. Meckermodus off.
Dann halt kein The Halo Effect. Ab zur Schweinetruppe von To The Grave. Klassischer Metalcore ist tot, lang lebe der Deathcore. Dane Evans, dem Frontgrunzer der Australier, muss wohl kalt gewesen sein. Er kam mit einem Windbreaker und einer Schweinemaske bewaffnet auf die Bühne. Mit dem Backdrop „Kill your local animal abuser“ war jedem klar, dass hier keine, absolut keine Gefangenen gemacht werden. Breakdowns, Gebolze, permanent auf die Zwölf. Da kann man auch den Frust des HDLs rauslassen.
T-Stagetime. Konichiwa zum 2002 gegründeten japanischen Metalcore-Bulldozer Crystal Lake. Sie legten mit Songs wie Mephisto, Disobey, Hail to the Fire und Crossing Nails ein Set mit technischer Präzision, eingängigen Melodien und aggressiven Breakdowns hin. Ok, Metalcore ist doch nicht tot. Das Infield war in Bewegung und konnte nicht stillstehen. Aber nicht nur auf dem Infield war Bewegung. Nein, auch auf der Bühne war ordentlich Bewegung und Energie. Sänger John Robert Centorrino zettelte einige „Circle Pits“ und eine ordentliche „Wall of Death“ an. Die Metalheads waren nicht mehr zu bremsen. Die Band erst recht nicht. Diese filetierte die Crowd präzise wie einen Kugelfisch – ohne Todesfall.
Für manch einen kam jetzt die Highlight-Band an diesem Abend. InEx. In Extremo. Die alten Haudegen, die die Festivallandschaft seit mehr als 30 Jahren unsicher machen. Die Band verbindet eine lange Geschichte mit dem Summer Breeze. InEx spielten bereits viele Male auf dem Breeze, sei es in Abtsgmünd oder jetzt hier in Dinkelsbühl. Ich bin ehrlich, es ist nicht meine Mukke und trifft absolut nicht meinen Geschmack. Is so, daran gibt's auch nix zu deuteln. Institution hin oder her. Wovor ich aber absoluten Respekt habe, ist, dass sie wissen, wo sie herkommen und wer sie gefördert hat. InEx verneigten sich mit ihrem Song Feine Seele vor Michael Trengert, dem 2013 plötzlich verstorbenen Namensgeber der T(rengert)-Stage. Ohne dessen Förderung wären InEx nicht da, wo sie heute stehen.
Die Truppe teilte sich wieder und einige blieben an der „Main Stage“, um sich den „After-Headliner“-Slot von Retro-Dimmu Borgir reinzuziehen. Viel Chichi, Nebel und nix sehen. Für mich gab es aber nur eine Band. Sólstafir. Wie man Dimmu Borgir und Solsta zeitgleich spielen lassen kann? Warum? Gut, mir war es maximal egal. Ich wollte nur wieder diese atmosphärische Kompaktheit, die Gänsehaut erleben, die ich auf dem Rockharz hatte. Licht, Stimmung, Sound – alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Aðalbjörn Tryggvason interagierte viel und relativ früh mit dem Publikum und begrüßte selbiges nicht erst nach 45 Min. wie auf dem Rockharz. Bei Sólstafir passiert einfach nix auf der Bühne, man wird von den Isländern „nur“ atmosphärisch überrollt. Als sie Fjara anspielen, ist es rum – Gänsehaut und abtauchen. Zum Abschluss balanciert Aðalbjörn entlang des Crashbarriers, greift nach ausgestreckten Händen und einem Smartphone in der Front Row, um kurz mal mit nem Grinser im Gesicht ein Selfie zu machen. Sólstafir, mein persönlicher Headliner des Tages. Den Auftritt habe ich dann erstmal im Camp sacken lassen müssen. Wahnsinn.
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Tag 1 - Dienstag, 12.06.2026

