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Live on Stage Report – SUMMER BREEZE 2025

vom 12. bis 16.08.2025 – Dinkelsbühl


TAG 5 - Samstag, 16.08.2026


Ich werde definitiv zu alt für den Scheiß. Tag 5. Und davor 4 Tage PSOA. Merker für mich: Assistenten, äh, Assistentin akquirieren.

12 Uhr Main Stage. Gut gefüllt war eine Untertreibung. Es war knallevoll. Schreiende Kinder in der Front Row? Dinos auf dem Infield? Das Böseste, was das diesjährige Line-up des Summer Breeze zu bieten hatte. Bubblegum-Dino-Metal. Heavysaurus. So funktioniert musikalische Früherziehung. Auch wenn es erst 12 Uhr war, Heavysaurus bekamen das volle Programm – und die Crowd auch. Pyro. Nicht, dass der Stern ordentlich runtergeknallt hat, nein, die Technik versuchte sie auch noch zu grillen. Texte und Tracknamen zum Wegschmeißen, aber die Kids haben jede Liedzeile gekannt und mitgesungen („Kaugummi ist mega!“, „Pommesgabel“). Dino-Party deluxe.

Wir blieben an der Main Stage, um uns den nächsten Quatsch anzuschauen. Für mich ist der Konsum von Powermetal ja so eine Art Sensibilisierung wie beim Heuschnupfen. Spritzen tun einfach weh und haben nix gebracht. Genau so geht’s mir mit diesem Genre. Zeit für Dominum. Ich wollte mir einfach diesen beworbenen „Hype“ geben. Auf den Powermetal-Zug wurde 2022 aufgesprungen und bislang 2 Alben produziert, die alle gechartet sind. Ist das ein Qualitätsmerkmal? Nö. Heißt nix. Bisschen Maskenschischi und poptaugliches Riffing, das kannste fast auf SWR1 laufen lassen, vor allem, wenn du noch so ein Rock You Like a Hurricane-Cover raushaust. Gut, dass sie nicht The Zoo covern, wäre aber nicht massenkompatibel. Next.

Wir machen heute mal langsam. Die Antriebseinheit, respektive die Latschen, sind am Ende und machen so langsam nicht mehr mit. Gemütliches Rüberwackeln an die T-Stage, um die gewohnt gut gelaunten Spanier von Angelus Apatrida anzuschauen. Thrash geht immer und ist inzwischen nicht mehr so breit auf dem Summer Breeze vertreten. Was ich persönlich schade finde. Präzises, ultraschnelles Riffing führt direkt zur Eskalation in der Front Row. Der Haarpropeller wird ausgiebigst in Rotation versetzt. Guillermo Izquierdo und seine Mannen haben eine teuflische Freude daran, das Infield in Rotation zu versetzen, was sie mit einem diebischen Grinsen im Gesicht auch vortrefflich umsetzen.

Irgendwie sehe ich Stellvris mindestens einmal im Jahr. Die 2019 gegründete Band aus Prag macht, wie die Schreibweise vermuten lässt, den Modern Metal bzw. eher den Metalcore unsicher. Eins kann man definitiv sagen: Frontfrau Nicol hat die Hosen an. Sowohl auf der Bühne als auch, was das Spurhalten der Crowd betrifft. Zuckerbrot und Peitsche. Immer wieder schön, die Band live zu sehen. Sie zerlegten die WeraTool Stage förmlich in ihre Einzelteile. Es war voll und es wurde gesurft, gepogt und eine Riesen-Wall of Death gab's noch mit obendrauf. Welche sauber von Frontfrau Nicol initiiert und im Infield stehend gesteuert wurde. Kategorie: aus der Hand fressen.

Das ganze Powermetal-Gelumpe, Zwergenmetal, Trällerelsen-Gedudel von Wind Rose, Tarja, Hammer King usw. auf der Main Stage habe ich mir geschenkt. Absolut keinen Bock auf sowas. Soweit ist meine Selbsttherapie doch noch nicht. Auf die 12 ist eher mein Ding. Daher ging es erstmal zu einem Urgestein aus Polen. Nein, ihr Banausen, es ist nicht Behemoth. Es ist fuckin' Vader. Wer sich gepflegt in die Fresse kloppen wollte, war bei Piotr Wiwczarek und seinen Mannen an der T-Stage absolut richtig.

Die Crowd wurde mit absoluter Präzision mit Wings, The One Made of Dreams, Xeper oder Cold Demons verdroschen. Kein Schnickschnack, nichts. Ich hatte Vader bereits auf dem Rockharz gesehen und muss sagen: Auf dem Summer Breeze waren sie noch eine Spur druckvoller und tatsächlich besser. Piotr muss unser Bericht vom Rockharz und die Bilder gefallen haben. Die Magazin-Obertrikotage wurde direkt erkannt und mittels Fingerpointing und einem teuflischen Grinsen nonverbal kommentiert. Piotr, you're welcome. Am Schluss wird nochmals alles an Geschwindigkeit und Drumgewitter ausgepackt, um auch dem letzten Kuttenträger einen Scheitel zu ziehen oder ihn auf die dunkle Seite der Macht zu bringen. Da passt der Imperial March aus StürWürz als Outro. Wer will schon auf die helle, Ingwertee saufende und lumpentragende Seite? Schwarz sieht einfach viel geiler aus.

Gut, dass wir sowohl die Weißrussen von Extermination Dismemberment als auch die Amis von Suffocation in der Woche zuvor auf dem PSOA gesehen haben. Zwei Brutal-Death-Walzen zeitgleich in unmittelbarer Nähe zueinander? Mutig. Beide Infields der WeraTool Stage und der T-Stage wurden zerstört. Ich habe mich für Suffocation entschieden.

Der direkte Vergleich mit dem Auftritt vom PSOA zeigte, dass die Handbremse gelöst wurde. Allesamt auf kompletten Krawall gebürstet. Auch Ricky Myers wirkte wieder auf Höhe und diesmal auch verständlich. Wenn man versucht, Derek Boyer mit seinem kompletten Bass aufs Bild zu bekommen, wird es schwierig. Der hängt so tief wie manch einem seine Schlepphoden. Sei's drum, die Jungs haben geliefert und meine In-Ears an ihre Grenzen gebracht.

Was ist rot und hat Palmendeko auf der Stage? Richtig, April Art. Die Deko passte auch wie die Faust aufs Auge zum Track Karma Is a Beach. Da hat Flori von Reaper Entertainment ganze Arbeit geleistet. April Art auf die WeraTool Stage zu setzen – Chapeau. Was sich da vor der Bühne und/oder im Fotograben abspielte, spottet jeder Beschreibung. Es war voll, übervoll, es war Presspassung bei den Medienvertretern und Grabenschlampen angesagt. Flori, du willst mer töten oder? Wer April Art kennt, weiß, dass ein ordentliches Sportprogramm auf einen zukommt. Mit Breakout, Painkiller, Break the Silence, Head Up High und Superhero wurde der Crowd und dem Graben alles abverlangt. Lisa-Marie Watz' Energie und ihr Bewegungsdrang, gepaart mit der Interaktion mit ihren Mitstreitern Julian, Chris und Ben, vor allem deren Posing, sorgen für einen 45-Minuten-Abriss und Spaßfaktor auf Anschlag.

Nachdem wir ja keinen HDL hatten, war ich für mein persönliches Highlight und die fehlende Option, die Bucket List abzuhaken, ein bisschen enttäuscht. Machine Head „nur“ anzuschauen, ohne Bilder zu machen. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Vielen Dank an das Presseteam vom Summer Breeze. Ihr habt die Pixelschubse echt glücklich gemacht. Eine Floating-HDL. Also schnell die Kaltschale in den Kopf und ab in die Kriegszone. Freund-Feind-Kennung wurde abgeschaltet. Ich hatte mich schon bei Gojira gefragt: Wie soll man deren Auftritt und Show noch toppen können? Aber das, was die Truppe um Rob Flynn abgefeuert hat – leck mich fett. Pyro, Pyro, Pyro. LED-Animationen.

Eine Bombenshow. Mindestens Gleichstand mit den Franzosen. Auch sie spielen das Infield in Grund und Boden. Mit Imperium starteten sie, gefolgt von Ten Ton Hammer, Now We Die, Choke on the Ashes of Your Hate, Halo, Locust usw. Es wurde die gesamte Diskografie beackert und so, wie ich das interpretiere, mindestens ein Track von allen 11 Alben. Machine Head agiert wie eine minutiös durchgetaktete Einheit. Es passiert nix mehr zufällig. Bierwurf inklusive. Fällt dem Publikum nicht auf, nur wenn man die Amis öfter sieht. Spätestens als die Akkorde von Davidian erklingen, ist es mit meiner Contenance und später mit meiner Stimme endgültig rum. Aggressionsabbau.

Unsere letzte Band des diesjährigen Summer Breeze bildete Primordial. Sie hatten leider die undankbare Aufgabe, parallel zu Machine Head zu spielen. Daher war unsere Anwesenheit eher von kurzer Dauer. Die irischen Pagan-Metaller spielten ein super atmosphärisches Set. Düster und z. T. schleppend, um auch noch die letzten Lebensgeister aus der nicht ganz so großen Crowd zu vertreiben. Primordial tut die Größe der Crowd aber keinen Abbruch.

Sie ballern The Coffin Ships und Gods to the Godless in gekonnter Manier raus. Sänger Alan Averill hat wieder mal seine Tabletten vergessen und fegt von links nach rechts über die Stage und brüllt einen in Grund und Boden, gepaart mit einer Gesichtsmimik – da will man ihn schnellstmöglich in die Klapse verfrachten. Das Einzige, was dieses atmosphärische Set extrem gestört hat, war das Feuerwerk, das bei Machine Head abgebrannt wurde. Das störte dann auch Alan extrem und er brüllte Richtung Publikum: "Are you with us? Fucking fireworks. We are over here and we don't use Auto-Tune." Holla die Waldfee, was für ein Seitenhieb Richtung Machine Head.

Nach 5 Tagen ist dann der Akku definitiv tiefentladen und wir machen uns auf den Weg Richtung Bett. Bands wie Cytotoxin und Kissin' Dynamite lassen wir links liegen. Wir sind durch. Dass Die Apokalyptischen Reiter morgens um 1 das Summer Breeze 2025 beschließen (undankbarer Platz auf der Running Order), bekommen wir gar nicht mehr mit. Der Stecker ist raus.

Damit ist das Summer Breeze 2025 in the books. Der Wettergott hatte dieses Jahr auch wieder kein Einsehen und kochte uns und die anderen 45.000 Besucher auf kleiner Stufe gar. Ich brauche jetzt Pause. 5 Tage Summer Breeze und davor 4 Tage PSOA gehen an die Substanz. Summer Breeze 2025, du warst wieder mal klasse, auch wenn du mich ca. 18 km pro Tag hast laufen lassen.

Jedes Jahr werden weitere Verbesserungen implementiert, die das Leben einfacher machen. Aufstockung bei den Sanitäranlagen, das Anreisekonzept, die elektronische Einlasskontrolle mit Bezahlfunktion – all die kleinen und großen Dinge, die den Ablauf des Festivals konsequent verbessern und beschleunigen. Das zeigt, dass das Summer Breeze eine gut geölte Maschinerie ist, die auch auf das Feedback der Metalheads hört. Der Sound war wieder mal überragend. Ein Lob vor allem an das Team, das die T-Stage betreut. Das hat sich die letzten Jahre stets verbessert und macht einen sauguten Job. Und wenn es mal irgendwie soundtechnisch hakte, waren es in 99 % aller Fälle die Tourmischer der Bands, die es versaut haben. 

Das Summer Breeze hat einfach wieder Spaß gemacht. Das Treffen der üblichen Verdächtigen, das Hottentotten-Camp, der Männerausflug, der Einblick hinter die Kulissen bei den Bands (Avralize, WeraTool Stage, Artistbereich), wie das Mediateam des Summer Breeze arbeitet (extrem professionell und mit einem ganz dicken Nagel im Kopp), die kleinen und großen Gespräche, klar die Mukke, die Running Order nicht so (Überschneidungen/Slots einzelner Bands), aber ganz vorne die Crowd. Ohne die wäre das Summer Breeze einfach eine leere, spaßbefreite Wiese im Fränkischen. Merci. Liebes Summer Breeze, wenn wir 2026 wieder in unserem zweiten Wohnzimmer vorbeischauen dürften. Wir versprechen auch, artig zu sein. Bussi und so. HDL?




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